Archivierter Artikel vom 16.07.2018, 15:44 Uhr
Neuwied

GTRVN-Ruderer Patrik Sassin und Markus Müller sitzen im Siegerboot des „All You Can Row“-Rudermarathons

AYCR oder auch „All You Can Row“ ist eine Veranstaltung des Karlsruher Ruderklubs Alemania und sieht vor, wie der Name schon sagt, so viele Kilometer wie möglich zu rudern.

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Foto: Gymnasial-Turn-Ruderverein Neuwied

Gestartet wird mit dem Sonnenaufgang, am Wochenende nahe dem längsten Tag des Jahres, und endet bei Sonnenuntergang. Wer innerhalb dieser Zeit die längste Strecke im Ruderboot zurücklegt, gewinnt die Veranstaltung.

Am Start, nebst weit mehr als 100 weiteren Teilnehmern, waren die beiden Ruderer des Gymnasial-Turn-Rudervereins Neuwied (GTRVN) Patrik Sassin und Markus Müller zusammen mit ihrer aus Christian Klandt, Jochen Betten und Michael Ehrle bestehenden Vierer-Mannschaft. Beim üblichen gemeinsamen Grillen am Vorabend in Karlsruhe meinte ein anderer Teilnehmer zu den Neuwiedern „Na, fahrt Ihr morgen nach Hause?“ Immerhin hieße das, 251 Kilometer an einem Tag mit Muskelkraft zurückzulegen. In der Vorstellung des witzelnden Teilnehmers keine realistische Größenordnung. Da hatte er die Rechnung ohne die Neuwieder gemacht.

Am nächsten Morgen ging es mit reichlich Proviant an Bord bei Sonnenaufgang los. Viele andere Boote konnten gleich zu Beginn überholt werden. Bereits nach etwa 40 Kilometern hatte man die Konkurrenz so weit hinter sich gelassen, dass der Sichtkontakt abriss. Offenbar machte der stetig stärker werdende Gegenwind den anderen mehr zu schaffen als den routinierten Marathonruderern aus Neuwied. So rauschte das Boot ohne Pause an Worms und Mainz vorbei bis nach Geisenheim. Dort wurde eine kurze Pause eingelegt, aber schon bald ging es weiter. Trotz Gegenwind hatte man bis hierher bereits 150 Kilometer geschafft.

Die Hoffnung, nach dem Verlassen des Rheingaus im malerischen Mittelrheintal auf weniger Gegenwind zu stoßen, löste sich leider in Luft, genauer gesagt, in weiteren Gegenwind auf. Kräftig schob der Wind gegen das Boot und peitschte das Wasser teilweise sogar zu leichten Schaumkronen auf den Wellen auf. Dennoch wurde weiter gerudert. Immerhin sollte es in Neuwied beim Vereinsfest der Neuwieder Rudergesellschaft (NRG) Steaks und kühles Bier geben. Auch wenn das Rudern so langsam richtig in Arbeit ausartete, wirkte die Aussicht auf eine Belohnung im heimatlichen Neuwied doch motivierend.

Als dann hinter Boppard sogar leichter Schiebewind aufkam und der Wind ab Koblenz sogar fast gänzlich verstummte, gab es kein Halten mehr. Folglich kam die Mannschaft zwar merklich mitgenommen, aber doch deutlich vor Sonnenuntergang am heimatlichen Steg an. Dabei ist zu erwähnen, dass es kein zweites Boot so weit geschafft hatte. Der Sieg ging also eindeutig nach Neuwied. Die zweitplatzierte Mannschaft hatte es bis St. Goar geschafft. Der Großteil der teilnehmenden Boote erreichte Oppenheim, Mainz oder maximal Bingen.

Trotz des starken Gegenwindes und des niedrigen Wasserstandes hatte die erfahrene Neuwieder Mannschaft 251-Kilometer-Strecke von Karlsruhe nach Neuwied erfolgreich zurückgelegt. Nach „All You Can Row“ durfte man sich ein „All you can eat“ nach getaner Arbeit beim Gründungsfest der NRG nun durchaus erlauben.