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Kirn

Demografie im Kreis Birkenfeld: Gesellschaft schrumpft und altert

Der demografische Wandel ist in ländlichen Regionen das wichtigste Thema der Zukunft. Kommunale Strukturen, Arbeitsmarktsituation, Vereinsnachwuchs; alles hängt davon ab, wie sich die Gesellschaft im ländlichen Raum verändern wird. Dass sie sich verändert, steht fest. Die Zahlen sprechen eine sehr klare Sprache.

Symbolbild
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Foto: DPA

Im Kreis Birkenfeld liegen die Geburtenraten seit Langem unter den Sterberaten, die Bevölkerungstendenz ist negativ. Zudem sinken die Geburtenraten weiter: Im Kreis Birkenfeld waren es im Jahr 2000 noch 87,8 Lebendgeburten pro 10 000 Einwohner, 2011 nur noch 73,1. In diesem Zeitraum hat sich auch das Verhältnis von Bevölkerungszunahme und -abnahme deutlich verändert: Im Jahr 2000 nahm die Bevölkerung im Kreis Birkenfeld je 10 000 Einwohner noch um 16,7 Einwohner zu, 2011 nahm sie dagegen um 90,9 Einwohner ab.

"Die Wissenschaft ist sich bei wenigen Themenfeldern so einig wie beim demografischen Wandel", sagt Sven Stadtmüller vom Forschungszentrum Demografischer Wandel in Frankfurt. Stadtmüller selbst stammt aus dem Rhein-Lahn-Kreis; der Forscher weiß aus eigener Erfahrung, wie sich regionale Strukturen verändern. "Es ist aber viel zu kurz gegriffen, von dem demografischen Wandel zu sprechen, denn der ist beispielsweise in Frankfurt ein ganz anderer als in Nordhessen."

Geburtenrate rückläufig

Fest stehen in diesem Zusammenhang lediglich die groben Rahmendaten wie Geburtenraten und Prognosen für die Bevölkerungsentwicklung. "Die Geburtenrate ist schon seit Anfang der 1970er rückläufig", erklärt Stadtmüller, "medial spielt der Wandel aber erst seit den späten Neunzigern eine Rolle." Aus der anfänglichen Panikmache ist inzwischen vor allem eine Diskussion über Chancen geworden. Die Basisdaten sind regional allerdings wenig vielversprechend. "Heute sind rund 20 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt", erklärt Stadtmüller, "die Prognosen sagen, dass es 2060 etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung ist." Im Kreis wird die Zahl der über 60-Jährigen im Jahr 2060 laut statistischen Berechnungen stark ansteigen – auf deutlich mehr als 30 Prozent. "Beispielsweise im Rhein-Hunsrück-Kreis wird sich die Zahl der unter 20-Jährigen bis 2060 etwa halbieren", sagt Stadtmüller. Böse Zungen behaupten, dass derjenige, der dieser demografischen Entwicklung begegnen will, nur mit offenen Augen durch die Region fahren muss – oder sich einfach einmal in eine Veranstaltung zur Frage des demografischen Wandels hineinsetzen sollte. In Kirn befassten sich Demografieforscher Stadtmüller und weitere Experten dieser Tage wieder einmal mit der Debatte, wie sich der ländliche Raum aufstellen muss, um vor allem die Chancen des Wandels nutzen zu können. Es ist ein Thema, das vor allem junge Menschen interessieren sollte. Ein Blick in die Runde zeigt: Die Teilnehmer sind durchweg über 50.

"Fest steht, dass die Gesellschaft schrumpft und altert", sagt Stadtmüller. Er zitiert verschiedene Prognosen, nach denen es anstatt der heute etwa 4 Millionen Menschen in Rheinland-Pfalz im Jahr 2060 nur etwa 2,9 bis 3,4 Millionen geben wird. Fest steht damit, dass bereits heute sichtbare infrastrukturelle Probleme massiv zunehmen werden. "Die ländlichen Regionen sind stark benachteiligt", sagt Stadtmüller, der mit der Abnahme der jungen Bevölkerung ein großes Defizit im Bereich der Dienstleistungen erwartet, gerade im medizinischen und Versorgungsbereich.

Baugebiete reichen nicht

Umso wichtiger ist es aus Sicht der Demografieforschung, heute Weichen für die kommenden 30, 40 Jahre zu stellen. Ohne eine Steigerung der Attraktivität der Kommunen weit über politische Legislaturperioden hinaus, droht eine Art Ausverkauf. Beispiele dafür gibt es schon heute. Die sächsische Stadt Hoyerswerda beispielsweise, die 1995 noch 65 000 Einwohner hatte und heute 40 000.

"Viele kommunale Entscheidungsträger sind heute noch der Meinung: ,Das wird schon wieder'", erklärt Stadtmüller. "Die Bürgermeister glauben, dass sie Neubaugebiete erschließen und die Leute schon kommen." Dies wird künftig aber immer schwieriger. Umso bedeutender ist ein regionaler Masterplan, der auch einen ruinösen Wettbewerb der einzelnen Kommunen untereinander vermeidet. Denn sicher ist: Der demografische Wandel lässt sich nicht stoppen.

Von unserem Redakteur Volker Boch

Idar-Oberstein Birkenfeld
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