Archivierter Artikel vom 23.10.2018, 10:46 Uhr
Neuwied

Amnesty International Neuwied wirkt bei der Klimatour 2018 mit

Amnesty International Neuwied engagiert sich nicht nur zum Schutz der Menschenrechte, sondern setzt sich auch für den Umweltschutz ein.

Das Bild zeigt (von links) Maximilian Siebler, Susanne Kudies, Tobias Reh, Tsiki Amesse und Inge Rockenfeller.
Das Bild zeigt (von links) Maximilian Siebler, Susanne Kudies, Tobias Reh, Tsiki Amesse und Inge Rockenfeller.
Foto: Amnesty International Neuwied

Denn Umwelt- und Klimaschutz tragen nicht nur zum Erhalt unseres Planeten bei, sondern können verhindern, dass wir Menschen in Zukunft noch schlimmer unter den Formen des Klimawandels zu leiden haben werden. Klimaschutz schützt daher Menschenrechte! Deshalb müssen wir wiederum auch diejenigen unterstützen, die das Klima schützen wollen, nämlich Umweltaktivisten in allen Ländern dieser Welt.

Deshalb stehen wir stehen hier am Startpunkt der Klimatour 2018/19, um unsere Solidarität mit allen Umweltaktivisten und Umweltschützern zu zeigen: Am 10. Dezember dieses Jahres wird unsere Allgemeine Erklärung der Menschenrechte 70. 70 Jahre nach Beendigung des zweiten Weltkrieges sind heute zusammengerechnet mehr Menschen auf der Flucht als damals. Das sind zum Einen diejenigen die vor den Auswirkungen bewaffneter Konflikte zwischen Staaten oder ethnischen Volksgruppen fliehen. Ein großer Teil derjenigen, die auf der Flucht sind, sind jedoch Menschen, die als Binnenflüchtlinge unter den Auswirkungen des Klimawandels fliehen müssen. Hungersnöte bedrohen ganze Regionen weil Kleinbauern ihre Felder nicht mehr bewirtschaften und hierdurch ihre Familien und Tiere nicht mehr ernähren können – Menschen sind gezwungen, ihre Dörfer und ihre Heimat zu verlassen und ihre Existenz aufzugeben. Damit fallen sie aber auch für die Nahrungsmittelproduktion in ihrer Region aus.

Mehr als 800 Millionen Menschen hungern. Das Menschenrecht auf Nahrung wird täglich verletzt. Kleinbauern spielen bei der Nahrungsproduktion eine wichtige Rolle. In den Entwicklungsländern produzieren sie bis zu 80 Prozent der Nahrung. Wenn sie ausfallen, kommt es zur Unterversorgung. Immer wieder betont der Weltagrarbericht (​​ www.agrarkoordination.de​/​projekte​/​projekt-archiv​/​weltagrarbericht​/​​) die wichtige Rolle von Kleinbauern bei der Bekämpfung von Hunger und Armut.

Kleinbauern sind zentral für die Ernährungssicherung, Bekämpfung von Armut und für den Aufbau der lokalen Wirtschaft, brauchen hierfür jedoch gut funktionierende Ökosysteme. Für ihre Arbeit brauchen sie Zugang zu Boden, Wasser und Saatgut. Jedoch ist dieser nicht immer gewährt und wird durch die Folgen des Klimawandels und politisch-wirtschaftliche Eingriffe immer weiter eingeschränkt. Insbesondere der Zugang zu Wasser ist gefährdet, weil in vielen Regionen der Grundwasserspiegel immer weiter absinkt oder das Lebensmittel Wasser durch Umweltschäden oder durch Abbau von Ressourcen oder anderen Einwirkungen in bestimmten Regionen kontaminiert und nicht mehr genießbar ist.

Ein weiteres Problem für Kleinbauern ist der spekulative Landhandel, der die Preise für Landflächen in die Höhe treibt, so dass viele Kleinbauern sich den Erwerb von Land nicht mehr leisten können – nur noch Großkonzerne, die dann Monokulturen anbauen, die der ökologischen Vielfalt entgegenstehen. Dies ist mittlerweile auch bei uns ein Problem. Wirtschaftlich benachteiligte Kleinbauern in den Amerikas, besonders Latein- , Mittel und Südamerika trifft es jedoch besonders hart.

Diese Kleinbauern sind auch von systematischen Enteignungen betroffen. Staatliche Enteignungen sind hier oft verbunden mit wirtschaftlichen Interessen. Mit dem Argument, dass auf ihrem Land Investitionen getätigt würden, die quasi von öffentlichen Interesse seien, wie beispielsweise der der Abbau von Ressourcen oder der Bau von Wasserwerken, werden die Kleinbauern zwangsenteignet. Viele dieser enteigneten Kleinbauern werden heimatlos, denn neues Land können sie sich aufgrund der hohen Preise nicht leisten und staatliche Entschädigung? – Fehlanzeige.

