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Baumholder

ADAC Rallye Deutschland: Begegnungsverkehr auf der Panzerplatte

Seit Freitag läuft die ADAC Rallye Deutschland, der neunte Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft. Die Favoriten fahren VW. Weltmeister Sébastien Ogier und Jari-Matti Latvala, der den achten WM-Lauf, die Finnland-Rallye, für sich entschieden hat.

Jari-Matti Latvala bestätigte beim Shakedown in Konz seine glänzende Form und beendete das Abschlusstraining für die ADAC-Rallye Deutschland als Erster vor Weltmeister Sébastien Ogier. Foto: Joachim Hähn
Jari-Matti Latvala bestätigte beim Shakedown in Konz seine glänzende Form und beendete das Abschlusstraining für die ADAC-Rallye Deutschland als Erster vor Weltmeister Sébastien Ogier.
Foto: Joachim Hähn

Von Sascha Nicolay

Werden die Wolfsburger Piloten ihrer Favoritenrolle gerecht, dann könnte VW schon am Sonntag im Ziel in Trier den Konstrukteurs-WM-Titel verteidigt haben. Wie fast immer bei der Deutschland-Rallye liegt der Schlüssel zum Sieg auf der Panzerplatte in Baumholder. Zum ersten Mal werden dort am Samstag zwei verschiedene Wertungsprüfungen gefahren, die die Rallye-Teams einmal am Vormittag (ab 9.51 Uhr) und einmal am Nachmittag (ab 16.44 Uhr) angehen. Zwischen den Wertungsprüfungen wird den Zuschauern ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm geboten – doch die Hauptattraktion bleibt natürlich der Kampf der Rallyeteams um die schnellste Zeit.

Damit die WPs auf dem Truppenübungsplatz reibungslos über die Bühne gehen können, haben die Mitglieder des Sportfahrerteams Hunsrück wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Noch mehr als in den vergangenen Jahren stand das Thema Sicherheit im Vordergrund. Für Wolfgang Huhmann, den Leiter der mehr als 42 Kilometer langen Königsetappe der Rallye Deutschland bringt das seit Monaten einen erhöhten Arbeitsaufwand mit sich. Erstmals verlangen die Behörden beispielsweise, dass sämtliche Helfer und Ordner, die so genannten Marshalls nummeriert sein müssen. Für Huhmann und sein Team hatte das zur Folge, dass er – bei rund 700 Helfern auf der Panzerplatte – einen regelrechten Katalog erstellen musste, in dem exakt aufgeführt ist, welcher Marshall wo auf den Wertungsprüfungen eingesetzt ist.

Yuriy Protasov und Beifahrer Pavlo Cherepin (beide Ukraine) passieren bei der ADAC-Rallye Deutschland den Springhügel «Gina» der Wertungsprüfung auf dem Truppenübungsplatz in Baumholder.
Yuriy Protasov und Beifahrer Pavlo Cherepin (beide Ukraine) passieren bei der ADAC-Rallye Deutschland den Springhügel «Gina» der Wertungsprüfung auf dem Truppenübungsplatz in Baumholder.
Foto: Thomas Frey/dpa

Die Planung des Sicherheitskonzepts füllt Ordner. Sicherheitstechnisch ist alles bis ins Detail abgestimmt. Das geht sogar so weit, dass die Anweisungen und Erklärungen in den Flyern zur Sicherheit unter anderem in tschechisch und polnisch gedruckt sind. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ausländische Rallyefans plötzlich kein deutsch mehr verstanden haben, wenn es um Sicherheitsanweisungen ging", lacht Huhmann. "Jetzt können wir einfach auf den betreffenden Punkt im Flyer zeigen und jeder sollte Bescheid wissen."

