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    Idar-Oberstein

    Arbeitsmarkt: Integration der Flüchtlinge läuft holprig an

    Den Betrieben fehlen Fachkräfte, auf der anderen Seite gibt es immer mehr Asylsuchende: Die Flüchtlinge könnten die Lücke füllen; aber so einfach ist es nicht, wie das Arbeitsmarktgespräch im Kasino der Kreissparkasse deutlich machte. Deutsch zu sprechen ist Grundvoraussetzung, denn ohne ein Minimum an Sprachkenntnissen wird es schwierig, sie in den Arbeitsprozess einzugliedern.

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    Die Arbeitsagentur informiert über die aktuelle Arbeitsmarktsituation.
    Foto: Ulrich Perrey/Archiv - dpa

    Von unserem Mitarbeiter Karl-Heinz Dahmer

    Ein anderes Problem: Nur zehn bis zwanzig Prozent der Arbeitgeber haben, wie es Elmar Wagner ausdrückt, eine Affinität zum Thema Flüchtlinge, eine emotionale Nähe also und damit auch eine Bereitschaft, welche einzustellen. Wagner ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Kreuznach, die auch für den Kreis Birkenfeld zuständig ist. Um das Problem anzugehen, luden Arbeitsagentur und Jobcenter regionale Unternehmer zu dem Treffen ins KSK-Kasino ein. Eine Reihe von Akteuren stellte dort ihre Angebote vor: IHK, HwK, Jobcenter, Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit. Der Erfolg war bescheiden: Nur 35 Unternehmer und Politiker kamen, viele Stühle blieben leer.

    Die Integration von Flüchtlingen ist nur eins der drängenden Probleme, auch Langzeitarbeitslosen soll mit vielfältigen Förderprogrammen geholfen werden. Beide Zielgruppen waren Thema des Gesprächsabends, mit deutlichem Schwerpunkt auf den Flüchtlingen. Landrat Mathias Schneider legte die aktuellen Zahlen vor: 730 Asylsuchende leben gegenwärtig im Aufnahmelager in Birkenfeld, 886 Flüchtlinge sind nach ihrer Anerkennung als Asylanten dem Kreis zugewiesen, 250 Wohnungen wurden für die Unterbringung im Kreis angemietet. Es gibt Bemühungen, 37 unbegleitete Kinder (das sind Kinder, die ohne Eltern ankamen) der Elisabeth-Stiftung zuzuweisen.

    In der Region gebe es ausreichend attraktive Firmen, doch das sei zu wenig bekannt, weil Vernetzung und Info-Politik schlecht seien. Aber auch die Anzahl der Sprachkurse reicht nicht. Sicher, es gibt eine Reihe von ehren- und hauptamtlichen Kursen, zusätzlich bieten seit Oktober 2015 die Arbeitsagenturen einen achtwöchigen Einstiegskurs an, in denen laut Wagner bis jetzt 220 000 Flüchtlinge Basisinformationen erhalten haben. Aber auch er weiß: Das reicht nicht, um in der Arbeitswelt weiterzukommen.

    Integrationskurse gehen schon weiter, sie bestehen aus einem Sprach- (600 bis 900 Stunden) und einem Orientierungskurs, in dem über Rechte, Pflichten und Werte in Deutschland informiert wird. Viele Flüchtlinge, die seit September in der Region sind, warten darauf, in diese Integrationskurse zu kommen, aber niemand ist da, der das Signal gibt, damit sie beginnen können. Ob die üblichen 600 Stunden Deutsch ausreichen, ist auch zu bezweifeln. Wie lange muss ein Flüchtling Deutsch lernen, damit er die Sprache ausreichend beherrscht? Ein Jahr? Eher zwei, meinte ein Unternehmer. "Uns ist wichtig: Eine Arbeitsaufnahme ist ein erfolgversprechender Weg in die Integration", erklärte Hubert Paal, Geschäftsführer des Jobcenters im Kreis, der diesen Info-Abend mit auf den Weg gebracht hatte.

    Die Kreishandwerkerschaft Rhein-Hunsrück-Nahe hatte bei einer Umfrage in Betrieben von 48 Firmen Antworten bekommen, die ernsthaftes Interesse an einer Beschäftigung von Menschen aus Krisenregionen haben; im Kreis Birkenfeld sind es zehn Betriebe mit 19 Plätzen, vom Praktikanten bis zum Facharbeiter, berichtete Geschäftsführer Gerhard Schlau. Michael Fuhr von der Handwerkskammer Koblenz erklärte, dass der Elektriker- und Maurerberuf im Handwerk stark gefragt sind, in den übrigen Branchen gebe es zum Teil deutliche Rückgänge. Demnächst starte auch im Kreis Birkenfeld "Kompass", ein Profiling für Flüchtlinge, das damit auch Orientierungshilfe ist für Betriebe.

    Thomas Wild, Geschäftsführer der IHK-Stelle in Idar-Oberstein, warb: "Mit dem Kompetenz-Check von IHK und HwK sind die Erfolgaussichten wesentlich besser, als wenn man jemanden auf gut Glück einstellt." Es gebe zu viele Einzelinitiativen, Erfolg könne allerdings nur eine gesamtheitliche Betrachtung haben, hob Michael Dietz, Wirtschaftsförderer des Kreises, hervor. Sven Benecke, Teamleiter Arbeitgeberservice bei der Arbeitsagentur im Kreis Birkenfeld, stellte Fördermöglichkeiten vor. KSK-Vorstand Joachim Köls, Hausherr dieses Treffens, erinnerte daran, dass auch in seiner Branche das Arbeiten immer komplizierter werde, nicht nur wegen der überbordenden Regulatorik, die in wenigen Jahren stark zugenommen hat. "Es gibt immer mehr Anpassungsdruck, auch in unserem Berufsbild wird sich einiges ändern."

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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