Indigene Volksgruppen in Südamerika, so in Kolumbien, El Salvador oder Brasilien setzen sich zunehmend zur Wehr gegen diese Art von Enteignungen.Indigene und ländliche Gemeinschaften in Peru setzen sich für den Schutz von Wasser und den Zugang zu ihrem Land ein. Aufgrund ihres mutigen Einsatzes werden sie zwangsweise aus ihren Häusern vertrieben und sind Haftstrafen ausgesetzt. Diese Gemeinschaften kämpfen unermüdlich für unseren Planeten.

Lateinamerika ist die gefährlichste Region für Menschen, die sich für den Schutz ihres Landes und der Umwelt einsetzen. Im Jahr 2017 wurden insgesamt 197 Menschen getötet, weil sie sich gegen die Unternehmen und die Regierung auflehnten, welche der Umwelt schaden und ihnen ihr Land stehlen. Seit Mai dieses Jahres geschah folgendes: Innerhalb einer Woche sind in Kolumbien zwei Mitglieder der Umweltschutzbewegung Ríos Vivos(Lebende Flüsse) getötet worden. Am 2. Mai wurde Hugo Albeiro George Pérez von Unbekannten erschossen, am 8. Mai wurde Luis Alberto Torres Montoya getötet. Am 22. September wurden zwei Angehörige von Mitgliedern der Umweltschutzbewegung Ríos Vivos(Lebende Flüsse) im Departamento Antioquia in Kolumbien getötet. Bereits zuvor wurden Menschenrechtsverteidiger und Umweltaktivisten der Ríos Vivos-Bewegung ermordet, die gegen die Auswirkungen des Hidroituango-Staudammprojekts auf Umwelt und Menschen protestiert hatten.

Aber das Töten ist nicht der einzige Übergriff, welchem sie ausgesetzt sind. In Peru werden Gemeinschaften, welche für den Schutz von Wasser und den Zugang zu Land kämpfen, stigmatisiert und diskreditiert, zwangsweise von dem Land vertrieben, auf welchem sie leben und ihre Anführer sind unfairen und unbegründeten Strafverfahren ausgesetzt. Dies alles sind Mittel dafür, diese Gemeinschaften und ihre Anführer einzuschüchtern und zu unterdrücken, um sie von ihrer Arbeit, die Menschenrechte zu schützen, abzuhalten: Aber auch in Ecuador ist man nicht sicher, wenn man sich für die Umwelt einsetzt:

Am 29. September wurde das Haus der Umweltschützerin Margoth Escobar vorsätzlich in Brand gesetzt. Sie könnte weiterhin in Gefahr sein. Es ist dieses Jahr bereits der vierte Anschlag auf Mitglieder des Frauenkollektivs „Mujeres Amazónicas“, das sich für das Land, das indigene Territorium und den Umweltschutz im Amazonasgebiet von Ecuador einsetzt.

Vor kurzem haben die Regierungen Lateinamerikas zugestimmt, solche Gemeinschaften und Menschenrechtsverteidiger zu schützen. Dies wird aber nur geschehen, wenn diese den „LAC 10 Vertrag“ unterschreiben und ratifizieren. Die Regierungen dürfen diese Möglichkeit nicht verschmähen und verstreichen lassen. Die Zeit läuft. Wir müssen die Menschen beschützen, die dafür kämpfen, dass zukünftige Generationen auf einem gesunden Planeten leben können.

Landnahme und Enteignung sind illegal und stehen dem Natur- und Umweltschutz entgegen und verletzen zudem Menschenrechte.

Deshalb fordern wir mit einer Eilaktion die Regierung von Kolumbien dazu auf, umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Tötungen einzuleiten und für die umfassende und unmittelbare Umsetzung der kollektiven Präventions- und Schutzmaßnahmen für Mitglieder der Ríos Vivos-Bewegung zu sorgen, sowie umgehend Schritte einzuleiten, um die strukturellen Ursachen hinter den Drohungen, Tötungen und Angriffen gegen Menschenrechtsverteidiger im Rahmen des Hidroituango-Staudammprojekts zu bekämpfen und wir fordern mit einer Petition die Regierung von Peru auf, das Regional Agreement on Access to Information, Public Participation and Justice in Environmental Matters (LAC 10) zu ratifizieren und Menschenrechtsverteidigern den Schutz und die Sicherheit zur Verfügung zu stellen, die sie für ihre Arbeit benötigen.

Deshalb helft uns mit Eurer Unterschrift die Umweltaktivisten in Südamerika zu schützen. Wir bedanken uns jetzt schon für Eure Unterstützung und fürs Zuhören und wünschen Euch eine gute Tour.

Ein Bericht von Susanne Kudies