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    Idar-Oberstein

    Lokalhistorie: Tausende Edelsteinkästlein gingen in alle Welt

    Großes Aufsehen erregte der Fund einer Edelsteinsammlung im Indischen Ozean, die der Finder – vermutlich aufgrund eines Firmenstempels – der Firma Constantin Wild in Idar zuordnete. Fast ebenso spannend wie die Frage, wie diese Sammlung es um den halben Globus geschafft hat, ist die Geschichte der Entstehung dieser Sammlungen im Format DIN A 6. Es war die Idee von Paul Hermann Wild, der übrigens nur einige Häuser von der Firma Constantin Wild wohnte und der im Jahr 1950 erstmals in der Goldschmiedezeitung für seine „neuartige Edelsteinsammlung in Taschenformat“ Werbung machte. Mit dieser Idee hatte er einen Volltreffer gelandet, denn in den kommenden zwei Jahrzehnten verkaufte er Tausende dieser Sammlungen mit den 30 Steinen. Das Beiheft, eine kleine 16-seitige Edelsteinkunde, erschien bereits 1952 auch in englischer und italienischer Sprache, danach sind noch Französisch und Spanisch hinzugekommen.

    Die Edelsteinsammlung in der Größe eines Vokabelheftes war zwei Jahrzehnte lang ein Verkaufsschlager und ging in alle Welt. Die Idee dazu hatte der Idarer Paul Hermann Wild.
    Die Edelsteinsammlung in der Größe eines Vokabelheftes war zwei Jahrzehnte lang ein Verkaufsschlager und ging in alle Welt. Die Idee dazu hatte der Idarer Paul Hermann Wild.
    Foto: Jörg Staiber

    Als der Bericht über den Fund in der Zeitung erschien, kamen bei einer Frau sofort viele Erinnerungen hoch: Irma Kolbe lebt in Birkenfeld und ist die Tochter von Paul Hermann Wild. Der stammt zwar aus einer Idarer Schleiferfamilie, hatte sich aber als Kaufmann mit seiner Familie in Saarbrücken niedergelassen. Als die Stadt 1944 beim letzten Luftangriff der Amerikaner aus Saarbrücken völlig ausgebombt wurde, zog Paul Hermann mit seiner Familie zurück in sein Elternhaus nach Idar. Er stand wie viele seiner Zeitgenossen buchstäblich vor dem Nichts, als er seine Geschäftsidee hatte und dafür einen Musterschutz anmeldete. Die Herstellung der Sammlung war ein überaus mühsames Geschäft. Er kaufte bei Edelsteinschleifern die unbrauchbaren Steinreste auf und zerkleinerte sie so, dass sie in die zehn mal sieben Millimeter großen Kästchen passten. Und mochten es auch nur Reste gewesen sein, so hatte die Sammlung doch Qualität, die sogar vom damaligen Oberguru der Gemmologie bestätigt wurde. „Auch Professor Schlossmacher hat die Sammlung als sehr gut bewertet“, kann sich Irma Kolbe erinnern.

    Rund zwei Jahrzehnte florierte das Geschäft mit den Sammlungen, sie waren als Werbegeschenk überaus beliebt und wurden in alle Welt bis in die USA verschickt. Aus einer Rechnung aus den 50er-Jahren geht hervor, dass Firmen für einen Aufpreis von 8 Pfennig pro Schatulle eine Firmenprägung erhalten konnten, wobei noch der einmalige Aufpreis von 24 Mark für den Prägestempel hinzukam. Es war den Entwicklungen der Zeit geschuldet, dass dieses Geschäft irgendwann zu Ende ging.

    „Sie haben im Laufe des Jahres 1969 vielleicht mit Unwillen gemerkt, dass ich mit meinen Lieferungen weniger als prompt war“, schrieb Wild am 3. Januar 1970 in einem Brief an seine Kunden. „Ich hatte Schwierigkeiten, die nichts mit Faulenzerei oder Nachlässigkeit zu tun hatten.“ Es werde von Tag zu Tag schwerer, die erforderlichen Rohsteinabfälle aufzutreiben, klagte Wild. Und auch die Hilfskräfte zur Verkleinerung der Rohsteine gingen Wild allmählich aus. „Einige Pensionäre, die längere Zeit für mich diese Arbeit verrichteten, lehnten es ab, weiter für mich zu arbeiten, als ich Rechnungsstellung verlangen musste. Sie fürchteten, durch den Nebendienst in ihren Renten benachteiligt zu sein.“ Wie Dieter Jerusalem herausfand, verkaufte Paul Hermann Wild seine letzten 50 Schatullen zum Stückpreis von 10 Mark an die Firma Gebr. Bank in Idar. Das Musterrecht verkaufte er an einen großen Edelsteinbetrieb, der aber nie an Wilds Verkaufserfolge anknüpfen konnte.

    Von unserem Reporter Jörg Staiber

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