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    Bremm

    Pfarrers Untermieter treiben's bunt

    „Zur Turnhalle??? Ach so, wo das Theater ist, wollen Sie hin!" Ein schöneres Kompliment hätten die Bremmer ihren „Knubben" kaum machen können. Und tatsächlich „knubbelte" sich das Publikum bereits vor der mit rund 400 Plätzen ausverkauften Theater-Turnhalle zur Premiere von „Heiliger Laurentius, stieh us bäi!". Einen Schwank aus dem Pfarrhaus präsentierte das Laien-Ensemble unter der Regie von Gaby Clemens, rein fiktiv natürlich und – wenn überhaupt – mit gänzlich unbeabsichtigten Ähnlichkeiten.

    Angesichts des Sündenpfuhls im Pfarrhaus stemmen die Damen entrüstet die Hände in die Hüften. Doch zu guter Letzt lösen sich alle Probleme – zum großen Amüsement.
    Angesichts des Sündenpfuhls im Pfarrhaus stemmen die Damen entrüstet die Hände in die Hüften. Doch zu guter Letzt lösen sich alle Probleme – zum großen Amüsement.
    Foto: Susanne Neubacher

    Bremm – „Zur Turnhalle??? Ach so, wo das Theater ist, wollen Sie hin!" Ein schöneres Kompliment hätten die Bremmer ihren „Knubben" kaum machen können. Und tatsächlich „knubbelte" sich das Publikum bereits vor der mit rund 400 Plätzen ausverkauften Theater-Turnhalle zur Premiere von „Heiliger Laurentius, stieh us bäi!". Einen Schwank aus dem Pfarrhaus präsentierte das Laien-Ensemble unter der Regie von Gaby Clemens, rein fiktiv natürlich und – wenn überhaupt – mit gänzlich unbeabsichtigten Ähnlichkeiten.

    Das kleine Skat-Vorspiel sollte ein Nachspiel in drei Akten haben. Grand, Schneider, Schwarz – das ist die eine Strategie, mit der Pastor Alfons (herzensgut: Rudolf Leitzgen) die Renovierung der Kirche finanzieren will, denn um die Spendenbereitschaft der Bremmer Schäfchen scheint es nicht so gut bestellt. Dem Herrn am Kruzifix erspart Pfarrhaushälterin Hermine (voll Mutterwitz: Gerti Pellenz) per Geschirrtuch den Anblick der Stiche seines Bodenpersonals.

    Doch Skat ist nicht genug, selbst wenn mindestens sechs Asse im Spiel sind. Der pfiffige Pastor hat weitere einträgliche Ideen: Er vermietet Zimmer im Pfarrhaus an Übernachtungsgäste und vertreibt selbst gemachten „Laurentiusbrand mit göttlichem Aroma und heiliger Wirkung". Schon weit über Bremm hinaus verbreiten sich Gerüchte über das lasterhafte Treiben. Doch es muss ein Freitag der 13. sein, an dem Domkapitular Dr. Jüngling (humorig-trocken: Joachim Mons) im Pfarrhaus aufkreuzt, um nach dem Rechten zu sehen. Natürlich hat er sich den günstigsten Augenblick ausgesucht. Während der Pastor draußen „wilde Maulwürfe" jagt, hat Küster und Skatbruder Jupp (männlich-menschlich: Hubert Theusch) Zuflucht in der Soutane gefunden. Wieder einmal ist Jupps äußerst gesprächige und schlagfertige bessere Hälfte Emma (mitreißend: Petra Schmitz) hinter ihm her. Mäuse in der Keksdose treiben die ehrgeizige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Edeltraud Engel (herrlich zickig: Claudia Schlägel) unter den Hirschgeweih-Kronleuchter.

    Ebenso großzügig mit Beschwerden wie kleinlich mit Spenden hat sie gerade ihre Nichte Uschi (allerliebst: Sophie Dreis) im Pfarrhaus abgeliefert, sie soll an höherer Stelle punkten. Tut sie auch, beim Bischof, ihrem Freund und Übernachtungsgast Siggi Bischoff (fröhlich-frech: Michael Heimes). Ebenfalls ein Bett „bei dem komischen Pastor" gebucht hat die handgreifliche Rückengymnastin Heidi Blum (bunt: Marlies Scherrer), immer im falschen Dress legt sie den Kapitular kurzerhand therapeutisch aufs Kreuz. Und immer wieder steht dieser schüchterne Bauernbub Hans Küster (sehr cool: Simon Schmitz) in der Tür und will an seiner Handarbeitslehrerin Heidemarie Rosenfeld schnuppern (ergreifend nervig: Melanie Barzen).

    „Oh wie peinlich", schämt diese sich in Grund und Boden. Mit aller Vorsicht wollte das Institut ihre Ehe mit Hans Küster in der Abgeschiedenheit des Pfarrhauses anbahnen, und nun entblößt Schwerenöter Jupp seinen Ringelanzug vor ihr, um seinen Rücken kurieren zu lassen.

    Welch ein Sündenpfuhl! Bevor es zum Äußersten kommt – Pastor Alfons droht bereits eine Strafversetzung in die Diaspora – ziehen Hermine und Siggi die Notbremse. Die Haushälterin bearbeitet den Kapitular mit Pfirsichnektar vom Weinberg und einer gebratenen Schweineleber, die durch die ganze Turnhalle duftet, während Siggi Bischoff den Ehrgeiz der Tante seiner Angebeteten so kanalisiert, dass diese nicht nur dem Pfarrgemeinderat den Rücken kehrt, sondern auch die Zukunft des Paares und sogar die Kirchenrenovierung finanziell absichert. Emma rettet Heidemarie vor Jupp, sodass Hans endlich schnuppern kann, und Pastor Alfons bekommt „lebenslänglich Bremm" vom Kapitular, der nach seinen Sündenfällen im Leberkoma ein „Nie-Wiedersehen" verspricht. Und alles ist wieder in Bremmer Ordnung.

    Das Publikum, darunter der Pfarrer, lachte Tränen und sparte nicht mit Beifall für Wortwitz auf Bremmer Platt in stimmig-liebevoller Kulisse, garniert mit bezaubernden Details. Ein halbes Jahr Proben zweimal wöchentlich hat sich gelohnt. Das Ensemble bot Volkstheater im besten Sinne – kaum zu glauben, dass es sich bei den Bremmer „Knubbe" um eine reine „Laienspielschar" handelt. Susanne Neubacher

    Cochem Zell
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