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Neuwied

Rasselsteingelände: Engel übernimmt Heizkraftwerk komplett

Ulf Steffenfauseweh

Das Blockheizkraftwerk (BHKW) auf dem Rasselsteingelände ist jetzt ganz in Neuwieder Hand: Wie der Geschäftsführende Gesellschafter Ralf Engel von der Unternehmensgruppe Flohr informiert, hat er die Anteile der Steag zum Jahresbeginn übernommen. Das Stadtwerke-Konsortium mit Sitz in Essen hatte bislang 51 Prozent gehalten. Zum genauen Kaufpreis will sich Engel nicht äußern, da die Partner Stillschweigen vereinbart haben. Er bestätigt gegenüber unserer Zeitung aber, dass es sich um eine Investition im zweistelligen Millionenbereich handelt.

Zur Verdeutlichung der Größenordnung: Das BHKW ist im Jahr 2005 ans Netz gegangen, der Aufbau hatte rund 24 Millionen Euro gekostet. Wie Engel ausführt, fließen pro Jahr rund 1,5 Millionen Euro in die Anlage, um sie auf dem neuesten Stand zu halten. „Das Kraftwerk ist wie neu und hält 50 Jahre“, ist er sicher.

Damit nicht genug: Engels Sohn Sebastian ergänzt, dass die „Flohr Speditions & Logistik GmbH“ praktisch im gleichen Zuge 100 neue Wechselbrücken mit den dazugehörigen Lkws gekauft hat. Investitionsvolumen: „etwas mehr als 2 Millionen Euro.“

Ralf Engel und seine beiden Söhne Philipp (links) und Sebastian, die mittlerweile ins Familienunternehmen eingestiegen sind.
Ralf Engel und seine beiden Söhne Philipp (links) und Sebastian, die mittlerweile ins Familienunternehmen eingestiegen sind.
Foto: Ulf Steffenfauseweh

„Wir sind ein Familienunternehmen und glauben an den Standort Neuwied“, betont Ralf Engel und macht deutlich, dass er weiterhin darauf hofft, dass das Rasselsteinareal auch künftig industriell, am besten großindustriell genutzt wird. „Wir waren immer stolz darauf, dass das die größte Kraft-Wärme-Koppelungsanlage in ganz Deutschland ist. Politisch gewollt war sie auch“, sagt er und hält fest: „Wenn Rasselstein weg ist, steht es aber auf der grünen Wiese und produziert nur noch Strom.“

Das Blockheizkraftwerk, hier im Hintergrund zu sehen, könnte Industrie auf dem Rasselsteingelände mit Wärme versorgen.
Das Blockheizkraftwerk, hier im Hintergrund zu sehen, könnte Industrie auf dem Rasselsteingelände mit Wärme versorgen.
Foto: Jörg Niebergall (Archiv)

Das jedoch ist nur das Nebenprodukt der Anlage, die in erster Linie aus Altholz Wärme erzeugt. „Zurzeit geben wir an die Rasselsteinhallen noch acht Tonnen Dampf pro Stunde ab. Wir könnten 32 Tonnen produzieren“, erläutert Engel. Möglich sei eine Verwertung auch durch eine Ankoppelung an das Nahwärmenetz der Stadt. „Bisher ist das aber nicht zustande gekommen“, lässt er sich zitieren.

Das ist allerdings nicht Engels vorrangiges Ziel: Er setzt vielmehr darauf, dass sich auf dem Gelände bald ein neuer Großkunde ansiedelt, der gleichzeitig zahlreiche neue Arbeitsplätze schafft. „Mit Schiene, Hafen und Autobahnanbindung ist das ein ideales Gelände für die Großindustrie. Von der Infrastruktur her wüsste ich im Umkreis von 50 Kilometern kein besseres Gebiet“, ist er überzeugt und erinnert in diesem Zusammenhang auch daran, dass für eine Genehmigung auch zahlreiche Bedingungen eingehalten werden müssten. „Da ist weder Lärm noch Gestank zu erwarten“, sagt Engel und mahnt: „Wenn im unteren Bereich wirklich eine Wohnbebauung entstehen soll, kann man die Großindustrie vergessen, weil sie dann von Schiene und Wasserstraße abgeschnitten wäre.“

Rasselsteingelände: Es gibt mehrere Interessenten

Gerüchte haben jüngst die Runde gemacht, dass ein türkischer Investor am Erwerb des kompletten Rasselstein-Gelände interessiert sein soll. Bestätigen wollte Pressesprecher Volker Lauterjung das auf RZ-Nachfrage zwar nicht, dementieren allerdings ebenso wenig.

