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Simmern

Kastellaun: Hat Hauptfeldwebel zwei junge Soldatinnen entwürdigend behandelt?

Das Verfahren gegen einen Hauptfeldwebel aus der Hunsrück-Kaserne hat das Amtsgericht Simmern eingestellt. Der Berufssoldat musste auf der Anklagebank Platz nehmen, da er zwei untergebene Soldatinnen entwürdigend behandelt haben soll.

Was war passiert? Auf dem Kasernengelände in Kastellaun legten im April 2009 mehrere Soldaten und zwei Soldatinnen eine Raucherpause ein. Zu diesem Zeitpunkt kursierten Gerüchte in der Kompanie, dass eine der Soldatinnen schwanger sei. „Von wem bist du denn schon wieder dick gemacht worden? Das wollte der Hauptfeldwebel von mir wissen“, gab die 23-jährige Feldwebelanwärterin vor Gericht an.

„Ich war sauer, weil er mich vor meinen Kameraden bloßgestellt hat.“ Dabei sei sie überhaupt nicht schwanger gewesen. Zwar bestätigte der Angeklagte, die junge Soldatin coram publico angesprochen zu haben. Doch er habe die Frage eleganter formuliert: „Darf man schon zur Schwangerschaft gratulieren?“

Nachdem die 23-Jährige diesen Vorfall bei ihren Vorgesetzten gemeldet hatte, fand ein klärendes Gespräch zwischen beiden Beteiligten statt. „Grundsätzlich ist die Sache für mich erledigt“, stellte die Soldatin im Gerichtssaal klar.

Auch die zweite Soldatin, die bei der besagten Raucherpause auf dem Kasernenhof zugegen war, konnte die Aussage der Frau bestätigen. Der Hauptfeldwebel habe sie hemmungslos auf die Schwangerschaft angesprochen.

Gleichzeitig erinnerte sich die 24-jährige Berufssoldatin an eine weitere einprägsame Aussage, die der erfahrene Truppenführer noch in derselben Raucherpause getätigt haben soll. „Es gibt drei Sorten Frauen beim Bund. Die einen sind so hässlich, dass sie keinen abkriegen. Andere lassen sich nur flachlegen. Und noch die, die nichts mit sich anfangen können.“ Das habe der Hauptfeldwebel so gesagt, wie beide Soldatinnen betonten. Der 45-jährige Hunsrücker bestätigte, dass dieser Spruch inmitten der Runde gefallen war: „Irgendwer hat das gesagt, aber nicht ich.“

Während der Verhandlung erklärte die 24-jährige Soldatin, dass sie noch eine dritte verbale Entgleisung des Angeklagten miterlebt habe. Als sie damals in Sportkleidung das Kasernengebäude verließ, waren ihre uniformierten Kameraden in Reih und Glied angetreten. „Guckt mal, wie sie mit dem Arsch wackeln kann. Das kann sie gut“, habe ihr der Hauptfeldwebel hinterhergerufen. „Das war entwürdigend“, zeigte sich die Frau empört.

Auch diesen Vorwurf wies der Angeklagte von sich. Mit Blick auf die Zeugenaussagen konstatierte Richter Peter Hüttemann: „In der Vergangenheit scheint es in der Kaserne einen flapsigen Umgangston gegenüber Soldatinnen gegeben zu haben.“
Unabhängig davon, ob sämtliche Aussagen vom Hauptfeldwebel getätigt wurden, geht das Gericht davon aus, dass er die beiden Soldatinnen nicht demütigen wollte. „Wenn er die Äußerungen getätigt haben sollte, dann ist er nun durch das Verfahren gewarnt und wird sich künftig zurückhaltend geben“, so Hüttemann. Der Hauptfeldwebel muss sich in derselben Angelegenheit noch vor dem Truppendienstgericht verantworten.

Boppard Simmern
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