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Kreis Neuwied

Kindeswohlgefährdung: Fallzahlen im Kreis sind gestiegen

Die Fallzahlen der Mitteilungen zur Gefährdung des Kindeswohles sind seit 2007 rasant gestiegen. Waren es im Startjahr der Erhebungen noch 137 Mitteilungen, die bei der Kreisverwaltung Neuwied eingegangen sind, so hat sich die Zahl in 2013 mehr als verdoppelt.

Sorgerechtsentzug
Symbolfoto
Foto: DPA

Von unserer Redakteurin Nina Borowski

296 Mitteilungen sind 2013 bei den Mitarbeitern des Jugendamtes eingegangen. Experten sprechen von einer Kindeswohlgefährdung, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes eingetreten ist, oder zu erwarten ist.

Die Ursache für die gestiegenen Meldezahlen sieht Uwe Kukla, Mitarbeiter des Kreisjugendamtes, zum einen in einigen Fällen rund um Neuwied, die medial sehr präsent waren, und zum anderen „in einer veränderten Jugendhilfelandschaft. Institutionen arbeiten präventiv zusammen. Der Blick hat sich verändert. Viele Menschen greifen schneller zum Hörer und melden einen Verdachtsfall.“

Einsatz unterliegt klaren Regeln

Wenn im Kreisjugendamt eine solche Meldung eingeht, greift im Regelfall die kollegiale Beratung. „Wir haben immer Teams aus drei Mitarbeitern, die gemeinsam über den jeweiligen Fall entscheiden“, sagt Kukla. Der Anstieg der Zahlen hat dazu geführt, dass das Kreisjugendamt 2011 einen Gefährdungsdienst eingeführt hat. Wochenweise sind die Kollegen für diesen Dienst freigestellt. „Damit sie im Ernstfall direkt handeln können und nicht noch Termine verschieben müssen“, erläutert Ulrich das Vorgehen.

Die Zahlen aus dem Jahr 2012 zeigen: in 11,5 Prozent der Fälle bestand tatsächlich eine akute Gefahr. Wenn die Frage, ob eine tatsächliche Gefahr für das Kind besteht, nicht eindeutig beantwortet werden kann, eine Gefährdung aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, sprechen die Experten von einer latenten Gefahr. Diese lag in 27,1 Prozent der Fälle vor. Bei 37,5 Prozent bestand Unterstützungsbedarf. „Hierbei bekommen die Eltern Hilfe zur Erziehung in Form von Beratung“, erläutert Ulrich. In 23,9 Prozent der Fälle hat sich der Verdachtsmoment nicht bestätigt. „In gut drei Vierteln bestand also zumindest Unterstützungsbedarf“, sagt der Amtsleiter.

Die überwiegende Zahl der Fälle bezieht sich auf Vernachlässigung (55,9 Prozent), Hinweise auf körperliche Misshandlungen (30,7 Prozent) und Hinweise auf psychische Misshandlungen (17,3 Prozent). In 7,5 Prozent der Fälle wurde das Familiengericht zur Hilfe gerufen.

Wichtigste Hinweise kommen von Nachbarn und Bekannten

Die wichtigsten Hinweisgeber kommen mit 23,1 Prozent für Ulrich und sein Team aus dem direkten Umfeld (Bekannte, Nachbarn) der Kinder. Direkt gefolgt von einem Elternteil (15,3 Prozent), der Polizei oder Staatsanwaltschaft (13 Prozent) und Verwandten (8,6 Prozent). In 86,5 Prozent der Fälle fand aufgrund der Hinweise ein direkter Kontakt mit der Familie statt. „Wir bieten den Eltern Hilfe an oder vermitteln an den Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes“, sagt Ulrich.

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