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Cochem

Hochwasser hält Moselanlieger auf Trab: So ist die Lage in Cochem

Mira Müller

Betriebsame Geschäftigkeit herrscht am Freitagvormittag entlang der Uferstraße und in der Altstadt Cochems, als sich die Mosel langsam, aber stetig aus ihrem Bett über die Straße ausbreitet. Routiniert und unaufgeregt räumen Laden- und Restaurantbesitzer ihr Hab und Gut aus den Geschäften und Restaurants. In Anbetracht des stetig steigenden Wassers ist auch den Cochemern klar, dass sie nicht ungeschoren davonkommen.

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

In der Kreisstadt ist bis zum Samstag, 0 Uhr, ein Wasserstand von bis zu 7,40 Meter vorhergesagt worden, laut der Internetseite www.hochwasser-rlp.de Tendenz steigend.

Bei diesem Wasserstand sind einige ufernahe Straßen in Cochem und dem Ortsteil Cond unter Wasser. Und auch die Anlieger müssen sich gegen die braune Brühe wappnen. Schon am frühen Freitagmorgen werden Vorkehrungen an der Shell-Tankstelle an der B 49 getroffen: Die Treibstofftanks werden befüllt, damit sie keinen Auftrieb haben. Dann werden sie abgedichtet und die Zapfsäulen abmontiert, damit Wasser und Schlamm der Elektronik nichts anhaben können. Und auch die gesamte Ware sowie die Kasse wurden verpackt und aus dem Verkaufsraum geräumt. „Es ist zwar eine unnötige Arbeit, aber es muss sein“, sagt Filialleiterin Christa Conradi, „noch sind wir gelassen.“

Wenige Häuser weiter kommt Bernd Cornely, der Leiter des Landesbetriebs Mobilität Cochem-Koblenz, auf den Parkplatz und inspiziert zufrieden die Hochwasserschutzwand, die just fertiggestellt worden ist und Garagen und Besprechungsraum vor der Flut schützen soll: „Der Betrieb geht weiter, solange das Gebäude erreichbar ist“, sagt Cornely. Größere Baustellen, die wegen des Hochwassers geräumt werden müssen, gebe es derzeit nicht.

Nicht nur beim LBM, sondern auch bei der Verwaltung ist man auf Hochwasser vorbereitet. Seitens der Stadt Cochem gibt es einen Durchführungsplan, der genau benennt, welche Maßnahmen ab welchem Pegel vorzunehmen sind: vom Sperren der Straßen über das Aufstellen der Stege bis hin zur Organisation des Bootsverkehrs, sollten auch diese überspült werden.Wie in einem Bienenstock geht es auch bei den Gastronomen unterhalb der Reichsburg zu. Auch wenn das jüngste Hochwasser schon einige Jahre zurückliegt, sitzen die Handgriffe beim Team im Hotel „Beim Weinbauer“. Familie, Angestellte und Helfer der freiwilligen Feuerwehr schrauben Sitzbänke ab und räumen das gesamte Inventar sowie den Inhalt des Weinkühlschranks ein Stockwerk höher, nur die Beleuchtung bleibt, wo sie ist. Ein ähnliches Bild bei Jörg Blenz, Inhaber des gleichnamigen Weingutes, von Schnapsbrennerei und Fischräucherei. Hier werden die beiden unteren Regalreihen freigeräumt. „Die Teakholz-Regale können drin bleiben. Die waren zwar wahnsinnig teuer, aber das macht sich jetzt bezahlt“, sagt er. Wenn sich die Mosel wieder in ihr Bett zurückzieht, dann ist Aufräumen angesagt – und das zeitnah, „denn sonst wird der Schlamm wie Beton“. Das ist nicht nur eine Erfahrung, die Blenz gemacht hat.

