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    Cochem-ZellWird unser Vanilleeis jetzt teurer?

    Ob als Kugel im Pappbecher, in der Waffel oder als Bestandteil von aufwendigen Eisbechern: Das Vanilleeis erfreut sich größter Beliebtheit bei Schleckermäulern in der Region. Es ist sogar das Lieblingseis der Deutschen. Eisdielenbesitzer stehen jedoch vor einem Problem: In den vergangenen Jahren sind die Preise für die Vanilleschoten regelrecht explodiert. Die Eisdielen sehen sich gezwungen, darauf zu reagieren.

    Dario Bortolot, Besitzer des Eiscafés Bortolot in Cochemer, würde nie auf ein Vanilleersatzprodukt für sein Eis zurückgreifen.  Foto: Nina Kugler
    Dario Bortolot, Besitzer des Eiscafés Bortolot in Cochemer, würde nie auf ein Vanilleersatzprodukt für sein Eis zurückgreifen.
    Foto: Nina Kugler

    „Der Preis ist sehr stark angestiegen“, bestätigt Dario Bortolot vom Eiscafé Bortolot in der Cochemer Innenstadt. „Bis vor ein paar Jahren hat die Thaiti-Vanille das Kilo um die 200 Euro gekostet, jetzt liegt der Preis bei etwa 700 Euro. Und die Bourbon-Vanille kostet im Moment um die 500 Euro“, erzählt er. Schätzungsweise zehn bis zwölf Kilogramm Thaiti- und sechs Kilogramm Bourbon-Vanille verarbeitet die Eisdiele pro Saison. Aber auch wenn der Preis für die süßen Schoten seit Jahren steigt, kommt es für Bortolot nicht infrage, auf Ersatzprodukte zurückzugreifen. Dieses Jahr will Bortolot seine Preise für eine Kugel Eis nicht erhöhen. Wenn aber der Vanillepreis weiter ansteigt, könnte sich der Eisdieleninhaber vorstellen, ein paar Cents mehr zu verlangen für sein Premiumprodukt. Lachend fügt er noch hinzu: „Ein Eiscafé ohne Vanilleeis ist wie eine Apotheke ohne Aspirin.“

    Auch in Zell ist der Vanillepreis unter den Eiscafébesitzern ein Thema. Artur Castanheira vom Ortsansässigen Eiscafé Venezia verwendet deshalb mittlerweile Vanillepaste für sein Eis. „Vanilleschoten sind einfach zu teuer geworden“, gibt er zu. Und da auch er den Preis für eine Kugel Eis nicht anheben wollte, griff er auf das etwas günstigere Ersatzprodukt zurück. Vanilleeis sei schon derzeit ein Premiumprodukt, das sich zu den momentanen Preisen kaum rentiert, fügt er hinzu.

    Doch warum steigen die Preise für Vanilleschoten überhaupt so rasant an? „In den vergangenen Jahren ist die weltweite Nachfrage kontinuierlich gestiegen“, berichtet Andreas Hartkorn, geschäftsführender Gesellschafter des Koblenzer Unternehmens Hartkorn Gewürzmühle GmbH. Bei einer gleichbleibenden oder rückläufigen Ernte hat das dazu geführt, dass das Gewürz knapp auf dem Weltmarkt geworden ist. Das Ergebnis: steigende Preise.

    Die sogenannte Bourbon-Vanille stammt von Madagaskar und den umliegenden Inseln, andere Vanille stammt aus der Karibik oder Afrika. Ein übereifriges Ernteverhalten der Bauern habe dort Spuren hinterlassen. Hartkorn: „Das heißt, die Vanille wurde in den vergangenen Jahren häufig zu früh geerntet, um diese schnell zu Geld zu machen, mit dem Ergebnis einer unzureichenden Qualität und einer Überbeanspruchung der Vanillepflanzen.“ Hinzu kamen Naturkatastrophen, die gerade auf Madagaskar in Form von Dürren und Stürmen die Vanilleproduktion nachhaltig beschädigt haben. Außerdem brachte allein die Währungsschwankung auf dem Weltmarkt eine Preissteigerung von etwa 40 Prozent mit sich. „Der Vanillepreis hat sich dadurch in Summe im Einkauf um ein Vielfaches erhöht“, zieht Hartkorn sein Fazit. Seine Einschätzung: Auch der Preis für Vanilleeis wird so wohl nicht mehr lange zu halten sein. Jedenfalls dann, wenn man weiterhin echte Vanille beziehungsweise echtes Vanillepulver einsetzt und nicht auf den viel günstigeren Aromastoff Vanillin ausweicht.

    Genau das aber tut das Eiscafé Perilli in Zell. Inhaberin Melissa Perilli erzählt, dass zwar auch ihr Lieferant ihr erklärte, dass die Ernten schlecht gewesen sein. „Ich glaube das aber nicht. Schon vor zwei Jahren wurde uns das gesagt, woher wollen die denn wissen, dass dann in zwei Jahren die Ernte schlecht wird. Ich vermute, die wollen einfach die Preise hochtreiben.“ Deshalb hat ihre Eidiele auch vor zwei Jahren auf Vanilleextrakt umgestellt – „und unser Vanilleeis ist immer noch der große Renner“, sagt sie stolz. Sie hat aus der Not eine Tugend gemacht. Und Umstellen auf frische Schoten will sie deshalb auch gar nicht mehr. „Warum auch?“, fragt sie. „Ich kann für den Preis, den ich vorher hatte, die gleiche Qualität bieten.“

    Von unserer Reporterin Nina Kugler und Felix Bartsch

    Cochem Zell
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