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Kölbingen

Kölbinger hat das Handwerk im Blut: Mit 19 Jahren schon Dachdeckermeister

Angela Baumeier

Die Luft flirrt vor Hitze, als Lukas Zerfas vom Dach steigt. Hinter ihm liegt ein harter Arbeitstag, doch dem jungen Mann ist von den Strapazen der hochsommerlichen Temperaturen nichts anzumerken. Er ist fit und diese Belastungen gewohnt. „Wärme ist nicht so schlimm wie Kälte“, meint er schmunzelnd. Was in ihm brennt, ist nicht die Sonnenwärme, sondern die Leidenschaft für seinen Beruf: Er ist 19 Jahre jung und bereits Dachdeckermeister. Die Baustelle, an der wir uns in seinem Heimatort Kölbingen treffen, ist die Erste, die er als Meister leitet.

Lukas Zerfas ist 19 Jahre jung und hat vor wenigen Wochen seinen Meisterbrief erhalten. Er hat bei Roland Schmidt in Neustadt gelernt, bei dem er als Meister angestellt ist. In seiner Heimatgemeinde Kölbingen leitet er nun seine erste Baustelle und hat seine berufliche Zukunft fest im Blick: Ab Mitte August bereitet er sich als Stipendiat der HwK-Koblenz an der Bundesfach- und Meisterschule Mayen auf die nächste Meisterprüfung im Klempnerhandwerk vor. Foto: Röder-Moldenhauer
Lukas Zerfas ist 19 Jahre jung und hat vor wenigen Wochen seinen Meisterbrief erhalten. Er hat bei Roland Schmidt in Neustadt gelernt, bei dem er als Meister angestellt ist. In seiner Heimatgemeinde Kölbingen leitet er nun seine erste Baustelle und hat seine berufliche Zukunft fest im Blick: Ab Mitte August bereitet er sich als Stipendiat der HwK-Koblenz an der Bundesfach- und Meisterschule Mayen auf die nächste Meisterprüfung im Klempnerhandwerk vor.
Foto: Röder-Moldenhauer

Das Handwerk hat Lukas Zerfas von der Pike auf bei Roland Schmidt (Neustadt) gelernt, bei dem er nun als Meister angestellt ist. „Ich habe den schönsten Beruf der Welt“, strahlt der 19-Jährige.

Für ihn steht schon als kleiner Bub fest: „Ich bin ein Dachdecker!“ Zwei Jahre ist er jung, als er einen Hammer geschenkt bekommt. Von da an ist kein Nagel im Haus mehr vor dem jungen Handwerker sicher. Was für andere Jungs ihr Feuerwehrauto oder der Kuschelbär ist, für ihn ist es der Hammer, den er sogar mit ins Bett nimmt.

Man sagt, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Das trifft auf Lukas Zerfas zu, denn auch sein Vater ist Dachdecker. Als das Söhnchen vier Jahre alt ist, nimmt ihn Papa manchmal mit auf die Baustelle. Später jobbt Lukas in den Ferien bei der Dachdeckerfirma. „Schon vor meiner Lehre hat mich mein Chef Alexander Baldus dann mit auf Messen genommen, wo ich Schieferherzen für die Kunden geschlagen habe“, berichtet der junge Meister weiter.

Schlag auf Schlag geht es dann für Lukas Zerfas auch weiter, nachdem er die Realschule plus Salz verlassen hat. „Nie wieder Schule!“, frohlockte er da. Drei Jahre dauert die Lehrzeit, die überbetriebliche Ausbildung erfolgt im Berufsbildungszentrum Mayen. 2017 hat er den Gesellenbrief in der Hand – als Prüfungsbester. Er wird erster Innungssieger, erster Kammersieger und zweiter Landessieger beim praktischen Leistungswettbewerb.

Nicht einmal einen Monat nach der Gesellenprüfung sitzt er wieder auf der Schulbank: Er, der eigentlich mit Schule nichts mehr am Hut haben wollte, büffelt, was das Zeug hält, fährt neun Monate lang jeden Tag zum Berufsbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks in Mayen (BBZ) und besteht im Mai 2018 seinen Dachdeckermeisterbrief mit Bravour. Als Jüngster in seiner Klasse, in dem der Älteste bereits 51 Jahre zählt, und als jüngster Rheinland-Pfälzer an dem BBZ.

Mit dieser Leistung sichert er sich ein Stipendium der Handwerkskammer Koblenz und bereitet sich nun ab 13. August 2018 als Stipendiat der HWK Koblenz in Vollzeit (ebenfalls an der Bundesfach- und Meisterschule Mayen) auf die nächste Meisterprüfung im Klempnerhandwerk vor. Warum tut er sich das an, während Gleichaltrige Party machen? „Das ist eine Marktlücke“, begründet Lukas Zerfas. Danach will er in seinen Ausbildungsbetrieb zurückkehren – und noch weitere Qualifikationen erwerben (Gebäudeenergieberater und Manager im Dachdeckerhandwerker). Um Bauherren, Architekten, Kunden und Mitarbeiter optimal beraten zu können.

Die Freizeit wird für den fleißigen Westerwälder also weiter rar bleiben, zumal er auch noch Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr Kölbingen ist, gerne Rad fährt und es liebt, „irgendwas zu Hause zu arbeiten.“ Auch wenn der 19-Jährige sagt: „Die Meisterzeit war hart“, fügt er gleich an: „Es hat so einen Spaß gemacht, das alles zu lernen!“. Vor allem aber liebt er das Praktische an seiner Arbeit. Weil er da jeden Tag sehen kann, was er gemacht hat. „Das ist das Schöne“, sagt er. Und weil die Arbeit so abwechslungsreich sei, jeden Tag etwas Neues auf ihn wartet. Er ist überzeugt: Handwerk hat (noch immer) goldenen Boden. Und: Handwerker werden gebraucht. Ohne sie läuft nichts.

Von unserer Reporterin Angela Baumeier

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