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    Idar-Oberstein

    Auf Entdeckungsreise in der Bijouteriefabrik

    Seit Ende September ist die Schmuckkünstlerin Tamara Grüner als "Artist in Residence" in der historischen Bengel-Fabrik zu Gast. Die 35-Jährige ist nach der Ausbildung auf dem Berufskolleg der Goldschmiedeschule Pforzheim und dem mit Auszeichnung bestandenen Designer-Diplom an der Hochschule Pforzheim als freie Schmuckdesignerin und Lehrbeauftragte tätig.

    Tamara Grüner ist "Artist in Residence" in der historischen Bengel-Fabrik.
    Tamara Grüner ist "Artist in Residence" in der historischen Bengel-Fabrik.
    Foto: Jörg Staiber

    Von unserem Reporter Jörg Staiber

    Ihre besondere Vorliebe gilt der Verarbeitung, Überformung und Transformation historischer Vorlagen und Materialien. "Ich arbeite nach dem Puzzle-Prinzip", erläutert sie im Gespräch mit unserer Zeitung. "Ich nehme bereits vorhandenes Material verschiedener Herkunft und füge es zusammen, wobei der Charakter des alten Materials respektiert und gleichzeitig etwas ganz Neues geschaffen werden soll."

    Da findet die im bayrischen Deggendorf Geborene in der alten Bijouteriefabrik Bengel geradezu paradiesische Bedingungen vor. "Überall liegen Schachteln mit Materialien herum, oft von einer dicken Staubschicht bedeckt, man kann hier richtige Entdeckungen machen und auf die Suche nach versteckten Schätzen gehen", freut sie sich. Ihren Arbeitsplatz hat sie sich in der alten Werkhalle, inmitten von historischen Press-, Stanz- und Walzmaschinen, eingerichtet. "Es ist so, als ob die Arbeiter nur mal gerade Pause machen, man fühlt sich richtig in eine andere Zeit versetzt", schwärmt die Designerin, die eine Vorliebe für den Schmuck aus der Zeit des Historismus hat, in der auch die Obersteiner Bijouterie ihre erste Blüte erlebte. "Das ganze Umfeld ist ungeheuer inspirierend für mich."

    Bei Bengel wird sie allerdings vorwiegend mit Materialien späterer Epochen konfrontiert, die einerseits reizvoll, andererseits aber auch ungewohnt sind. "Die Farbenvielfalt des eloxierten Aluminiums ist schon faszinierend", berichtet sie über ihre Begegnung mit dem "Schorschte-Gold", das vor einem guten halben Jahrhundert eine wichtige Grundlage für den Boom der Obersteiner Schmuckindustrie war. "Allerdings ist es für mich als Goldschmiedin ungewohnt, ein Material nicht löten zu können, sondern kleben zu müssen."

    Richtig bunt geht es auch bei einer besonderen Spezialität von Bengel zu, dem Galalith. Der frühe Kunststoff aus Milch und Formaldehyd wird heute nur noch von einem einzigen Werk in Italien produziert, wo es vorwiegend für die Herstellung von Knöpfen verwendet wird. Bei Bengel wird damit der historische Art-Déco-Schmuck aus den 20er- und 30er-Jahren reproduziert. "Das Material erinnert mich an Knochen, mit denen ich eine Zeitlang viel gearbeitet habe", erklärt Grüner, deren besondere Spezialität fantasievolle Broschen sind. "Es lässt sich fast genau so sägen, bohren und feilen."

    Mehr zufällig hat sie entdeckt, dass sich erwärmte Galalith-Platten auch biegen lassen und dann ihre Form behalten. Auch das hat sie zu einigen Arbeiten inspiriert. Und natürlich kommt man in Idar-Oberstein nicht völlig an Edelsteinen vorbei. So hat sie auch Achate und andere Edelsteine in Schmuckstücke gearbeitet.

    Bei aller Begeisterung für die Arbeitsbedingungen findet sie die Situation im herbstlichen Idar-Oberstein doch bisweilen etwas deprimierend. "Ich wohne ja schon seit vielen Jahren in Pforzheim, auch das ist eine Stadt auf dem absteigenden Ast, und auch da gibt es Leerstände und einen Rückgang in vielen Bereichen", sagt sie. "Aber hier hat man doch noch stärker das Gefühl des Niedergangs." Dabei habe die Stadt wahnsinnig viel Potenzial, schon allein die zahlreichen architektonischen Kleinode seien bemerkenswert. "Ich hoffe, dass es hier wieder aufwärts geht", sagt sie am Ende ihres rund zwölfwöchigen Aufenthalts. "Das hätte die Stadt wirklich verdient."

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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