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    Klein-Amerika in Algenrodt: Erinnerung an vergangene Zeiten

    Für uns deutschen Kids waren die Amis reiche Menschen und die USA eine Art Schlaraffenland. Ob Soldat oder General, an Geld mangelte es ihnen nie. Von Autos bis zu Zigaretten, Kaugummi, Cola und anderen Süßigkeiten gab es in der Straßburgkaserne alles in Massen. Wenn es schon so toll in „Klein-Amerika“ war, wie mag es erst in den USA selbst sein, war die Frage, die sich viele Idar-Obersteiner stellten. Um so entsetzter war ich 1974 auf meiner Amerikareise: So viele arme und bettelnde Menschen wie an der Ostküste der USA hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nirgendwo erlebt. Selbst am Gitter des Weißen Hauses wurden wir nach einem Dime gefragt.Doch von all diesen Dingen merkte man in der Straßburgkaserne nichts. Und einige Dinge, die den Amis lieb und teuer waren, fanden sich bald auch im Leben der Idar-Obersteiner. Wie etwa Cola, Pizza oder Kaugummi. Filme und Fernsehserien aus Hollywood verstärkten dabei noch die Kauflust nach amerikanischen Produkten.

    Idar-Oberstein - Für uns deutschen Kids waren die Amis reiche Menschen und die USA eine Art Schlaraffenland. Ob Soldat oder General, an Geld mangelte es ihnen nie. Von Autos bis zu Zigaretten, Kaugummi, Cola und anderen Süßigkeiten gab es in der Straßburgkaserne alles in Massen. Wenn es schon so toll in „Klein-Amerika“ war, wie mag es erst in den USA selbst sein, war die Frage, die sich viele Idar-Obersteiner stellten. Um so entsetzter war ich 1974 auf meiner Amerikareise: So viele arme und bettelnde Menschen wie an der Ostküste der USA hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nirgendwo erlebt. Selbst am Gitter des Weißen Hauses wurden wir nach einem Dime gefragt.Doch von all diesen Dingen merkte man in der Straßburgkaserne nichts. Und einige Dinge, die den Amis lieb und teuer waren, fanden sich bald auch im Leben der Idar-Obersteiner. Wie etwa Cola, Pizza oder Kaugummi. Filme und Fernsehserien aus Hollywood verstärkten dabei noch die Kauflust nach amerikanischen Produkten.


    Dazu gehörte auch die Rockmusik, das vielleicht beste, was jemals aus den USA kam. Und die hörte man am besten in Originaljeans einer bestimmten Marke. Für Unterhaltung war in der Straßburgkaserne bestens gesorgt. Zahlreiche deutsche Jugendliche gingen in den offenen Kasernenzeiten auch zum Tanzen in den NCO-Club, in dem auch Idar-Obersteiner Bands spielten. Hier kamen übrigens die Schmuckstädter erstmals mit der Pizza in Berührung. Auch Pommes mit Ketchup führten damals die Amis in Idar-Oberstein ein.
    Auch in Sachen Sex waren die Amis etwas weiter. Denn in den 60er-Jahren kamen wir Jugendliche damals schon mit der Zeitschrift Playboy in Berührung. Die erste deutsche Ausgabe erschien erst 1972. Ich gebe es zu, wir wollten nicht unsere Englischkenntnisse beim Studium dieser Zeitschrift verbessern. Es waren schon die Bilder, die uns reizten. Oftmals entnahmen wir die noch brauchbaren Hefte dem Müllcontainer. Bei diesen Streifzügen durch die Straßburgkaserne kam es natürlich auch zu menschlichen Begegnungen. Auch auf dem Saarring wohnten junge, hübsche Mädchen und so kam es sogar zu mehreren Ehen. Unvergessen blieb aber eine andere herzzerreißende Geschichte: Als sich der Saarringer V. in das US-Girl K. verliebt hatte, schien für beide die Welt unterzugehen, als der Vater von K. in die USA zurückversetzt wurde.
    Ein besonderer Tag für die Amerikaner ist der 4. Juli. Am Unabhängigkeitstag wurde immer in der Straßburgkaserne auf dem Baseballfeld gefeiert. Ein wirklich schönes Fest, auf das wir Saarringer und andere Idar-Obersteiner uns immer freuten. Nicht nur, dass viele interessante und nette Spiele an den Ständen stattfanden, sondern es gab dann immer das besonders leckere Ami-Eis. Schon deshalb lohnte sich das Fest.
    Eines der Spiele war jahrelang ein Lacherfolg. Ein Luftballon wurde aufgeblasen und mit Rasierschaum zugeschmiert. Wer es schaffte, diesen Ballon so zu rasieren, ohne dass er weder platzte noch ein Rest des Rasierschaums zu sehen war, der gewann einen kleinen Preis. Gelang ihm dies nicht, wurde er selbst eingeseift. Zum Abschluss gab es ein großes Feuerwerk. In den 50er- Jahren war es das einzige und damit das erste Feuerwerk auf einem Fest in Idar-Oberstein.

    Auch wenn dies alles lustig klingt, man darf nicht vergessen und man vergaß es auch damals nicht, dass hier Soldaten ihre Pflicht taten. Ende der 60er-Jahre wurde einem das ziemlich bewusst. Hatte etwa der gerade so freundlich wirkende US-Soldat in Vietnam vor einigen Wochen einen Menschen getötet? War dieser Krieg überhaupt gerecht? In anderen Städten kam es sogar zu Anschlägen auf US-Kasernen. Und so wurden die Kontrollen verschärft, zeitweise war es wieder verboten die Straßburgkaserne zu betreten. Auch das Drogenproblem in Idar-Oberstein hatte viel mit den Soldaten aus der Straßburgkaserne und aus Baumholder zu tun. Waren die Tore dann wieder offen, spazierte ich nicht mehr so oft durch die Kaserne. Vieles war mir auch zu patriotisch, wie die folgende Anekdote zeigt. Bei einem dieser Spaziergänge entdeckte ich, dass im Ami-Kino der Rolling-Stones-Film „Gimme Shelter“ lief. Da nicht abzusehen war, ob dieser Film auch in die schmuckstädtischen Kinos kam, versuchte ich, mir den im „Starlight“ anzusehen. Ich besorgte mir Dollars und es fand sich auch im Foyer ein Amerikaner, der mich als Gast mit in die Vorstellung nahm. Ohne ein Gast zu sein, durfte man keine Veranstaltung in der Straßburgkaserne besuchen. Und ich erlebte etwas Unglaubliches. Bevor die Vorstellung begann, wurde die amerikanische Nationalhymne gespielt.
    An all diese Dinge muss ich heute denken, wenn ich mich an Klein-Amerika erinnere. An das Lachen der Kinder in der Schule und im angrenzenden Kindergarten oder an die Tage in der Sporthalle, in den einzelnen Clubs.
    Heute herrscht auf dem Gelände nach dem endgültigen Wegzug der Amerikaner eine fast gespenstische Stille. Hoffen wir, dass bald eine Entscheidung in Sachen Straßburgkaserne fällt. Es ließe sich sehr viel Positives aus dem Gelände machen.

     

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