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Westerwaldkreis

Westerwälder Bauern leiden unter Preisdruck und Regen

Schlechtes Wetter und niedrige Preise haben den Bauern im Westerwald die Laune verdorben. Weil es seit Tagen feucht und unbeständig ist, können Weizen und Gerste nicht wie geplant geerntet werden.

Der Weizen müsste eigentlich schon geerntet sein, doch das Wetter ist seit vielen Tagen zu feucht und unbeständig.
Der Weizen müsste eigentlich schon geerntet sein, doch das Wetter ist seit vielen Tagen zu feucht und unbeständig.
Foto: Thorsten Ferdinand

Von unserem Redakteur Thorsten Ferdinand

Die Qualität des Getreides wird unter diesen Umständen immer schlechter. Hinzukommt ein massiver Preisverfall durch Konkurrenzdruck am weltweiten Markt. "Wir haben in Deutschland vergleichsweise hohe Betriebsmittelkosten und Qualitätsansprüche", erklärt Heribert Metternich, Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbands. "Unter diesen Umständen sind die aktuellen Getreidepreise ein echter Skandal." Das Unheil für die Bauern begann im Prinzip schon im Frühjahr, als es lange Zeit sehr trocken war. In dieser Jahreszeit hätte die Landwirtschaft das Wasser gebraucht, damit das Getreide wachsen kann. Auf guten Böden, die Feuchtigkeit speichern können, sind die Erträge nun zwar noch in Ordnung. Auf sandigem Untergrund ist das wenige Regenwasser hingegen abgelaufen. Vor allem die Sommergerste hat unter diesen Bedingungen gelitten.

Aktuell haben die Landwirte nun mit dem sehr unbeständigen Augustwetter zu kämpfen. Das trifft vor allem den Weizen. Denn die reifen Körner, die jetzt einer permanenten Feuchtigkeit ausgesetzt sind, bedeuten Auswuchs. Das heißt, die Körner fangen an zu keimen und sind nicht mehr für Mehl, sondern höchstens als Futtermittel geeignet. Die Veränderungen eines Korns in Keimstimmung verschlechtern dessen Eigenschaften für das Mälzen und die Backfähigkeit des Mehls. Die Wasseraufnahmefähigkeit des Mehls sinkt, das Backwerk verliert an Elastizität und wird klitschig.

Wenn der Weizen nicht mehr als Brotgetreide verkauft werden kann, sondern sich nur noch als Viehfutter eignet, sinkt der Preis. Und dieser liege ohnehin schon 25 Prozent unter den Vorjahreswerten, macht Metternich deutlich. Unter dem Strich lohne sich die Arbeit finanziell dann kaum noch, so der Fachmann. "Es müsste nur mal ein paar Tage schön sein, dann wäre ich schnell fertig", ergänzt sein Vorstandskollege Peter Kunoth aus Montabaur. Dass selbst im unteren Westerwald der Weizen noch nicht geerntet sei, spreche für sich. Denn traditionell ist es rund um Montabaur etwas wärmer als in den Höhenlagen des Westerwalds.

Während die Bauern beim Wetter zumindest auf Besserung hoffen dürfen, ist der Preisverfall ein schwer zu lösendes, strukturelles Problem. "Früher bekam ein Bauer für einen Doppelzentner Getreide 50 Mark. Das war gutes Geld", erinnert sich Metternich. "Heute sind es 15 Euro, wenn es sehr gute Backware ist." Die Landwirte stehen im Konkurrenzkampf mit Bauern aus Südamerika oder auch Asien. Der Anteil der europäischen Erzeuger am weltweiten Getreidemarkt sinkt. Was im Westerwald hergestellt wird, wird unter Umständen ganz woanders verbraucht. Hinzukommt, dass die Felder in den Mittelgebirgsregionen nicht so einfach zu bewirtschaften sind. Die Flächen sind relativ klein. Der Maschineneinsatz ist aufwendiger als auf den großen Flächen in Ostdeutschland. Nicht zuletzt erfordert die EU-Bürokratie von den Bauern Anbau- oder auch Düngepläne, die ein Laie nicht ohne Weiteres erstellen kann. Es gebe zwar von Zeit zu Zeit neue Nebenerwerbslandwirte, erläutert in diesem Zusammenhang der Geschäftsführer des Bauernverbands, Markus Mille. "Aber es gehört viel Idealismus dazu." Der Trend gehe eindeutig zum Vollerwerbslandwirt, von denen es im Westerwaldkreis circa 200 gibt. Trotz erschwerter Bedingungen wolle man aber nicht jammern, macht Heribert Metternich klar. "Wir klagen nicht", sagt der Kreisbauernchef. "Wir stellen lediglich fest."

Montabaur Hachenburg
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