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Rotenhain

Wie aus braven Bürgern Burgherren wurden

Wer ein Haus baut, der kann was erleben. Wer eine Burg errichtet, hat auch was zu erzählen. Die Mitglieder vom Verein Historica Rotenhain wissen, wovon die Rede ist. Wer heute als Besucher voller Ehrfurcht vor den Mauern der „Alten Burg“ in Rotenhain weilt und die hohen Mauern empor blickt, der ahnt nicht, dass dieser grandiose Anblick eigentlich einem frevelhaften Umstand zu verdanken ist. Ohne diesen Fauxpas nämlich wäre die Burg sicherlich niemals aus Ruinen nach vielen Jahrhunderten zu neuer Pracht erstanden. Es war der damalige Schultheiß des Dörfchens Rotenhain, mit bürgerlichem Namen Hubertus Limbach, der die Sache mit einem Bagger ins Rollen gebracht hatte.

Tausende von Arbeitsstunden waren notwendig, bis die neue "Alte Burg" in neuem Glanz erstrahlen konnte.
Tausende von Arbeitsstunden waren notwendig, bis die neue "Alte Burg" in neuem Glanz erstrahlen konnte.
Foto: Röder-Moldenhauer

Rotenhain – Wer ein Haus baut, der kann was erleben. Wer eine Burg errichtet, hat auch was zu erzählen. Die Mitglieder vom Verein Historica Rotenhain wissen, wovon die Rede ist. Wer heute als Besucher voller Ehrfurcht vor den Mauern der „Alten Burg“ in Rotenhain weilt und die hohen Mauern empor blickt, der ahnt nicht, dass dieser grandiose Anblick eigentlich einem frevelhaften Umstand zu verdanken ist. Ohne diesen Fauxpas nämlich wäre die Burg sicherlich niemals aus Ruinen nach vielen Jahrhunderten zu neuer Pracht erstanden. Es war der damalige Schultheiß des Dörfchens Rotenhain, mit bürgerlichem Namen Hubertus Limbach, der die Sache mit einem Bagger ins Rollen gebracht hatte. 

Man schrieb das Jahr 1997 nach Christus, als ein einsamer Baggerfahrer mit seinem Gefährt auf einem schattigen Waldweg bei Rotenhain des Weges zog. Ihm war vom Schultheiß aufgetan, diesen Weg auszubauen. „In Höhe eines kleinen Hügels, unter denen die Reste einer Straßenburg, auch Motte genannt, schlummern sollten, bekam der Bagger wie von Geisterhand geführt plötzlich einen Linksdrall“, weiß Limbach von dem denkwürdigen Ereignis zu berichten. Der Bagger geriet bei den Arbeiten zur Wegebefestigung offensichtlich in ein „Sumpfloch“ zwischen Erdhügel (Alte Burg) und Weg und drohte "abzusaufen", schließlich glich die Stelle fast einem Moor. Um sich selbst aus dem Morast zu ziehen, setzte der Baggerfahrer den Löffel in den Erdhügel und traf dabei, so erzählt es der Volksmund, unglücklicherweise den Teil einer Mauer.

 Das Erstaunen im Ort über die Existenz des Mauerwerks war groß. Die Kunde darüber verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Volk. Niemals zuvor war jemand an dieser Stelle auf eine Mauer gestoßen, auch nicht "Elze Fritz", der, so erzählt man in den Häusern des Dorfes, sich 50 Jahre zuvor an dieser Stelle als Archäologe probiert hatte. Dass der Schultheiß für das Missgeschick nicht in den Kerker geworfen wurde, grenzt an ein Wunder, denn alsbald gelangte die Kunde von dem Frevel in die Amtsstuben des Denkmalschutzes. Schließlich hatte man auf recht fahrlässige Weise ein „ruhendes Bodendenkmal“ ans Tageslicht befördert. Doch anstatt Kerkerhaft gab es einen Ortstermin, bei dem sogar Pfarrer Held als geistlicher Beistand aufgeboten wurde. Doch welch Wink des Schicksals: Der Pfarrer rutschte aus, fiel in die Lehmgrube und blieb auf dem Mauerwerk liegen. Viele Rotenhainer sahen dies als eine Art göttliche Botschaft. Die Denkmalschützer wohl auch. Denn man kam nach dem Palaver überein, dass eine fachgerechte archäologische Dokumentation der „Angrabung“ unbedingt erforderlich ist und nunmehr fachgerecht ausgeführt werden muss.

