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    Speyer

    Berühmtester Gefangener des Mittelalters: Löwenherz-Schau in Speyer

    Er gilt als eine der faszinierendsten Figuren des Mittelalters: Der englische König Richard Löwenherz. Um die Zeit seiner Gefangenschaft auf dem Trifels dreht sich eine große Ausstellung in Speyer.

    Die Löwenherz-Ausstellung in Speyer öffnet am Sonntag, den 17. September.
    Die Löwenherz-Ausstellung in Speyer öffnet am Sonntag, den 17. September.
    Foto: dpa

    Ein Zweikampf mit König Richard Löwenherz konnte für seinen Gegner schlecht ausgehen. «Wer einmal einen Hieb von ihm empfangen hat, der brauchte keinen zweiten», zitiert der Heidelberger Historiker Stefan Weinfurter aus den Quellen über den englischen Herrscher (1157-1199), der als eine der «faszinierendsten Gestalten des Mittelalters» gilt. Demnach war Richard groß und kräftig und konnte vortrefflich mit dem Schwert umgehen.

    Aber im Leben des Regenten gab es eine Phase, in der die Welt für ihn Kopf stand, in der er schwach und ausgeliefert war. Auf dem Rückweg vom dritten Kreuzzug wurde er bei Wien gefangen genommen und über ein Jahr lang auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz und Elsass inhaftiert - bis er für das damals unfassbar hohe Lösegeld von 100 000 Mark freikam. «Richard Löwenherz ist der berühmteste Gefangene des Mittelalters», sagt der Direktor des Historischen Museums der Pfalz in Speyer, Alexander Schubert. Eine als beispiellos bezeichnete Ausstellung seines Hauses beleuchtet nun genau diese Phase.

    «Richard Löwenherz. König - Ritter - Gefangener» lautet der Titel der Schau, zu deren Leihgebern sogar die britische Königin Elizabeth II. zählt. Die Ausstellungsmacher beziehen dabei auch moderne Kommunikationsmethoden mit ein. So werden in Landschafts-Animationen auf einem Bildschirmen die Reisen des Königs durch Europa nachgezeichnet, von markierten Orten setzt er fiktive Meldungen über den Kurznachrichtendienst Twitter ab. «Bin gespannt auf meine Braut», heißt es etwa in einem Tweet, den er vor der Begegnung absetzt. Von wo wurde sie abgeschickt? «Gesendet von meinem Pferd», steht darunter.

    Die Realität für den Kreuzfahrer Richard war natürlich weniger lustig. Er habe sich schon auf dem Weg ins Heilige Land zahlreiche mächtige Feinde geschaffen, sagt Kuratorin Sabine Kaufmann, «und damit auch schon die Grundlage für seinen anschließenden tiefen Fall».

    Dass Richard auch grausam sein konnte, bewies er, als er vor Akkon 3000 muslimische Geiseln töten ließ. Einen Fehler beging Löwenherz offenbar auch, als er in Akkon die Fahne des österreichischen Herzogs Leopold V. herausriss und in den Schmutz warf - um den Sieg für sich allein beanspruchen zu können und den anderen nicht an der Kriegsbeute beteiligen zu müssen.

    Richard habe Leopolds Rang offenbar falsch eingeschätzt, sagt Historiker Weinfurter. Und die Folgen vermutlich auch. «Ehrverletzung gehört - neben ein paar anderen Dingen - fast zu den schlimmsten Verbrechen dieser Zeit.» Leopold sei wahrscheinlich zutiefst verletzt gewesen.

    Das rächte sich für den König. Auf dem Rückweg aus dem Heiligen Land nahm Leopold ihn gefangen und lieferte ihn an den Stauferkaiser Heinrich VI. aus. Bei einem Schauprozess in Speyer wurde Richard am 22. März 1193 mit einer langen Liste von Vorwürfen konfrontiert - dazu gehörte die Ermordung Konrads von Montferrat. Danach verbrachte er mehr als ein Jahr am Oberrhein in Gefangenschaft, unter anderem auf der Reichsburg Trifels im Gebiet der heutigen Südpfalz, aber auch im heute elsässischen Haguenau sowie in Speyer, Worms und Mainz.

    Die Berichte über die Haft selbst gehen auseinander. An seine Mutter schrieb Richard, die Bedingungen seien durchaus angenehm und er werde gut behandelt. Die meiste Zeit, so die Ausstellungsmacher, sei er wohl in einer Art «Edelhaft» gehalten worden.

    Richard selbst habe aber auch berichtet, dass er beim Besuch eines französischen Gesandten «förmlich mit Fesseln beladen worden sei». Richard, der auch Minnelieder schrieb, klagte in einem Lied, dass er lange auf die Zahlung des Lösegeldes warten musste - eine Summe, die 23 Tonnen reinen Silbers entsprach. Umgehend begann er nach der Freilassung damit, die Gebiete zurückzuerobern, die der französische König Philipp II. während seiner Abwesenheit erobert hatte.

    In der Ausstellung selbst erinnert unter anderem ein Bleikästchen an den Herrscher, der später durch einen Armbrustschuss starb. Darin wurde sein Herz aufbewahrt. Es findet sich auch ein Gipsabdruck seiner Grabplatte. Ein realistisches Bildnis gibt es nicht, denn damals wurden den Experten zufolge nur stilisierte Bildnisse angefertigt.

    Das gilt auch für die kleine Skulptur am Ende der Ausstellung, die Richard hoch zu Ross mit erhobenem Schwert zeigt. Es ist eine Kopie des Denkmals, das am 26. Oktober 1869 vor den Parlamentsgebäuden in London eingeweiht wurde. Königin Victoria schenkte die kleine Kopie ihrem Gemahl Prinz Albert. Nun hat die Queen es an Speyer verliehen.

    «Was ihm gefallen hätte ist die große Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird», sagt Museumsdirektor Schubert. Löwenherz, der sich als Nachfolger des legendären König Artus gesehen habe, sei «ein Meister des Selbstinszenierung» gewesen.

    dpa

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