40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Neuwied/Linz
  • » Besuch des Flüchtlingscamps: Mit einem Lächeln Probleme lösen
  • Aus unserem Archiv
    Neuwied

    Besuch des Flüchtlingscamps: Mit einem Lächeln Probleme lösen

    Wie fühlt sich jemand, der seinen Arbeitstag in einem neu eingerichteten Flüchtlingscamp mit rund 300 Asylbewerbern, sieben Mitarbeitern und einem Security-Dienst verbringt? "Es macht mir sehr viel Spaß, das ist eine hochinteressante Aufgabe", sagt Frank Freymann, der Leiter der Einrichtung in Block. Schon an der freundlichen Begrüßung erkennt man: Hier geht einer mit einem Lächeln durchs Leben, egal wie schwierig die Lage auch sein mag.

    Foto: xy

    Von unserem Redakteur Frank Blum

     

    "Ich will den Leuten freundlich entgegentreten," betont der 48-Jährige denn auch. "Mit Missmut löst man keine Probleme." Und mit Problemlösungen muss sich ein Campleiter auskennen. Wenn man allein bedenkt, was in den kommenden Wochen auf dem Areal in Block noch alles fertiggestellt werden soll, gewinnt man eine Vorstellung davon, welches Organisationstalent ein Mann wie Freymann mitbringen muss.

    "Ende Februar, Anfang März hat das Camp ein anderes Aussehen", erläutert der Leiter beim kurzen Rundgang. Dann werden die Wege endlich geteert sein, der Container mit 70 Waschmaschinen und Trocknern wird dann ebenso vollständig nutzbar sein wie der Küchentrakt mit dann 240 Kochstellen. Zudem sind die Wohnbereiche D und E dann bezugsfertig. Das macht klar: "Ein Job mit einem Achtstundentag ist das hier nicht", meint Freymann, der morgens ab 7 Uhr im Camp aufschlägt. Arbeitsende: offen.

    Im Organisieren ist der Mann, der in Mettmann bei Düsseldorf zur Welt kam, Profi. Als Zivildienstleistender kam er vor 27 Jahren nach Neuwied, arbeitete als Rettungsassistent beim hiesigen DRK und übernahm 2003 die Leitung der Rettungswache Neuwied. Zwölf Jahre war er für bis zu 50 Mitarbeiter verantwortlich. Seit 2008 ist Freymann zudem Organisatorischer Leiter im Kreis Neuwied. Und dann kam das neue Angebot. "Ich habe nicht lange nachgedacht", betont der Mann, der mit seiner Familie so gern seinen Urlaub in Holland verbringt, "und gleich zugesagt."

    Beigeordneter Michael Mang betont: "Wir wussten von den Fähigkeiten Freymanns. Deshalb haben wir ihn ausgewählt." Nachdem klar war, dass der Niederbieberer das Camp leiten wird, hat er sich in Erstaufnahmeeinrichtungen und anderen Camps informiert. "Ich wollte wissen, was ist notwendig, welche Fehler kann man eventuell vermeiden." Denn bei aller Kritik, die derzeit mit der Flüchtlingsfrage aufkommt, müsse man bedenken, dass man ja erst am Anfang der Entwicklung hin zu festen Strukturen sei. Das brauche eben auch seine Zeit. Es liege wohl im deutschen Naturell, alles sofort perfekt organisiert haben zu wollen.

    Freymann, der auch eine Zeit lang kommunalpolitisch aktiv war, erweist sich als Kenner der arabischen Welt, weiß die internationalen Konflikte und die unterschiedlichen Konfliktparteien zuzuordnen, kennt die Hintergründe der verfahrenen Situation. Das hilft, Verständnis für die Lage der Asylbewerber zu entwickeln. "Zurzeit haben wir acht verschiedene Nationalitäten in Block, darunter Afghanen, Pakistaner, Syrer, Iraner und Somalis. Bislang läuft das Zusammenleben ruhig ab", hat er beobachtet. Das liegt wohl auch an dem sieben Mitglieder umfassenden Team, mit dem Freymann vor Ort arbeitet. "Die Mannschaft ist hervorragend zusammengestellt worden und zudem hoch motiviert", unterstreicht Freymann.

    Auch die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten läuft rund, egal ob mit Verwaltung, Wohlfahrtsverbänden oder Polizei. "Es ist wichtig, Probleme gleich offen und ehrlich anzusprechen, nur dann kann man sie schnell lösen", lautet Freymanns Maxime, dem zugutekommt, dass er viele Entscheidungsträger durch seine Tätigkeit beim DRK gut kennt. Nun gehe es darum, die Ehrenamtlichen noch besser einzubinden. Geplant ist, gegenüber dem Camp eine Begegnungsstätte einzurichten, die Platz bieten soll für interkulturelle Begegnungen, für Deutschunterricht und weitere Aktivitäten.

    Auch die Ankommenden hat Freymann im Blick: "Wir wollen alles dafür tun, dass sie von vornherein gut über die Situation in Neuwied informiert sind. Viele kommen mit falschen Vorstellungen hierher und sind dann geschockt, wenn sie erst einmal in Containern leben sollen." Es sei wichtig, diesen Leuten, die in ein Loch fallen, Angebote zu machen. Doch dafür sorgen die Neuwieder Vereine, weiß der Leiter, der lieber hinter den Kulissen aktiv ist, als im Rampenlicht zu stehen.

    Und der Abstand wahren kann. Auf die Frage, wie viel er von den bewegenden Schicksalen, mit denen er permanent konfrontiert wird, abends mit nach Hause nimmt, antwortet der Campleiter: "Klar spricht man daheim beispielsweise auch über Berichte, die ein vom IS Gefolterter gibt, aber durch meine 25-jährige Tätigkeit beim Rettungsdienst kann ich doch immer eine gewisse und notwendige Distanz aufbauen."

    Neuwied Linz
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter Neuwied
    Mittwoch

    10°C - 21°C
    Donnerstag

    12°C - 21°C
    Freitag

    12°C - 18°C
    Samstag

    11°C - 17°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach