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    Kreis Neuwied

    Junge Männer vor Gericht: Bewaffneter Raub wegen ein bisschen Gras

    Ein halbes Gramm Gras wurde ihm zum Verhängnis: Weil er einem heute 27-Jährigen zu wenig Cannabis für die bezahlten 20 Euro ausgehändigt haben soll, wurde ein Mann aus dem Kreis Neuwied Ende 2015 von einer Gruppe junger Männer mit vorgehaltener Pistole und einem Baseballschläger überfallen. Die Beute: etwa 3 Gramm Gras und 90 Euro. Jetzt steht der 27-Jährige gemeinsam mit einem 20-Jährigen wegen schweren Raubs vor Gericht, fünf weitere junge Männer zwischen 17 und 21 Jahren sind der Beihilfe angeklagt. Die beiden Hauptangeklagten räumten die Vorwürfe im Wesentlichen ein, beteuerten aber beide, dass die Aktion nicht von langer Hand geplant gewesen, dass alles „aus dem Ruder gelaufen“ sei.

    Aus Sicht des Oberradener Gemeinderates ist Leader eher ein Bürokratiemonster. Symbolbild: dpa
    Aus Sicht des Oberradener Gemeinderates ist Leader eher ein Bürokratiemonster. Symbolbild: dpa

    Es ist ein normaler Tag im Dorf, man trifft sich unter Freunden auf dem Spielplatz und trinkt kräftig einen, schildern der 20- und der 27-Jährige vor dem Koblenzer Landgericht. Die Stimmung kippt als einer der Mitangeklagten mit der Nachricht zu der Gruppe stößt, der Grasdealer wolle dem 27-Jährigen eine Lektion erteilen, ihn boxen, damit er Respekt lerne. „Ich habe am Tag davor das erste Mal Gras bei ihm gekauft. Ich kannte ihn gar nicht und habe gesagt, dann soll er doch kommen“, berichtet der 27-Jährige.

    Doch damit ist es nicht getan, das Gespräch dreht sich weiter um den Dealer. Nicht nur der 27-Jährige hat schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht – er hatte am Vortag nur knapp ein Gramm statt der bezahlten 1,8 Gramm Gras für sein Geld erhalten. „Wir fingen an über ihn herzuziehen, dass er unpünktlich liefert, und so hat sich das hochgeschaukelt“, so der 27-Jährige. 15 Bier und fünf große Schlucke Wodka will er über den Abend verteilt getrunken haben, spricht von einem Adrenalin- und Alkoholrausch. Ob es wirklich so viel war, daran äußert das Gericht aufgrund anderer Aussagen, die Zeugen bei der Polizeivernehmung machten, zwar so seine Zweifel, aber dass der Alkohol nicht eben deeskalierend wirkte, das berichtet auch der Jüngere so. „Irgendwann hat einer gesagt, wir könnten ihn doch abziehen“, sagt der Ältere aus. Eine Idee, die in der alkoholgeschwängerten Stimmung auf Gegenliebe stößt. Dem Älteren fällt ein, dass er noch einen Baseballschläger und eine Softairpistole zu Hause hat, die er vor dem Besuch bei dem Dealer einpackt. Geplant sei das alles aber nicht gewesen, beteuert er. „Das ist immer so eine Sache mit der Planung. Wenn man vorher noch zwei Waffen von zu Hause holt, dann könnte man das als Richter als Planung ansehen“, merkt der Vorsitzende dazu an.

    Laut Anklage stürmen die beiden Männer in die Wohnung, nachdem eine junge Frau ihnen geöffnet hat. Der Ältere stößt im Wohnzimmer auf eine Gruppe Bekannter des Opfers, schreit mit vorgehaltener Waffe immer wieder: „Wo ist das Gras?“ und fragt nach Geld, während der Jüngere mit dem Baseballschläger in das Badezimmer eindringt, wo der Dealer in der Badewanne liegt. Die anderen fünf Angeklagten stehen währenddessen im Flur beziehungsweise vor dem Haus und verfolgen das Geschehen. „Sie haben nichts gemacht, sie wollten wahrscheinlich sehen, was passiert“, sagt der Ältere. Entgegen der Anklage habe er aber nicht mit der Waffe gedroht, sagt er zunächst, bevor er – mit Aussagen von Zeugen konfrontiert, die Gegenteiliges beobachtet haben wollen – einräumt: „Ich weiß es nicht, aber es kann schon so gewesen sein.“ Immer wieder beruft er sich auf Erinnerungslücken, aber in einer Sache ist er sich sicher: „Ich habe nicht nach Geld gefragt.“ Schließlich habe die Gruppe nur holen wollen, was ihr zustehe: das Gras. Der Jüngere unterdessen sagt, die Badezimmertür habe er nicht eingetreten, entgegen der Anklage habe er den Dealer auch nicht in die Badewanne gestoßen. Vielmehr sei dieser beim Zurückweichen gestolpert. Auch Geld habe man keines entwendet.

    Mit etwa 3 Gramm Gras verlässt die Gruppe schließlich den Ort des Geschehens, versenkt auf dem Weg zurück zum Spielplatz die Pistole in der Wied und raucht dann den größeren Teil der Beute. Etwa ein halbes Gramm findet die Polizei tags darauf bei dem Älteren. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

    Von unserem Redakteur Robin Brand

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