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Rheinland-Pfalz

Lese: Turbo-Ernte in den Weinbergen

Ungewöhnlich früh haben die meisten Winzer in Deutschland ihre Traubenernte abgeschlossen. Nicht ganz freiwillig: Der viele Regen und die schwüle Witterung machten die Trauben extrem anfällig für Fäulnis. Ein einheitliches Fazit für den Jahrgang 2014 ist schwer zu ziehen – Fäulnis- und Schädlingsbefall sind nicht nur regional, sondern sogar von Lage zu Lage sehr unterschiedlich.

Weinlese an der Mosel (Archivbild aus 2012)
Weinlese an der Mosel (Archivbild aus 2012)
Foto: Thomas Frey (dpa)

Menge normal – Qualität muss sich noch beweisen

Insgesamt äußert sich das Deutsche Weininstitut (DWI) über die Qualitäten zufrieden. Die bundesweite Erntemenge wird mit 9,2 Millionen Hektoliter Most sogar leicht über dem langjährigen Durchschnitt von 9,1 Millionen Hektolitern liegen. Im vergangenen Jahr waren es nur 8,4 Millionen Hektoliter, erklärt DWI-Sprecher Ernst Büscher in Mainz. "Schade nur, dass ausgerechnet der Riesling nicht so lange durchgehalten hat", sagt er. "Die Winzer können sicher nicht das Optimum aus dem Berg holen. Aber 80 bis 90 Grad Oechsle waren absolut drin."

Laut Auskunft Büschers ist die Traubenernte bundesweit zu gut 90 Prozent beendet: "Manche Winzer sprechen von der schnellsten Lese, die sie je hatten." Wegen des Herbstregens und der Kirschessigfliege, die sich überwiegend an Rotweintrauben labte, war nicht nur Eile geboten, sondern auch viel Handarbeit für das Aussortieren ungeeigneter Trauben nötig. Nach dem extrem frühen Austrieb waren die Trauben trotz des verregneten Augusts aber schon reif.

Durchwachsen fällt die Bilanz der Winzer in der Region aus. Die Betriebe an der Mosel hofften noch bis vor wenigen Tagen auf ein gutes Ergebnis. Durch die warmen Tage in der vergangenen Woche wurde die an einigen Stellen entstandene Fäulnis aber vorangetrieben. Moselweinbaupräsident Rolf Haxel, selbst Besitzer eines Weinguts in Cochem, glaubt daher nicht mehr, dass die Winzer die beiden schlechten Ernten der vergangenen zwei Jahre wettmachen können. Die Qualität sei trotzdem da. Der Spätburgunder, der schon eingeholt ist, hat ein Mostgewicht von rund 90 Grad Öchsle. Winzer Florian Weingart aus Spay erwartet dagegen auch bei der Qualität einen unterdurchschnittlichen Jahrgang.

Jeder Winzer auf seine Weise

Am Mittelrhein sind die Trauben noch nicht übermäßig reif. Winzer Weingart liest dennoch, weil Fäulnis und Essigfäule die Ernte sonst komplett vernichten. Sein Kollege Michael Schneider, der ebenfalls am Mittelrhein im Bopparder Hamm Riesling anbaut, klagt schon jetzt über Ernteausfälle von bis zu 40 Prozent. Winzer Gotthard Emmerich aus Leutesdorf am Mittelrhein kann das Fazit seiner Kollegen nicht teilen und ist sich sicher: "Der Jahrgang 2014 wird ein sehr guter." Ob schnelles Ernten oder Umstellung des Vorgehens – jeder Winzer versuchte, auf seine Weise mit dem Wetter umzugehen. Die einen entblätterten die Stöcke, andere ernteten selektiv. "Was jetzt noch hängt, fault schnell", sagt Winzer Mohr. Für trockene Weine braucht es aber gesunde Trauben – die habe man deshalb lieber vorzeitig abgeschnitten, anstatt den Reifeprozess bis zum Ende auszureizen.

An der Ahr sind die Winzer mit ihrer Ausbeute zufrieden. Den robusten, locker hängenden Beeren des Spätburgunders haben Regen und Feuchtigkeit weniger zugesetzt als anderen Rebsorten. "Es ist ein hervorragendes Qualitätsweinjahr, aber kein Prädikatsweinjahr", zieht Weinbaupräsident Hubert Pauly Bilanz. Er weist aber darauf hin, dass die Ahrwinzer besondere Ansprüche an einen Qualitätswein haben – die Hürden sind entsprechend hoch. Mit durchschnittlichen Öchslewerten zwischen 74 und 83 Grad taugt das sorgfältig per Hand selektierte Lesegut für gute Qualitätsweine. Damit die Beeren immer wieder gut abtrocknen konnten, hatten die Winzer 20 Prozent mehr an Arbeit in die Laubentfernung investiert. Die Ahr rechnet mit einer Erntemenge von vier Millionen Liter Wein. Damit lägen die Einbußen bei rund 20 Prozent.

nim/bea/cno/vos/sub

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