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Stipshausen

Überwältigende Mehrheit für den Bikepark

Mit solch großem Andrang hatte niemand gerechnet. Zwischen 130 und 150 Interessierte waren zur Bürgerversammlung gekommen, um sich über den aktuellen Stand des Bikeparks Idarkopf zu informieren.

So könnte es später einmal am Idarkopf aussehen. Projektentwickler Nico Reuter (hier in Aktion im Wald bei Freisen) will im Herbst mit den ersten Erdbewegungen beginnen. Foto: Gravity Magazine/Fabio Schäfer
So könnte es später einmal am Idarkopf aussehen. Projektentwickler Nico Reuter (hier in Aktion im Wald bei Freisen) will im Herbst mit den ersten Erdbewegungen beginnen.
Foto: Gravity Magazine/Fabio Schäfer

Am Ende gab es ein klares Votum: Bei nur einer Handvoll Enthaltungen stimmte eine überwältigende Mehrheit der „Stiepser“ für das Projekt, das – wie Ortsbürgermeister Frank Marx sagte – den Ort verändern wird.

Marx machte zu Beginn deutlich, dass die Einwohnerschaft hinter dem Projekt stehen müsse, sonst mache das Ganze keinen Sinn. Darüber hinaus nannte er die Eckdaten, die aus Sicht des Gemeinderates geklärt sein müssen, bevor dieser einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan fasst und damit in das Genehmigungsverfahren einsteigt: Es muss Erbbaurecht bestehen, die Finanzierung muss klar sein, die äußere Erschließung muss sichergestellt sein, und die Gemeinde muss von dem Projekt partizipieren.

Diplom-Ingenieur Hugo Kern von der Firma Kernplan bestätigte die Auffassung des Gemeinderates, dass ein Aufstellungsbeschluss erst dann zielführend sei, wenn alle Rahmenbedingungen geklärt sind. Projektentwickler Nico Reuter von Ecoparc Concepts betonte in seiner Präsentation, dass der Bikepark ein politisch motiviertes Premiumprojekt der Bikeregion Hunsrück-Hochwald ist. Der Idarkopf sei dabei das Leuchtturmprojekt der Bikeregion, „eine ideale Kombination aus Sport und Naturerlebnis“, das angesichts der günstigen Topografie und des Naturerlebnisses in Deutschland seinesgleichen suche. Gerade in Erwartung des kommenden Hochmoselübergangs, über den die radsportbegeisterten Nationen Frankreich, Luxemburg, Belgien und Holland optimal an die Region angebunden werden, sei die Lage des Idarkopfes bestens für das Projekt geeignet. Die Parkfläche wird 92 Hektar umfassen, sieben Trails mit einer Gesamtlänge von rund 15 Kilometern werden ausgewiesen bei einer Höhendifferenz von 190 Metern auf 1,3 Kilometer Länge. Dabei lege man Wert auf eine umweltverträgliche, erosionsmindernde Streckenführung, betonte der Entwickler.

Ziel: Nachhaltiger Tourismus

Ecoparc Concepts rechnet in der Anfangsphase mit 30.000 Besuchern im Jahr, von denen erfahrungsgemäß 60 bis 70 Prozent auch in der Region übernachten. Laut einer Untersuchung des Umwelt-Campus Birkenfeld könnten dadurch in der Region 1 Million Euro hängen bleiben. Im Park selbst soll es zunächst 15 Arbeitsplätze geben – zum Teil Saison- und Teilzeitkräfte. Das erwähnte Gutachten rechnet in der Region mit weiteren 80 Arbeitsplätzen, die im Dunstkreis der Einrichtung entstehen könnten. Nico Reuter ist sich sicher: „Das Projekt wird deutschlandweit ausstrahlen.“ Das zu verbauende Material, Holz, Erdreich und Gestein, soll vom nahe gelegenen Steinbruch und aus dem Idarwald kommen. Ziel des Projekts sei es, so Reuter, einen nachhaltigen Tourismus zu fördern. Ein spezielles Liftsystem wird die Fahrräder nach oben ziehen. Innerhalb weniger Stunden kann der Lift im Bedarfsfall für den Wintersport umgebaut werden – aber nur, wenn die natürlichen Schneeverhältnisse dies zulassen. Schneekanonen werden aus ökologischen und ökonomischen Gründen nicht zum Einsatz kommen. Alles in allem sollen rund 3,5 Millionen Euro investiert werden. Dass das Wirtschaftsministerium Fördergelder und eine Landesbürgschaft in Aussicht gestellt hat, wird von Reuter als Startschuss gewertet.

Ortsbürgermeister Marx bekräftigte am Ende der Präsentation, dass alles, was Reuter vorgestellt habe, mit dem Gemeinderat so abgesprochen sei. Nun konnten die Bürger Fragen stellen. Ein Teil kreiste um Zeitplan und Infrastruktur wie etwa die Breite der Trails, Öffnungszeiten, Preise, Rückbauverpflichtung oder das Waldbetretungsrecht. Andere Bürger machten sich Gedanken, wo denn die vielen Gäste übernachten sollen angesichts der geringen Bettenkapazitäten in der Region. Dies sieht auch Reuter als Problem, wenn die Besucher nicht am Ort übernachten können, sei dies auch für den Park von Nachteil. Deshalb mache man sich bereits Gedanken, wie Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden können.

Plateau bleibt tabu

Auch das Thema Verkehr und Verkehrsbelastung war Gegenstand von Befürchtungen hinsichtlich der künftigen Wohnqualität. Im Hinblick auf den Bau des Hochmoselübergangs rechnet Reuter damit, dass ein Großteil des Verkehrs nicht durch Stipshausen, sondern aus nördlicher Richtung über Hochscheid fließen wird. Dass die sogenannte Rhauner Straße, die von der Piste in Richtung Weitersbacher Kreuzung führt, als Entlastungsstraße dienen könnte, wie von einer Bürgerin gewünscht, sieht Frank Marx eher skeptisch: „Da gibt es wohl zu viele Hürden.“

Weitere Wortmeldungen hatten Themen wie Jagdausfall, Rettungskonzept und Naturschutz zum Inhalt. Letzteren hatte auch der Gemeinderat im Vorfeld auf dem Plan. So bleiben die naturschutzrechtlich geschützten Flächen auf der Piste und dem Idarkopf-Plateau ebenso wie das Wasserschutzgebiet unterhalb der Anlage tabu. Nach Ende der Diskussion stellte der Ortsbürgermeister die Gretchenfrage: Der Gemeinderat brauche ein Votum, um weiter arbeiten zu können. Bei nur einer Handvoll Enthaltungen stimmte eine überwältigende Mehrheit für das Projekt Bikepark Idarkopf. Ob am Ende Bürgermeister Marx recht behält, der den Park als „Chance für die Gemeinde“ wertet, oder jener besorgte Bürger, der die regionale Wertschöpfung angesichts „der Einschränkungen, die das Projekt für das Dorf bringen wird“, als zu gering erachtete, wird die Zukunft zeigen müssen.

Von unserem Mitarbeiter Hermann Mosel

Idar-Oberstein Birkenfeld
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