„Wir sind in Gesprächen mit mehreren Interessenten und haben Stillschweigen vereinbart, was die Namen betrifft“, teilte er stattdessen mit. Klar sei, dass Eigentümer ThyssenKrupp die Fläche als Ganzes verkaufen möchte – und das möglichst zeitnah. „Die Beizproduktion in Neuwied ist im Laufe des vergangenen Jahres ausgelaufen, jetzt wird die Anlage sehr zügig zurückgebaut“, sagte er. Es würden auf dem Gelände lediglich noch einige Sachen verpackt. „Wirtschaftlich ist der Standort für uns abgeschlossen“, machte Lauterjung deutlich. Die Stadt Neuwied ist in die Verkaufsgespräche einbezogen, hat aber keine gesonderten Vorkaufsrechte. „Wir sind mit im Rennen und unser grundsätzliches Ziel ist es, selbst zu kaufen. Es wäre für uns aber auch in Ordnung, wenn ein Investor zum Beispiel die Hallenflächen kauft, die wir ohnehin nur weitervermarkten würden“, sagte OB Jan Einig (CDU).

Er wies darauf hin, dass die Stadt baurechtlich in jedem Fall große Einflussmöglichkeiten hinsichtlich der künftigen Nutzung hat. Zum aktuellen Stand der Dinge teilte er mit, dass seine Verwaltung derzeit die mittlerweile vorliegenden Gutachten für das 85 Hektar große Gelände überprüft. „Wir wollen da so schnell wie möglich Klarheit haben, um auch im Förderprogramm Berücksichtigung zu finden“, sagte er.

Ulf Steffenfauseweh

Die Unternehmensgruppe

Die Neuwieder Unternehmensgruppe Flohr peilt für 2018 einen Jahresumsatz von 40 Millionen Euro an. Sie beschäftigt rund 150 Mitarbeiter und teilt sich auf in mehrere GmbHs:

  • BHKW Flohr: Zur GmbH gehören drei Kraftwerke, darunter das in Neuwied. Sie verwerten ungefähr 200 000 Tonnen Altholz im Jahr.
  •  F&S Tank-Service: An der Tankstelle, zu deren Kunden die Stadtwerke Neuwied und die Mittelrhein-Verkehrs-Betriebe zählen, werden im Jahr circa fünf Millionen Liter Kraftstoff abgegeben.
  •  Flohr ILD: Die GmbH kümmert sich um innerbetriebliche Logistdienstleistungen. Größter Kunde ist W+D.
  •  RJE Verwaltungs- & Beteiligungsgesellschaft: Die GmbH übernimmt das Management der Holding. Dazu gehört außerdem das 5500 Quadratmeter große Lager für Roh- und Fertigware, das vor allem für die Firma Coveris genutzt wird.
  •  Flohr Spedition & Logistik: Acht Sattelzüge und elf Jumbo-Gleitzüge mit 100 Wechselbrücken transportieren gemischte Waren. Größte Kunden sind Schütz aus Selters sowie Coveris und LS Boesner aus Neuwied.
  •  Flohr Rest- & Gebrauchtholzhandels GmbH: In 120 Containern werden Althölzer aus der Region zur Verwertung im Biomassekraftwerk gesammelt.                                                                                                
  • Außerdem ist die Unternehmensgruppe an vier weiteren Gesellschaften beteiligt: Ihr gehören 25 Prozent der Marina Neuwied GmbH, die den hiesigen Jachthafen zum Wohngebiet entwickeln will. 33 Prozent gehören ihr von der NHKW Flohr GmbH und der ERV Energetische Reststoff Verwertungs Projekt GmbH sowie 50 Prozent von der K & E Grundbesitz Verwaltungs UG. Letztere betreibt die Reitanlage in Oberbieber.
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