Bewährte Helfer: Das Aufbauteam des Sportfahrerteams Hunsrück plante den Aufbau der beiden Panzerplattenwertungsprüfungen im Sportheim in Mackenrodt. Foto: Joachim Hähn
Bewährte Helfer: Das Aufbauteam des Sportfahrerteams Hunsrück plante den Aufbau der beiden Panzerplattenwertungsprüfungen im Sportheim in Mackenrodt.
Foto: Joachim Hähn

Hinzu kommt, dass bei allem, was auf der Panzerplatte geschieht, genau hingeschaut wird. "Wir haben uns über die Jahre einen besonderen Status erarbeitet", erklärt Huhmann. "Das ist einerseits sehr positiv, wie das große Interesse der verschiedenen Firmen an der Panzerplatte zeigt, sorgt aber auch dafür, dass uns andere Veranstalter genau auf die Finger kucken. Wir stellen uns dieser Situation, denn wir haben es uns so über Jahre gewünscht. Aber logischerweise wollen wir auch versuchen, alles perfekt ablaufen zu lassen."

Zum perfekten Ablauf gehört nach der perfekten Planung der perfekte Aufbau. Das STH ist in dieser Beziehung bestens aufgestellt. Die Installierung der WP-Strecken und der Zuschauerräume klappte wie immer prinzipiell reibungslos, weil jeder Helfer im Aufbauteam weiß, was zu tun ist. Schwierigkeiten machte aber das Wetter der vergangenen Woche. Am gestrigen Donnerstag erzählte Huhmann: "Der starke Regen und Wind haben uns doch einiges von den gelben Säcken, die uns als Absperrung dienen, zerrissen. Wir mussten das reparieren, was uns natürlich ein paar Überstunden gekostet hat."

Jari-Matti Latvala und Beifahrer Mikka Anttila (beide FIN) passieren bei der ADAC-Rallye Deutschland den Sprunghügel «Gina» der Wertungsprüfung auf dem Truppenübungsplatz in Baumholder.
Jari-Matti Latvala und Beifahrer Mikka Anttila (beide FIN) passieren bei der ADAC-Rallye Deutschland den Sprunghügel «Gina» der Wertungsprüfung auf dem Truppenübungsplatz in Baumholder.
Foto: Thomas Frey/dpa

Doch der Aufbaustress hat sich gelohnt. Die Rallyefans aus ganz Europa können sich auf ein außergewöhnliches Ereignis freuen. Die Panzerplatte für sich ist eigentlich schon spektakulär genug, doch diesmal wird es für die Zuschauer geradezu sensationell. So lange wie auf dem Truppenübungsplatz sind die Rallyefahrzeuge sonst nirgendwo zu sehen. Nicht nur, dass neben der bewährten langen Prüfung diesmal auch eine kurze gefahren wird. Nein, die beiden Wertungsprüfungen finden auch noch fast zur gleichen Zeit statt und begegnen sich im "Nudeltopf". Das geschieht an der dritten Kreuzung vor der Naturtribüne unterhalb des Turms auf der Arena Panzerplatte. "Wenn bei der kleinen WP etwa der zehnte Wagen auf die Piste geht, startet die große WP", erklärt Huhmann.

Zur "Begegnung" kommt es, wenn die Autos auf der kurzen WP von der "Platte Nord" in Richtung Ziel brettern, während die Wagen auf der großen WP vom Maiwald in den Nudeltopf einbiegen. "Natürlich benutzen die beiden Wertungsprüfungen nicht die gleiche Strecke", lacht Huhmann. "Heuballen und eine Betonsperre grenzen die Wege der beiden WPs von einander ab." Trotzdem kann es passieren, dass die Zuschauer zwei Rallyefahrzeuge nur einige Meter von einander entfernt erleben. Spektakulärer geht es eigentlich nicht...

Impressionen von der Rallye in Trier.
Impressionen von der Rallye in Trier.
Foto: Nikos Mitsouras/dpa

Es bleibt abzuwarten, ob die VW-Piloten die Panzerplatte als Basis für den nächsten WM-Titel nutzen, oder ob Vorjahressieger Dani Sordo (damals im Citroën, diesmal im Hyundai) seinen Coup wiederholen kann. Oder, ob Ex-Formel-1-Star Robert Kubica im Ford Fiesta beziehungsweise Thierry Neuville im Hyundai dazwischen funken können. Ihre jeweiligen Fanlager werden ganz sicher für Stimmung sorgen. Vor allem, wenn sich die WRC-Stars an der Kreuzung treffen.

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