 Über den Winter 1997/1998 wurden zunächst der Baumbestand und der Bewuchs auf dem zentralen Burghügel gerodet. Zu dieser Zeit gründete sich auch der Verein „Historica Rotenhain“, von dem man sich erzählt, dass es bei der Gründungsversammlung unter den Anwesenden sogar einen Freiwilligen für das Amt des Kassierers gab. Im Frühjahr darauf begannen die Ausgrabungen. Mächtige Mauern kamen zum Vorschein, man stieß auf eine 4,5 Meter tiefe Brunnenanlage. In ihr fanden die Archäologen einen beschädigten Eimer sowie Scherben von kugeligen Gefäßen. Kaum dass der Brunnen freigelegt war, rief dies die Naturschützer auf die Tagesordnung, denn in dem nun zugänglich gemachten Brunnen nisteten sich Frösche und Kröten ein. „Das war kein Problem.  Wir haben den Tierchen kurzerhand eine Leiter gebaut“, erzählt Günther Baldus, einer der vielen Historica-Helfer, rückblickend. "Wir nehmen jeden bei uns auf!"

 Als die Arbeiten im Jahr 2000 zu Ende gehen, ist das Entsetzen der Rotenhainer groß: Die Ausgrabungsstätte soll wieder zugeschüttet werden. Es beginnen intensive Gespräche auf vielen Ebnen. Dann endlich, „beseelt vom Geist des Spennenestes“, so Oberritter Peter Benner vom Verein Historica, kommt es zum Durchbruch. Nachdem aus Sicht des Denkmalschutzes keine Einwände mehr bestehen, die Ortsgemeinde auf den Bau einer geplanten Handwerkscheune verzichtet und der Kommunalaufsicht ein ausgeklügeltes Finanzierungskonzept vorgelegt wird, steht dem Bau nichts mehr im Wege. Rotenhain erhält seine neue "Alte Burg". 40 Mannen und Weibsbilder bringen sich bei den Bauarbeiten ein. Nachdem die Mauern bereits zwei Meter hoch sind, flößt es den Helfern Respekt ein. Als auf einer Höhe von 15 Metern die Außenfassade gestrichen werden muss wird aus Respekt Ehrfurcht. „Auch wenn wir die Pläne kannten, hätten wir niemals gedacht, dass die Burg so hoch werden würde“, erzählt Alfons Baldus, neben Günter Baldus einer der beiden Baumeister.

Bei 12 Grad minus werden Bretter befestigt, Gräben ausgehoben, Bauteile müssen über Tage mehrfach imprägniert und gestrichen werden. „Wir hatten schon den Verdacht, der Zimmerer hätte uns auch noch anderes Holz zum Streichen untergejubelt“, lacht Günter Baldus. "Es nahm einfach kein Ende!"  Nach mehr als 6000 Stunden Eigenleistung hören die Historicaner auf zu zählen. Im Ort werden die künftigen Burgherren zuweilen belächelt. Doch die Unkenrufe sind  längst verstummt in Rotenhain. Im Dorf und weit darüber hinaus erfahren die Burgherren für das Geleistete große Anerkennung. Sie haben ihr Wissen bereits dem Schultheiß von Rotenbach zum Aufbau der Hermannsburg angeboten, wie Oberritter Peter Benner berichtet. Ihr Lohn scheint gering. „Zwei Jungfern für jeden Rotenhainer Burgherrn, dann machen wir uns auf die beschwerliche Reise!“          

Schauen Sie sich zu diesem Thema auch unsere Bilderstrecke an.

   

 

 

 

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