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Montabaur

Nach Querelen: Pfarrer verlässt Lutherbezirk in Montabaur

Katrin Maue-Klaeser

„Ich werde meinen Pfarrdienst in der evangelischen Kirchengemeinde Montabaur vorzeitig beenden – den aktiven Dienst in den Sommerferien.“ Mit einer kurzen persönlichen Erklärung beschloss Pfarrer Michael Dietrich den Gottesdienst am Sonntagmorgen in der Lutherkirche, ergänzte lediglich, dass er und Mitglieder des Kirchenvorstands noch zum Gespräch bereitstünden.

Pfarrer Michael Dietrich wird im Sommer den Lutherbezirk in Montabaur verlassen.
Pfarrer Michael Dietrich wird im Sommer den Lutherbezirk in Montabaur verlassen.
Foto: Markus Eschenauer

Betretenes Schweigen machte sich breit, mancher Besucher wischte sich verstohlen eine Träne von der Wange, während Dietrich seinen Sitzplatz einnahm. Es folgten das Schlusslied und das Orgelnachspiel. Pfarrer Dietrich schritt zur Kirchentür, um die Gottesdienstbesucher zu verabschieden, als sich ein Mann erhob, zur Kanzel eilte: „Es zerreißt mir das Herz“, rief der Mann ins Mikrofon.

Er hob die herzförmige Wärmflasche mit dem roten Plüschüberzug hoch, die Dietrich zuvor bei der Predigt als Requisit gedient hatte. „Es zerreißt mir das Herz“, wiederholte Werner Bernhardt und hob zu einer Ansprache an. Seine Frau Helga – über deren Rücktritt aus dem Kirchenvorstand und von ihrer Tätigkeit im Gemeindebüro Pfarrer Dietrich die Gemeinde vor der Ankündigung seines eigenen Rückzugs informiert hatte – er selbst und die Töchter hätten 20 Jahre lang ihre geistliche Heimat in der Montabaurer Gemeinde gefunden.

Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Pfarrersfamilien Dietrich (Lutherbezirk) und Boucsein (früherer Pfarrer im Paulusbezirk) sei gut und für die Gemeinde sehr fruchtbar gewesen, erklärte Bernhardt und nannte als Beispiele Jugendarbeit, Hauskreise und Alphakurse. Zu Beginn sei auch die Zusammenarbeit mit Pfarrer Johannes Seemann, dem Nachfolger Peter Boucseins im Paulusbezirk, gut verlaufen. „Nach zunächst guten Kontakten zu Pfarrer Seemann und seiner Frau musste ich aber nach circa zwei Jahren ihrer Tätigkeit in unserer Gemeinde feststellen, dass hier eine Gemeindespaltung durch Instrumentalisierung von Personen stattfindet“, lautet Bernhardts schwerer Vorwurf.
Seine deutlichen Worte brachten Werner Bernhardt nicht nur die Aufmerksamkeit der Gemeinde ein, sondern vielfach vernehmlich geäußerte Zustimmung: „Genau“, riefen mehrfach schon während seines Vortrags Gottesdienstbesucher, und viele erhoben sich schließlich, um dem Redner kräftigen Applaus zu spenden.

Völlig anders erging es Regina Beuttenmüller: Die Kirchenvorsteherin ging nach Bernhardts Auftritt ans Mikrofon und erklärte, sie finde es nicht in Ordnung, vor den versammelten Gottesdienstbesuchern von der Kanzel aus eine persönliche Stellungnahme zu verlesen, „zumal der Kirchenvorstand jetzt für persönliche Gespräche zur Verfügung steht“, ergänzte Beuttenmüller. „Wir wollen das aber wissen“, lautete ein Zwischenruf aus der aufgebrachten Zuhörerschaft, ein anderer: „Die Gemeinde hat ein Recht, das zu erfahren.“

Pfarrer Dietrich nennt im Gespräch die Gründe, die ihn veranlasst haben, zwei Jahre vor seinem Eintritt in den Ruhestand die Gemeinde zu verlassen, in der er und seine Frau mehr als 20 Jahre lang gewirkt haben: „In den letzten Jahren und in zugespitzter Form in den letzten Monaten hat es vermehrt Konflikte auf Leitungsebene gegeben, die maßgeblich zu einer Beeinträchtigung meiner Gesundheit beigetragen haben“, erklärt er. Wegen der Spannungen und vieler Extratermine sei er nicht mehr in der Lage und auch nicht mehr bereit, seinen Pfarrdienst bis zum Ruhestand in der größten Gemeinde des Dekanats weiterhin zu versehen.

Pfarrer Seemann, der so hart attackiert wurde, legt Wert darauf, dass die Konflikte innerhalb der Gemeinde gelöst werden, und möchte sich daher öffentlich nicht äußern. Dekan Wolfgang Weik weiß seit Längerem um die Spannungen: „Wir sind sehr betroffen“, sagt er und betont: „Wir schätzen die Arbeit beider Pfarrer und des Kirchenvorstandes.“ Die Kirchenleitung begleite die Gemeinde: „Es ist uns sehr daran gelegen, dass alle Beteiligten eine gemeinsame Lösung im Sinne der Kirchengemeinde Montabaur finden – einer lebendigen Gemeinde, in der auch eine segensreiche Arbeit stattgefunden hat.“

Von unserer Redakteurin Katrin Maue-Klaeser

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