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Kreis Birkenfeld

"Big Brother" im Forstrevier: Mit Kameras auf der Jagd nach Wildtieren

Wildkameras werden seit einiger Zeit auch in den Wäldern des Kreises Birkenfeld eingesetzt – allerdings nur vereinzelt. Das bestätigt Helmut Billert, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Birkenfeld. Allerdings wisse er nicht, wer die Kameras benutze und wo sie im Einsatz sind.

Mit einer Wildtierkamera wurde im März 2013 an einer Kirrung, einer Fütterungsstelle, ein Foto von diesem Muffelwild geschossen. Die Kameras sind zur Populationskontrolle insgesamt geeignet und ein effektives Instrument zur Bejagung von Wildschweinen.  Foto: privat
Mit einer Wildtierkamera wurde im März 2013 an einer Kirrung, einer Fütterungsstelle, ein Foto von diesem Muffelwild geschossen. Die Kameras sind zur Populationskontrolle insgesamt geeignet und ein effektives Instrument zur Bejagung von Wildschweinen.
Foto: privat

Von unserem Redakteur Andreas Nitsch

"Es ist auch gar nicht meine Aufgabe, dies zu wissen", sagt Billert. Er selbst habe keine solche Kamera. Von Problemen oder gar einer Hysterie wegen der vermeintlichen Verletzung des Datenschutzes ist dem Jäger nichts bekannt.

Die Aufnahmegeräte sind nicht erst in die Diskussion geraten, als sie im vergangenen Sommer von einem Discounter preiswert angeboten und unzählige Male verkauft wurden. Längst sind auch Datenschützer hellhörig geworden. Der Landesbeauftragte für Datenschutz (LfD) in Rheinland-Pfalz schätzt, dass allein in Rheinland-Pfalz 30 000 dieser Kameras im Einsatz sind. In Bayern, Hessen und dem Saarland sind die Wildkameras bereits grundsätzlich verboten oder nur unter strengen Auflagen erlaubt. Auch in Rheinland-Pfalz war ein solches Verbot im Gespräch.

Schwierigkeiten wegen der Kameras habe es in seinem Beritt allerdings noch nicht gegeben, betont Kreisjägerschaftsvorsitzender Billert. Die Jäger im Kreis Birkenfeld seien in die Materie eingewiesen worden, alle wüssten über die Knackpunkte Bescheid. Die Apparate würden ohnehin nur an Stellen installiert, die für die allgemeine Bevölkerung schwer zugänglich sind. Der Jagdexperte denkt da an Kirrungen, Sausuhlen und Hochsitze. Letztendlich dienten diese Kameras ausschließlich der tierschutzgerechten Bejagung. Darüber hinaus verweist Billert auf die Ausführungen von Klaus Nieding, dem Vorsitzenden der Jägerschaft im Nachbarkreis Bad Kreuznach. Nieding ist nicht nur Anwalt, sondern auch Justiziar des Landesjagdverbandes (LJV) Rheinland-Pfalz. Für ihn ist der Vorstoß, Wildkameras zu verbieten, nicht haltbar.

Kirrungen seien für die Jagd auf Wildschweine von großer Bedeutung, da an solchen Lockstellen mehr als die Hälfte aller Wildschweine erlegt würden. Die sich in Jagdrevieren im Einsatz befindlichen Wildkameras dienen nahezu ausschließlich der Beobachtung von Wildtieren, die solche Plätze aufsuchen. Wildkameras fördern eine tierschutzgerechte Bejagung, da durch die Vorselektion auf Fotos beispielsweise die Rottenstruktur bereits in Ruhe studiert und das richtige Stück zur Bejagung ausgesucht werden kann. "Wildkameras sind zur Populationskontrolle insgesamt geeignet und ein effektives Instrument zur Bejagung von Wildschweinen", betont der LJV-Justiziar.

Nieding und Billert betonen zudem, dass Kirrungen und Hochsitze jagdliche Einrichtungen sind, deren Störung und widerrechtliches Betreten bereits selbst eine Ordnungswidrigkeit sein können. Damit stehe fest, dass diese Orte kein öffentlicher Raum im Sinne der Datenschutzgesetze sind und somit bereits rechtlich kein Verstoß gegen die Datenschutzgesetze vorliegt. Der LJV-Justiziar denkt, dass dies sicher der Grund dafür ist, warum es mittlerweile nach dem ersten Sturm im Wasserglas wieder sehr ruhig um diese Thematik geworden ist.

Nieding und Billert verweisen dennoch unisono darauf, dass Kirrungen – und damit auch Wildkameras – von Jägern an solchen Plätzen angebracht werden, an denen die Wahrscheinlichkeit am geringsten ist, dass Waldbesucher diese Waldflächen betreten und somit vor die Linse geraten. Zudem sei die in Wildkameras verwendete Technik mittlerweile so weit fortgeschritten, dass eine automatische Anonymisierung von Personen auf Bildern möglich ist. Billert nennt ein weiteres Argument: "Kein Jäger wird seine Kamera direkt an einem Waldweg aufbauen. Die Geräte haben schließlich auch einen gewissen Wert."

Idar-Oberstein Birkenfeld
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