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Sternenkinder dürfen einen Namen bekommen

Westerwaldkreis/Berlin – Das Engagement von Barbara und Mario Martin aus Brechen (Kreis Limburg-Weilburg) hat es möglich gemacht: Eltern können ihren kurz vor oder nach der Geburt verstorbenen Kindern, die ein Gewicht von weniger als 500 Gramm haben, nun auch offiziell einen Namen geben und sie bestatten lassen.

Die Dernbacher Ordensschwestern häkeln kleine, farbenfrohe  Schlafsäcke für Sternenkinder.
Die Dernbacher Ordensschwestern häkeln kleine, farbenfrohe Schlafsäcke für Sternenkinder.
Foto: Stephanie Kühr

Westerwaldkreis/Berlin – Das Engagement von Barbara und Mario Martin aus Brechen (Kreis Limburg-Weilburg) hat es möglich gemacht: Eltern können ihren kurz vor oder nach der Geburt verstorbenen Kindern, die ein Gewicht von weniger als 500 Gramm haben, nun auch offiziell einen Namen geben und sie bestatten lassen.

Diese Rechtsänderung hat jetzt das Bundeskabinett auf Initiative von Familienministerin Kristina Schröder beschlossen. Damit folgte die Regierung einer Petition, die das Ehepaar Martin nach eigenen Schicksalsschlägen eingereicht und dafür 40 000 Unterschriften gesammelt hatte (die WZ berichtete). Bislang galten offiziell erst Totgeburten ab 500 Gramm als Kinder. Der Bundestag muss indes noch zustimmen.

Die Gesetzesnovelle ist ein großer Trost für betroffene Eltern: Sternenkinder werden nunmehr als Kinder anerkannt. Auf eigenen Wunsch erhalten Eltern eine Bescheinigung für das Familienstammbuch, auf der Name, Geschlecht, Geburtstag und Geburtsort sowie die Namen der Eltern festgehalten sind. Die Standesämter stellen eine Geburts- und eine Sterbeurkunde aus. Mit diesen Dokumenten können Eltern eine Beerdigung beantragen. „Es handelt sich um eine Kann-Regelung. Eltern können diesen Weg gehen, müssen aber nicht“, sagte eine Sprecherin des Familienministeriums der WZ.

„Diese Gesetzesänderung wird allen Eltern gerecht, die in ihrer Trauerarbeit das Problem hatten, dass ihr Kind gesellschaftlich nicht als Kind anerkannt wurde. Es ist eine gute Entscheidung“, unterstreicht Ursula Rieke, ärztliche Leiterin der Katharina-Kasper-Stiftung in Dernbach. Die Stiftung begleitet Eltern bei frühem Kindsverlust, sei es durch Früh-, Fehl- oder Totgeburten. Als Gynäkologin wurde Stiftungsleiterin Ursula Rieke bei den Vorberatungen zur Gesetzesnovelle in Berlin gehört. „Es ist gewiss ein großer Schritt in die richtige Richtung“, begrüßt auch Barbara Martin die Neuregelung gegenüber der WZ. Doch das Ehepaar hätte sich gewünscht, dass die 500-Gramm-Grenze im Gesetzestext gekippt wird. „Ein Mensch definiert sich doch nicht über sein Gewicht“, kritisiert Barbara Martin. Zudem sei der Begriff „Fehlgeburt“ eine schlimme Bezeichnung; sie indiziere, dass etwas falsch sei.

Hintergrund: Bereits vor der Gesetzesänderung konnten Eltern ihre Sternenkinder beisetzen – allerdings anonym. „Auf dem Koblenzer Hauptfriedhof und auf dem Limburger Friedhof gibt es Sternenfelder oder Sternfriedhöfe, auf denen diese Kinder bestattet werden“, erläutert Ursula Rieke. Die verstorbenen Kinder werden hier anonym und quartalsweise in Sammelurnen beerdigt. Im Westerwaldkreis selbst gibt es zwar keine Sternenfelder. Doch Eltern konnten hier bereits vor der Gesetzesnovelle ein Bestattungsunternehmen beauftragen und ihre Sternenkinder in den Grabstätten verstorbener Angehöriger beisetzen – vorausgesetzt die Friedhofsverwaltung stimmte zu.

Die Beraterinnen der Katharina-Kasper-Stiftung Ursula Rieke und Christa Schüürman haben viele Eltern begleitet, die nicht wollten, dass ihr Sternenkind im Krankenhausmüll landet, sondern ein Begräbnis erhält. „Es ist für die individuelle Trauerarbeit wichtig, sich zu verabschieden“, sagen die Beraterinnen. Die Stiftung hat sich durch ihr „Kokon-Projekt“ bundesweit einen Namen gemacht. „Die verstorbenen Sternenkinder werden in einen gehäkelten kleinen Schlafsack, einen schützenden Kokon, gelegt und in einer liebevoll gestalteten Schachtel beigesetzt“, erläutert Christa Schüürman. Die Dernbacher Ordensschwestern häkeln diese nur handgroßen, farbenfrohen Schlafsäcke für die toten Kinder. „Die Sternenkinder werden in einer schönen Hülle weich gebettet. Für Eltern ist das ein Trost. Sie haben die Hoffnung, dass etwas nach dem Tod kommt und sie wissen ihr Kind würdevoll beerdigt“, sagt Rieke.

Auf diese Weise haben Eltern von Sternenkindern einen Ort zum Abschiednehmen und einen Ort der Erinnerung. Die Familien behalten einen kleinen gehäkelten Schmetterling als Andenken zurück. „Das erleichtert vielen, mit dem Kindsverlust und der Trauer fertig zu werden“, wissen die Beraterinnen aus ihrer täglichen Arbeit.

Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

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