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Roßbach

Küsterin: "Die Kirche war mein zweites Zuhause"

Ralf Grün

Wer in Roßbach an die St. Michaelskirche denkt, der denkt automatisch auch an Marga Müller. Denn die 82-Jährige ist seit Jahrzehnten als Küsterin und vorher schon als Reinigungskraft eng mit dem Gotteshaus verbunden. Im Gottesdienst vor Heiligabend erfuhr Marga Müller einen Moment großer Freude: Die Kirchengemeinde verabschiedete sie nach insgesamt 47 Jahren feierlich und mit viel Lob aus dem Dienst.

Marga Müller kümmerte sich seit 1987 als Küsterin um die Kirche St. Michael. Zuvor machte sie sich schon als Reinigungskraft an gleicher Stelle verdient. Nach 47 Jahren ist nun Schluss. Foto: Ralf Grün
Marga Müller kümmerte sich seit 1987 als Küsterin um die Kirche St. Michael. Zuvor machte sie sich schon als Reinigungskraft an gleicher Stelle verdient. Nach 47 Jahren ist nun Schluss.
Foto: Ralf Grün

„Eigentlich wollte ich genauso, wie ich in die Arbeit für die Kirche quasi hineingelitten bin, auch wieder hinausgleiten, nämlich geräuschlos“, sagt die rüstige Seniorin. Doch da hat ihr die Gemeinde mit der Überraschung zum Abschied einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Sogar die Flötengruppe des Tambourcorps vom Schützenverein spielte auch ihr zu Ehren weihnachtliche Lieder. Marga Müller nimmt dieses „Geschenk“ als Anerkennung für ihren treuen Dienste gerne an. Ohnehin hält sie den Moment für ihren Abschied als gut gewählt: „Ich fühle mich noch fit. Ich wollte keinesfalls so lange warten, bis ich Aufgaben nicht mehr allein erledigen kann oder schusselig werde.“ Da spielt ihr für ihre Entscheidung auch in die Karten, dass ihre Nachfolge bereits geregelt ist: Monika Bodnar wird die Aufgaben der Küsterin übernehmen.

Für Marga Müller ist unterdessen klar, dass es einen klaren Schnitt geben wird, „obwohl ich die Aufgabe sehr mag und ich im Grunde mit unserer Kirche verheiratet bin“. Dennoch will sie von jetzt auf gleich loslassen, steht ihrer Nachfolgerin in der Einarbeitungszeit auf Wunsch gern mit Rat und Tat zur Seite. Schließlich kennt sie sich in der Kirche aus wie keine zweite. Ein spezieller Ort im oder am Gotteshaus ist Marga Müller in all den Jahren aber nicht ans Herzen gewachsen, sondern gleich „die ganze Kirche“.

Der Startschuss zu dieser besonderen Beziehung fiel 1970. Damals habe sie Bauer Boden aus dem Ort angesprochen, ob sie nicht die Reinigung der Kirche übernehmen könne. Marga Müller, zu der Zeit wegen der Kinder noch zu Hause, sagte ja. Heute erinnert sie sich daran, dass die Reinigung über Jahre hinweg ziemlich mühsam war: „Die alten Holzdielen musste ich immer einwachsen und bohnern.“ Ende der 70er-Jahre erlebte Marga Müller eine erste Sanierung der Kirche mit. Anschließend lagen pflegeleichtere Steinplatten auf dem Kirchenboden.

Am 1. Juni 1987 legte sie den Wischmopp beiseite und wechselte ins Küsteramt. „Der alte Küster lag mir schon länger in den Ohren, und dann fragte mich eines Tages Pfarrer Helmig“, erinnert sich Marga Müller. Die neue Aufgabe konnte sie aber nur annehmen, weil ihr Mann zusagte, ihr bei schwereren Arbeiten zu helfen. Von da an blühte Marga Müller in ihrer Wirkungsstätte regelrecht auf. Noch enger wurde ihre Beziehung zur Kirche, als ihr Mann Anfang des neuen Jahrtausends verstarb. Am liebsten widmete sie sich dem Blumenschmuck in der Kirche. Und wenn die emsigen Senioren die Krippe aufgebaut hatten, ließ sie es sich nicht nehmen, die Figuren zu arrangieren.

Ihre Bilanz klingt beeindruckend: Fast keine Trauung und Beerdigung hat sie in drei Jahrzehnten verpasst. Sie läutete die Glocken, wenn jemand verstarb oder am Kirmeswochenende morgens um 7 Uhr. Sie erlebte mit den Pfarrern Berberich, Helmig, Mettel, Hartmann, Burg und noch dem einen oder anderen aushilfsweise eine Reihe von Seelsorgern. Und zu den Messdienern pflegte sie immer ein gutes Verhältnis: „Ich schätze um die 90 Messdiener sind quasi durch meine Hände gegangen. Sie lagen mir immer besonders am Herzen. Wir hatten immer viel Spaß miteinander, nie war einer frech oder motzig“, freut sich Marga Müller heute noch.

Unter dem Strich hat Marga Müller viele Roßbacher lange Jahre begleitet. Jetzt hat sie die Schlüssel für die Kirche nach fast 50 Jahren abgegeben und kommt nur noch als normale Kirchgängerin. Aber als eine, die ab und zu noch Andachten hält oder vorbetet, wenn es gewünscht ist.

Von unserem Redakteur Ralf Grün

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