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Meckenbach

Energieversorgung in Eigenregie: Wird Meckenbach mithilfe eines EU-Zuschusses zum Modelldorf?

Warum gibt es die sich außergewöhnlich anhörende Aussicht, dass das kleine, kaum 130 Einwohner zählende Dorf Meckenbach am Rand des Nationalparks Hunsrück-Hochwald möglicherweise gemeinsam mit den Orkney-Inseln vor Schottland und dem niederländischen Nordseeeiland Texel ein Trio bilden wird? Die Antwort auf diese Frage lautet: wegen „Logic“. Das ist der Name eines Projekts der Europäischen Union (EU). Dessen Ziel ist es, dass sich am Ende des Prozesses die drei genannten Modellgebiete autark mit Energie versorgen können, was wiederum sozusagen als Blaupause in Zukunft Vorbildcharakter für vergleichbare Vorhaben in anderen Regionen der EU haben könnte.

Der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Birkenfeld wird sich in seiner Sitzung am Mittwoch (18 Uhr, Rathaus) mit diesem Thema befassen, weil die VG offiziell als Zuschussempfänger bei diesem Projekt auftritt und dafür Geld in den Haushalt 2018 einstellen muss. „Allerdings wird es für uns nur ein durchlaufender Posten sein“, betonte Bürgermeister Bernhard Alscher bereits bei den Vorberatungen im Haupt- und Finanzausschuss vorige Woche, der dem VG-Rat einstimmig empfahl, die Pläne zu billigen.

Wird das Projekt, bei dem das am Umwelt-Campus angesiedelte Ifas-Institut Kooperationspartner ist, tatsächlich verwirklicht, wird mit voraussichtlichen Kosten von knapp 920.000 Euro gerechnet. Davon würden 60 Prozent, also rund 510.000 Euro, durch einen EU-Zuschuss abgedeckt. Den Rest müsste die Gemeinde Meckenbach als Eigenanteil schultern.

Frist für Beschluss läuft bis 30. Juni

Ob es so weit kommt, wird bis zum 30. Juni 2018 klar sein. Sollte sich die Meckenbacher bis dahin nicht per Ratsvotum dazu entschieden haben, die Eigenmittel zu übernehmen, werde Rathauschef Alscher beauftragt, die Teilnahme am Projekt unverzüglich zu beenden. So steht es in der Beschlussvorlage, der das VG-Gremium am Mittwochabend aller Voraussicht nach folgen wird.

Der Meckenbacher Ortsbürgermeister Stefan Bill sagt im NZ-Gespräch zum aktuellen Stand der Dinge: „Grundsätzlich haben wir unser Interesse bekundet, beim „Logic“-Projekt mitzumachen. Wir werden diesen großen Anlauf aber nur dann nehmen, wenn wir sicher sind, dass die Umsetzung des Vorhabens in unserem Dorf auch machbar ist und uns dafür eine positive Wirtschaftlichkeitsberechnung vorliegt.“ Um diese offenen Fragen zu klären, wurde die Erstellung einer Studie ausgeschrieben. Nach Eingang aller Angebote soll alsbald die Auftragsvergabe erfolgen. Bill rechnet damit, dass das Expertengutachten im Lauf des Frühjahrs vorliegen wird. „Dann werden wir wissen, ob es sich lohnt, das Projekt weiterzuverfolgen“, betont Bill.

Ein besonders wichtiger Aspekt der Studie ist, dass sie Erkenntnisse und konkrete Vorschläge liefern soll, wie die angestrebte Meckenbacher Energieversorgung in Eigenregie überhaupt bewerkstelligt werden kann. Mit dem Projekt „Logic“ verbindet sich per Definition die Absicht, anhand praktischer Umsetzungsbeispiele Lösungen für eine kohlenstoffarme Energiezukunft zu erforschen. Dabei sollen hybride Systeme, also die Kombination verschiedener Techniken, eingesetzt werden.

Zwei Säulen für Stromerzeugung

Während auf Texel oder auf den Orkney-Inseln das Spiel der Gezeiten und Wasserkraft als eine Säule der Energiegewinnung dienen können, ist das in Meckenbach natürlich nicht möglich. Denkbar ist aber nach Auskunft von René Maudet, neben Klimaschutzmanager Viktor Klein Sachbearbeiter der VG-Verwaltung bei diesem Projekt, dass ein Bestandteil Sonnenstrom sein kann. Eine Option hierfür wäre der Bau einer großen Freilandfotovoltaikanlage. Es soll in der Studie aber auch geprüft werden, inwiefern Anlagen auf Dächern eine Lösung sein könnten. Mittels einer Batterie könnte die Sonnenenergie gespeichert und in die Häuser geleitet werden. Als zweite Komponente kommen laut Maudet und Bill die Installation eines Nahwärmenetzes und der Bau eines Blockheizkraftwerks infrage, das mit Holz aus der Region gefüttert wird und neben Wärme auch Strom erzeugt. Der Ortsbürgermeister weist zudem darauf hin, dass möglicherweise der ins öffentliche Netz eingespeiste Strom der von der Firma Geres betriebenen Windräder – insgesamt stehen vier davon auf der Gemarkung des Ortes – zumindest teilweise mitgenutzt werden könnte, um eine autarke Energieversorgung in Meckenbach zu ermöglichen. „Dafür müssen zunächst aber noch die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt werden“, sagt Bill.

In den Reihen der Bürgerschaft stehe man dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber, sagt der Ortschef. Entscheidend für die Frage, wie viele Haushalte sich am Nahwärmenetz anschließen oder sich mit Strom „Made in Meckenbach“ versorgen lassen, werde jedoch der Preis sein, wissen Bill und Maudet. Elementar bei der Studie sei daher, ob sie aufzeigen kann, dass die Bürger zum Beispiel beim Strombezug im Vergleich zu den bisherigen Zahlungen an ihre Versorger tatsächlich günstiger fahren können. Davon hängt die Chance zur Verwirklichung des Modellprojekts maßgeblich ab. Denn, so formuliert es Maudet: „Nur der Umwelt zuliebe zu wechseln, wenn man dabei teurer fährt, macht kaum jemand.“

Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

Idar-Oberstein Birkenfeld
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