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Montabaur

Schwedenturm im Gebück wird aufwendig saniert

Thorsten Ferdinand

In Montabaur wird in den nächsten Monaten wieder ein Teil der ehemaligen Stadtbefestigung saniert. Dieses Mal muss der Schwedenturm im Gebück instand gesetzt werden. Das Mauerwerk ist durch Nässe und Frost massiv beschädigt. Teilweise fallen die Steine schon zu Boden, wenn man sie nur leicht berührt. „Hier ist Gefahr in Verzug“, sagt deshalb Projektleiterin Petra Pöritzsch-Jonas von der VG-Verwaltung in Montabaur. Es gehe nicht um Verschönerungsmaßnahmen.

Der Schwedenturm im Gebück war ursprünglich ein Teil der Montabaurer Stadtmauer und diente zur Abwehr von Angreifern. Er wurde zuletzt im Jahr 1967 saniert. Die Turmhaube wurde 2003 neu eingedeckt.
Der Schwedenturm im Gebück war ursprünglich ein Teil der Montabaurer Stadtmauer und diente zur Abwehr von Angreifern. Er wurde zuletzt im Jahr 1967 saniert. Die Turmhaube wurde 2003 neu eingedeckt.
Foto: Thorsten Ferdinand

In diesen Tagen beginnt der aufwendige Aufbau eines Gerüsts. Der 19 Meter hohe Turm steht auf einem Felsen im Gebück, der zum Gelbachtal steil abfällt. Schon der Gerüstbau ist deshalb kompliziert. Noch vor dem Winter wird der äußere Zementputz entfernt, damit das feuchte Gemäuer über den Winter trocknen kann. „Das geht in der kalten Jahreszeit tatsächlich besser, weil die Feuchtigkeit ins Kühle abzieht“, erklärt Pöritzsch-Jonas. Voraussichtlich im Frühjahr folgt die Sanierung des Mauerwerks, das neu verfugt werden muss. Einige brüchige Steine werden ausgetauscht.

Am Ende wird die Wand wieder einen dünnen Putz erhalten. Das sei notwendig, weil sich im Inneren Schiefergestein befindet, das ohne Putz nicht den nötigen Halt hat. „Der Turm war vermutlich schon immer verputzt“, sagt die Projektleiterin. „Natürlich mit den Techniken der jeweiligen Zeit.“ Der neue Putz soll aber so dünn gehalten werden, dass man das Mauerwerk darunter noch erkennen kann. Der Farbton wird der jüngst sanierten Stadtmauer im Sauertal entsprechen.

Die Kosten für die Baumaßnahme werden auf ungefähr 250.000 Euro geschätzt. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (früher Landesdenkmalpflege) wird einen Zuschuss in Höhe von 74.000 Euro gewähren. Bauforscher und Denkmalpfleger Lorenz Frank wird die verarbeiteten Substanzen ermitteln, damit der Turm historisch korrekt wiederhergestellt werden kann.

Der Schwedenturm trägt seinen Namen vermutlich aufgrund der schwedischen Besatzung Montabaurs im Dreißigjährigen Krieg. Die Geschichte hat der Heimatforscher Bernd Schrupp unlängst zusammengetragen. Das exakte Alter des Turms ist nicht bekannt, vermutlich entstand er jedoch im 15. Jahrhundert zur Verteidigung der Stadt. Er bot eine weitreichende Geländeeinsicht in östliche Richtung und dürfte einst von militärisch hoher Bedeutung gewesen sein. Zugänglich war er wohl nur über Wehrgänge oder über eine Leiter. Der untere Teil wurde möglicherweise als Gefängnis genutzt.

Als im 17. Jahrhundert deutlich wurde, dass eine Stadtmauer und derartige Türme keine Sicherheit vor modernen Waffen mehr bieten, verlor die Stadtbefestigung an Bedeutung. Im 18. Jahrhundert wurden Mauern, Tore und Türme deshalb teilweise abgerissen. Als Relikt der Stadtbefestigung blieb unter anderem der Schwedenturm im Gebück erhalten.

Die bislang letzte umfassende Sanierung des Bauwerks erfolgte laut Petra Pöritzsch-Jonas in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. 2003 wurde die Turmhaube neu eingedeckt. Heute wird die Sicht auf den Schwedenturm durch das Azurit-Seniorenheim teilweise verdeckt. Am besten ist er zu sehen, wenn man den Fußweg zwischen Gelbachtal und Gebück nutzt. Ein Teil dieses Weges muss allerdings für die Sanierungsarbeiten gesperrt werden, da lockere Steine herunterfallen und Fußgänger treffen könnten. Die Altstadt ist zu Fuß aber weiterhin über das Sauertal und über den Fußweg in Richtung Joseph-Kehrein-Schule zu erreichen. Die Baustelle kann nur über ein Grundstück der katholischen Kirche oder über das Seniorenzentrum angesteuert werden. Die Sanierung wird wahrscheinlich erst im Spätsommer 2018 abgeschlossen sein.

Von unserem Redakteur Thorsten Ferdinand

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