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    Idar-Oberstein

    Trends der Tattoo-Messe: Nicht alles was machbar ist, ist auch schön

    Auf den ersten Blick sieht Axl nicht unbedingt aus wie einer, dem man seine Autoschlüssel anvertrauen würde. Der 38-Jährige ist fast zwei Meter groß, ein Hüne mit blondem Vollbart, dessen Körper über und über mit Tattoos bedeckt ist. In seinem Gesicht befinden sich mehrere Piercings, seine Ohrläppchen werden von Tunnels gedehnt, auf dem linken Handrücken ist ein Implantat zu sehen. Doch der Schein trügt, denn eigentlich ist Axl ganz nett.

    Über Geschmack lässt sich streiten - auch bei der Körperkunst. In der Messe Idar-Oberstein konnte man sich am Wochenende ein Bild davon machen, was es da alles Mögliche gibt. Und Unmögliche. Foto: Manfred Greber
    Über Geschmack lässt sich streiten - auch bei der Körperkunst. In der Messe Idar-Oberstein konnte man sich am Wochenende ein Bild davon machen, was es da alles Mögliche gibt. Und Unmögliche.
    Foto: Manfred Greber

    Draußen auf der Straße fällt er auf wie ein bunter Hund, nicht jedoch auf der Tattoo Convention, die am Wochenende zum zweiten Mal in der Messe Idar-Oberstein stattfand. Axl ist einer von insgesamt 54 Ausstellern, die aus ganz Deutschland angereist sind. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Tätowiererin Melanie, die wie Axl am liebsten beim Vornamen genannt wird, betreibt der Piercer seit 14 Jahren in Neu-Isenburg das Tattoo- und Piercingstudio "Inky and Stretchy". Früher war er mal OP-Helfer, "da habe ich alles über Hygiene, Medizin und Anatomie gelernt", erzählt er. "Irgendwann wollte ich mich beruflich verändern, und da ich Piercings immer schon toll fand und gut mit Menschen umgehen kann, dachte ich mir: Dann werde ich eben Piercer."

    Piercings statt Edelsteingravur

    Biografien wie die von Axl bekommt man auf der Tattoo Convention häufig zu hören, fast jeder der Aussteller hat vorher ein Studium oder eine andere Berufsausbildung absolviert. So auch der Edelsteingraveurmeister Stephan Jungbluth aus Idar-Oberstein, der seit 2009 in seinem eigenen Laden in Idar tätowiert. "Die Edelsteinbranche geht schon seit langem den Bach runter", berichtet Jungbluth. "Also beschloss ich, etwas zu machen, das so ähnlich ist wie Steine gravieren, dabei jedoch lukrativer."

    Der Entschluss, Tätowierer zu werden, sei die beste Entscheidung seines Lebens gewesen, so Jungbluth. In seinen Laden, der den Namen "Stitch" trägt, kommen Menschen jeden Alters: "Meine älteste Kundin war 73, sie hat sich ihr Sternzeichen tätowieren gelassen." Alles und jeden tätowiert Jungbluth jedoch nicht: "Tribals oder illegale Sachen wie zum Beispiel Hakenkreuze gibt es bei mir nicht." Auch das Tätowieren von Gesicht und Händen lehnt der 44-Jährige ab. "Als Tätowierer trägt man auch Verantwortung. Vor allem junge Leute muss ich manchmal davon abhalten, sich an sichtbaren Stellen tätowieren zu lassen, heutzutage sind berufliche Veränderungen doch gang und gäbe, und in den meisten Berufen sind sichtbare Tattoos nicht gern gesehen."

    Generell sind tätowierte und gepiercte Menschen jedoch schon lange keine Minderheit mehr: "Unsere Kunden kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Vom Anwalt über den Handwerker, bis hin zum Hartz IV-Empfänger ist da alles dabei", erzählt Tätowiererin Babs vom "Burning Cubes" in Birkenfeld. "Auf Messen wollen die Leute oft kleinere Motive, schnelle Tattoos zum Mitnehmen", berichtet die 35-jährige ehemalige Friseurin. Am beliebtesten seien, vor allem bei Frauen, nach wie vor florale Muster, Schriftzüge und Sterne, häufig in der Rippengegend.

    Doch es gibt auch extremen, grenzwertigen Körperschmuck, wie beim Rundgang durch die Messehalle klar wird: Manche Menschen, darunter auch der Piercer Axl, schmücken sich mit sogenannten Implants, Gegenständen aus Silikon oder Teflon, die mithilfe eines chirurgischen Eingriffs als Schmuck sichtbar unter die Haut implantiert werden. Ein Aussteller fällt besonders auf: Auf seiner Stirn befinden sich eingepflanzte Teufelshörner. Ein bizarrer Anblick, da sind sich die meisten Aussteller und Besucher einig: "Das sieht nicht mehr schön aus", sagt eine Besucherin, die selbst mehrfach tätowiert ist. "Das Infektionsrisiko ist sehr hoch, deswegen sollte man solch einen Eingriff nur von Profis machen lassen", warnt Axl.

    Cindy Balinado ist Miss Tattoo

    Messe-Chef Kai-Uwe Hille zeigte sich mit den Besucherzahlen zufrieden, obwohl etwa ein Drittel weniger als im letzten Jahr zu verzeichnen sind. Insgesamt kamen rund 4000 Menschen, um sich zu informieren und tätowieren zu lassen. In diesem Jahr wurden zum ersten Mal Bühnenshows angeboten. So führten beispielsweise die halb nackten Fuel Girls aus London eine grenzwertige Akrobatikshow vor, die eher auf eine Erotikmesse gepasst hätte als auf eine Tattoo Convention, auf der auch Kinder anwesend waren. Die fleißig mitfilmenden männlichen Besucher störte dies jedoch nicht.

    Am Samstagabend fand außerdem die Wahl zur Miss Tattoo Rheinland-Pfalz statt. Die Gewinnerin Cindy Balinado aus Idar-Oberstein setzte sich gegen zwei Konkurrentinnen durch. Sie wird im Dezember an der Wahl zur Miss Tattoo Deutschland 2014 in Offenbach teilnehmen.

    Von unserer Mitarbeiterin Silke Bauer

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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