40.000
Aus unserem Archiv
Mainz

Geistlicher aus Bistum Mainz hat Texte auf Hassportal kreuz.net

Seit Jahren hetzen Autoren auf der Internetseite kreuz.net gegen Juden, Muslime, Homosexuelle und alles, was Erzkonservativen fortschrittlich erscheint. Doch nun haben Recherchen des Magazins „Der Spiegel“ ergeben, dass dort auch Beiträge eines Geistlichen aus dem Bistum Mainz veröffentlicht wurden: Pfarrer Hendrick Jolie, Leiter der Pfarrgruppe Darmstadt Ost.

Mainz – Seit Jahren hetzen Autoren auf der Internetseite kreuz.net gegen Juden, Muslime, Homosexuelle und alles, was Erzkonservativen fortschrittlich erscheint. Doch nun haben Recherchen des Magazins „Der Spiegel“ ergeben, dass dort auch Beiträge eines Geistlichen aus dem Bistum Mainz veröffentlicht wurden: Pfarrer Hendrick Jolie, Leiter der Pfarrgruppe Darmstadt Ost. Er weist aktive Mitwirkung zurück.

57 Treffer auf kreuz.net – nachdem einige einfach kopierte Texte von Hendrick Jolie bereits entfernt wurden.

Den Tod des Komikers Dirk Bach feierte kreuz.net gerade erst mit den Worten „Jetzt brennt er in der ewigen Homohölle“. Die katholische Kirche distanziert sich ausdrücklich von dem Hassportal. Recherchen des Magazins „Der Spiegel“ haben nun ergeben, dass dort auch Beiträge eines Geistlichen aus dem Bistum Mainz veröffentlicht wurden: Pfarrer Hendrick Jolie, Leiter der Pfarrgruppe Darmstadt Ost. Jolie streitet eine direkte Verbindung zum Hassportal ab. „Ich finde es nicht nett, dass ich jetzt mit Gedankengut in Verbindung gebracht werde, für das ich ganz und gar nicht stehe“, sagte Jolie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ursprünglich hatte er seine Beiträge nach eigener Aussage nur für seine Internetseite verfasst und war überrascht, seine Texte auf dem Hassportal zu finden. „Die Macher hinter kreuz.net haben sie, ohne zu fragen, kopiert und veröffentlich“, erklärt Pfarrer Jolie. Er habe den Machern des Hassportals nie einen Text geschickt und habe sie nun per E-Mail gebeten, seine Beiträge von der Seite zu nehmen – mit Erfolg: Sie haben bereits einige Texte gelöscht. Jolies Positionen finden bei den Machern der Seite Beifall, er dient in Texten häufiger als Kronzeuge gegen zu liberale Positionen und wird regelmäßig als "bekannter Pfarrer" genannt. Jolie ist einer der drei Sprecher des Netzwerkes katholischer Priester, das sich für eine unverkürzte Verkündigung der katholischen Lehre ausspricht. Auf seinen Seiten distanziert sich das Netzwerk nach dem Spiegel-Artikel auch von kreuz.net

Eine Untersuchung gegen den Pfarrer soll es nicht geben. „Wir sehen dazu keine Notwendigkeit“, erläutert Tobias Blum, Sprecher des Bistums Mainz. Der Sekretär der Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, hatte zuvor laut Spiegel dem Grünen-Abgeordneten Volker Beck geschrieben, dass es sich bei aktivem Engagement auf den kreuz.net-Seiten "um eine ungeheuerliche Pflichtverletzung handeln [würde], die für den kirchlichen Dienstgeber nicht hinnehmbar wäre". Auch Texte eines weiteren Geistlichen aus Mainz stehen auf kreuz.net. Prälat Georg May, der für das Bistum Görlitz arbeitet, war jedoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Kirche wehrt sich gegen Veröffentlichung auf kreuz.net

Die Standpunkte und Beiträge der beiden Geistlichen sind innerhalb der katholischen Kirche nicht unumstritten, haben aber nichts mit den volksverhetzenden, antisemitischen und menschenverachtenden Texten gemein, für die kreuz.net als Hassportal bekannt wurde.

Jolie zum Beispiel befasst sich auf seiner Internetseite mit dem Exorzismus und schreibt, es gebe „in der Tat“ Phänomene wie „dämonische Einwirkungen durch das Treiben entsprechender Kreise, die mit bösen Geistern paktieren“, oder Menschen, die unter Verfluchungen leiden würden. Und weiter: „Die Weigerung vieler Diözesen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, ist ein schwerwiegender Missstand.“ Vielmehr sei „eine solide Beschäftigung mit diesem Thema“ das Gebot der Stunde.

Indessen plant das Bistum Mainz keine rechtlichen Schritte gegen die Macher von kreuz.net. Denn die Drahtzieher hinter der Seite sind unbekannt. Sowohl das Bundesamt für Verfassungsschutz als auch die Hackergruppe des Chaos Computer Clubs scheiterten bei dem Versuch, die Hintermänner zu identifizieren. Über die Organisation des Portals ist nur bekannt, dass es 2002 auf den Namen eines Österreichers in Panama registriert wurde und seitdem von Server zu Server wandert. Die Aufmachung von kreuz.net ähnelt der Seite kath.net, sodass das Portal zunächst einen serösen Eindruck hinterlässt.

Von unserem Reporter Christian Weihrauch

Rheinland-Pfalz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Das Wetter in der Region
Montag

1°C - 7°C
Dienstag

2°C - 5°C
Mittwoch

2°C - 5°C
Donnerstag

1°C - 6°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Anzeige
Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!