Archivierter Artikel vom 25.09.2018, 14:05 Uhr
Neuwied

Arbeit: Notwendig ist eine soziale und solidarische Politik

Diskussionsveranstaltung mit MbB Beate Müller-Gemmeke und Rüdiger Hof, Kreisvorsitzender des DGB, in Neuwied.

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Die Teilnehmenden an der lebhaften Diskussion mit MbB Beate Müller-Gemmeke (5. von links) und dem Kreisvorsitzenden des DGB, Rüdiger Hof (1. von rechts).
Die Teilnehmenden an der lebhaften Diskussion mit MbB Beate Müller-Gemmeke (5. von links) und dem Kreisvorsitzenden des DGB, Rüdiger Hof (1. von rechts).
Foto: Bündnis 90 / Die Grünen Kreisverband Neuwied

„Arbeit bedeutet gesellschaftliche Teilhabe“, davon ist Beate Müller-Gemmeke überzeugt. „Bei guter Arbeit fühlen wir uns gebraucht, bekommen Wertschätzung und Anerkennung.“ Aber bei schlechter Arbeit, bei prekärer Arbeit ist das Gegenteil der Fall. Da waren sich die grüne Bundestagsabgeordnete und Rüdiger Hof, Kreisvorsitzender des DGB, einig. Auf Einladung des grünen Arbeitskreises Soziales waren die beiden am 7. September nach Neuwied gekommen, um mit Interessierten über gerechte Arbeit zu diskutieren.

Schlechte Arbeitsbedingungen, befristete Jobs oder Leiharbeit sorgen bei vielen Menschen für Unsicherheit. Hinzu kommen zu niedrige Einkommen. Der Mindestlohn reicht heute nicht aus, um im Laufe eines Arbeitslebens eine eigenständige Rente zu erwirtschaften. „Für viele Menschen droht so Altersarmut“, so Müller-Gemmeke. Rüdiger Hof berichtete gleiches aus der betrieblichen Praxis. Zudem beschrieb er die steigende Arbeitsbelastung in den Unternehmen, die zu Stress und in der Folge auch zu Burnout führt.

Viele Menschen haben Angst vor dieser Aussicht. Sie sind verunsichert. „All diese Unsicherheiten bedrohen den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, meint Müller-Gemmeke. Und das nutzen rechtspopulistische Kräfte. Die Stimmung ist in unserer Gesellschaft aggressiver geworden. Und auch im Bundestag, so Müller-Gemmeke, hat sich der Ton verschärft.

„Deshalb müssen wir den Zusammenhalt stärken, und zwar mit einer sozialen und solidarischen Politik“, erklärte sie. Sie erläuterte auch, was sie konkret darunter versteht: Junge Menschen mit Berufsausbildung oder Hochschulabschluss brauchen keine befristete Jobs, sondern Sicherheit für ihre Lebensplanung. Frauen gehörten weder zurück an den Herd noch in Minijobs, sondern gleichberechtigt in die Arbeitswelt und sie verdienen gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit. Und ein Facharbeiter in Leiharbeit, der macht die gleiche Arbeit wie das Stammpersonal, und dass muss sich auch auf seinem Lohnzettel widerspiegeln. Müller-Gemmeke ist überzeugt: „Die Menschen brauchen fair entlohnte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, die ihnen ein Leben in Würde ermöglicht.“ Inge Rockenfeller, Sprecherin des AK Soziales erklärt:„ Es gibt auch ArbeitnehmerInnen ohne Schulabschluss, mit einfachem Schulabschluss, sowie Menschen mit Behinderungen, die im niedrigen Lohnsegment arbeiten. Auch diese Menschen benötigen unsere Wertschätzung und sollen einen ausreichenden Lohn bekommen, der ihnen gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht.“

Was eine solidarische Politik noch schaffen sollte, kam im Anschluss an die Eingangsstatements in einer lebhaften Diskussion zur Sprache. Da wurde eine Arbeitsversicherung statt einer Arbeitslosenversicherung gefordert, die auch für Selbständige gelten soll. Denn alle Erwerbstätige brauchen zukünftig ausreichend Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten. Notwendig sei auch eine soziale Absicherung, die tatsächlich vor Armut schützt. In diesem Zusammenhang wurde dann auch über das Bedingungslose Grundeinkommen diskutiert. Und natürlich, da waren sich der DGB-Mann Hof und die grüne Abgeordnete Müller-Gemmeke einig, muss die Mitbestimmung in den Betrieben gestärkt werden. Denn Betriebsräte sorgen für gute Arbeitsbedingungen und machen sich für die Interessen der Beschäftigten stark. Das ist wichtig, insbesondere in der digitalen Arbeitswelt.