Archivierter Artikel vom 23.10.2018, 10:40 Uhr
Neuwied

Kutscher und Schmidt begeistern erneut mit einer Lesung

Es gehört mittlerweile schon zur guten Tradition im Café Auszeit der Neuwieder Marktkirche, so Hausherr Pfarrer Werner Zupp bei seiner Begrüßung, dass Herbert Kutscher mit einer Lesung seine Zuhörer begeistert.

Begeisterten einmal mehr ihr Publikum bei der jüngsten Lesung im Café Auszeit: Herbert Kutscher und KMD Thomas Schmidt (am Klavier).
Begeisterten einmal mehr ihr Publikum bei der jüngsten Lesung im Café Auszeit: Herbert Kutscher und KMD Thomas Schmidt (am Klavier).
Foto: Hans Hartenfels

Nach Wolfgang Borchert, Mascha Kaleko, Rainer Maria Rilke und Selma Meerbaum, nun also der rheinische Autor Karl Zuckmayer, 1896 in Nackenheim geboren. Dem breiten Publikum mit seinen größten Erfolgen „Der Hauptmann von Köpenick“, „Der fröhliche Weinberg“ und „Des Teufels General“ bekannt. Und daraus liest Kutscher dann auch die markantesten Szenen. Und zwar derart unnachahmlich, dass man teilweise eine Stecknadel im Saal fallen hören konnte, bei anderen Szenen ein Schmunzeln nicht unterdrücken konnte oder sich vor dem geistigen Auge beim Hauptmann von Köpenick, der ja den allgegenwärtigen preußischen Drill allzu deutlich heraus- und bloß stellte, die Filmdarsteller Heinz Rühmann oder Edith Hanke glaubte zu hören.

Zuckmayer, dem die NSDAP Schreib- und Aufführungsverbot verordnete, floh nach dem „Anschluss“ von Österreich in die Schweiz und emigrierte 1939 in die USA. Das alles hatte auf seine Schaffenskraft zum Glück keinen Einfluss und 1977 stirbt mit ihm einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren in der Schweiz. Zum Glück hatte der erzwungene Reisemarathon keinen Einfluss auf sein Schaffenskraft, so dass Herbert Kutscher einmal mehr aus dem Vollen schöpfen konnte und nuanciert und gekonnt fesselnde Gedichte und Auszüge aus den Dramen vortrug.

Dabei erneut hervorragend am Klavier mit passenden Musikstücken begleitet von Kirchenmusikdirektor Thomas Schmidt, so dass man sich mit Recht, wie Werner Zupp es formulierte, schon auf die nächste Lesung freuen darf, da es ja noch genügend interessante Autoren gäbe.

Hans Hartenfels