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Kirn/Hennweiler

Soonwald: Professionelle Pilzsammler im Visier von Forst und Polizei

Sie sprießen beim derzeit herrschenden warm-feuchten Klima wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden: Pfifferlinge und Steinpilze. Jetzt ist Hochsaison für Sammler und Genießer. Leider auch für professionelle Pilzerntekommandos, die morgens schon in aller Frühe die Wälder durchkämmen und Körbeweise die teuren Leckereien an Gastronomie und Wochenmarkthändler verhökern. Diesem verbotenen Tun wollen Forst und Polizei mit einer gemeinsamen Aktion jetzt einen Riegel vorschieben.

Sie sind optimistisch, dass sie den Raubbau eindämmen können. Polizeigruppenleiter Dieter Liesch (von links), Joachim Reimann, Andreas Leyendecker und Bernd Closen setzen auf Prävention statt Strafe.  Fotos: Armin Seibert
Sie sind optimistisch, dass sie den Raubbau eindämmen können. Polizeigruppenleiter Dieter Liesch (von links), Joachim Reimann, Andreas Leyendecker und Bernd Closen setzen auf Prävention statt Strafe. Fotos: Armin Seibert
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Von unserem Redakteur Armin Seibert

Tatort Lützelsoon in der Nähe des Teufelsfels: Joachim Reimann, Chef der Polizeiinspektion Kirn, Bernd Closen, Leiter des Forstamts Soonwald, und Andreas Leyendecker, Büroleiter des Forstamts Bad Sobernheim, haben zum Pressetermin eingeladen, erklären vor Ort im Moos und in den Pilzen, worum es geht: Der Schutz der Natur ist das Hauptanliegen. So heißt denn auch die Polizei-Dienstgruppe "Dora" unter Leitung von Dieter Liesch, die das Pilotprojekt begleitet. "Wir wollen nicht möglichst viele Pilzräuber erwischen, sondern setzen auf Einsicht und Prävention", sagt Bernd Closen.

Aber es gibt erstmals klare Ansagen statt bisher eher schwammiger Kann-Vorschriften. Die Menge der Pilze, die Sammler aus dem Wald tragen dürfen, ist auf zwei Kilo frischer, ungeputzter Menge beschränkt, informiert Andreas Leyendecker. Wer mehr im Korb hat, muss sie dalassen. Wer mehr mitnimmt, macht sich strafbar. Bis drei Kilo kommt man im Falle des Erwischtwerdens mit einer Ermahnung davon. Aber dann wird's teuer: Wer fünf Kilo wegschleppt, zahlt 35 Euro. Das ist eine Ordnungswidrigkeit. Zwischen fünf und zehn Kilo werden 150 Euro fällig, bei mehr als 10 Kilo sind es dann 250 Euro. Und zwar pro erwischter Person. Joachim Reimann und seine Kollegen wissen nicht genau, was da auf die Polizei zukommt. Erst in ein paar Wochen weiß man, ob die Aktion gefruchtet hat. "Vielleicht sollten sich auch die Gastronomen mal überlegen, wo sie ihre Pilze beziehen", rät Andreas Leyendecker.

Bernd Closen: "In unserem ganzen Forstamt kommt seit Jahren ein einziger Pilzsammler und holt den erforderlichen Sammelschein für 50 Euro und kann dann Pilze ernten." Ein gewisses Vertrauensverhältnis sei dafür Voraussetzung, denn es sei nicht Absicht des Projekts, jetzt dutzendfach Sammelscheine auszuteilen. Das sei auch kein Freibrief, dann Lkw-weise die Pilze ins Rhein-Main-Gebiet zu transportieren. Closen weiß: "Da gibt es Leute, die ihre Pilzsammlertrupps mit dem Kleinbus herankarren, sie stundenlang sammeln lassen und die Beute dann abtransportieren. Sie selbst sind gar nicht im Wald. Die Sammler kommen meist aus Osteuropa und sind sich gar keiner Schuld bewusst."

Wie geht es weiter? Weil Förster die Pilzräuber weder festhalten noch ihre Autos durchsuchen dürfen, kommt die Polizei ins Spiel. Dass notfalls ein Unfall auf der B 41 wichtiger ist als ein Pilzsammler mit 20 Kilo Steinpilzen, ist für Joachim Reimann klar. Abwarten also, was passiert. "Der Wald hat 1000 Augen", sagt Closen und setzt darauf, dass Hinweise bei den Forstämtern eingehen. Derzeit ist Hauptjagdzeit, da werden auch Hinweise der Jäger erwartet. Idealerweise zieht das Pilotprojekt Pilze landesweit Kreise. Wenn klar wird, dass Profis ab zehn Kilo bis zu 250 Euro pro Nase berappen müssen, dann dürften manche Pilzhändler vorsichtig werden. Auch wer prahlt, nebenbei 3000 Euro pro Saison abzusahnen, hat künftig schlechte Karten. Bisher wurden in seltenen Fällen 35 Euro Geldbuße verhängt. Jetzt können es in schweren Fällen und Wiederholungsfällen bis zu 2500 Euro sein. Man darf gespannt sein, ob "Dora" in der Premierensaison ein solcher Fall unterkommt.

Idar-Oberstein Birkenfeld
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