Von unserer Redakteurin Mira Müller

Wieso zwischen Zell und Cochem dennoch vieles ruhig läuft

Cochem-Zell. Lange, sehr lange ist es eine Zitterpartie. Besonders in Zell. Erst am Freitagnachmittag steht fest – mit bangem Blick auf den Pegel Trier an der Obermosel – dass die Altstadt nicht überflutet wird. Die Moselaner sind mit einem blauen Auge davongekommen. „Ich hoffe weiterhin, dass es uns diesmal nicht trifft“, sagt Zells Stadtbürgermeister Hans Schwarz im Gespräch mit der RZ nachdenklich. Das Hochwasser verharrt bedrohlich knapp unter der Hochwasserschutzmauer – mit gut 30 Zentimetern Luft.

In Cochem haben Mitarbeiter der Stadt bereits am frühen Nachmittag die Stege in der Altstadt aufgebaut. Wenig später suchte sich das Wasser auch schon den Weg in die Bernstraße. 
In Cochem haben Mitarbeiter der Stadt bereits am frühen Nachmittag die Stege in der Altstadt aufgebaut. Wenig später suchte sich das Wasser auch schon den Weg in die Bernstraße. 
Foto: Christoph Bröder

Kurz vor Mittag ist die Lage in Zell sehr angespannt. „Wir gehen im Moment davon aus, dass die Mosel über die Mauer geht“, schwant Stadtchef Schwarz da wenig Gutes. Sie fließt drüber, wenn der Pegel in Trier einen Stand von 8,70 Meter und mehr erreicht. Am Freitagvormittag stagniert die Mosel dort bei 8,49 Meter, später fällt sie auf 8,31 Meter, Tendenz fallend. Doch die Prognosen des Hochwassermeldezentrums Trier gehen im Lagebericht davon aus, dass die Mosel in Trier noch einen Stand von 8,80 bis 9,20 Meter erreichen wird. Zehn bis zwölf Stunden benötigt die Mosel von Trier, bis sie in den Kreis schwappt. Auch Sandra Hansen-Spurzem, die Pressesprecherin der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, stimmt in den Tenor am Freitagnachmittag ein. Durch die hohen Niederschläge in der Westpfalz und in Lothringen bedingt steige die Mosel „noch weiter an“. Die SGD Nord geht von einem Höchststand in Trier von „um 9,00 Meter“ aus, was etwa „einem fünfjährlichen Hochwasserereignis“ entspricht. Wegen der Unsicherheit in den Prognosen ist keinem Zeller danach zumute, eine Flasche Rieslingsekt zum Zeichen der Entspannung zu köpfen.

Im Gegenteil: „Von den Geschäftsleuten geht hier keiner ein Risiko ein, alle haben vorsorglich geräumt“, berichtet Hans Schwarz. Dabei entwickelt sich ein Dominoeffekt. „Wenn einer loslegt, dann fangen auch alle anderen an zu räumen.“ Aber alle machen dies routiniert, jeder Handgriff sitzt, vielfach geübte Praxis. Genauso wie in Cochem. „Der Moselaner sieht das Hochwasser realistisch“, sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Lambertz. Will sagen: Man räumt geduldig erst dann, wenn es denn unbedingt sein muss.

Ärgerlich für die Stadt Cochem: Sie muss gegen Mittag Stege in der Innenstadt aufstellen, obwohl sie weiß, dass es fast keinen Sinn hat, sie aufzubauen. Aber so steht es ab einer Höhe von 6,80 Meter im Alarmplan. „Wir wollen dies so optimiert wie möglich machen, aber nicht zu viel Arbeit investieren“, sagt Lambertz. Und schiebt vielsagend hinterher: „Die Mosel hält sich nicht an Schilder und Hoffnungen.“ In Cochem steigt der Pegel im Laufe des Freitags von 6,61 Meter auf 7,10 Meter. Liniusstraße, Bernstraße und das Fuchsloch stehen ebenso in der braunen Brühe wie die B 49 und das untere Parkdeck der Kreisverwaltung. Dennoch kein Grund zur Panik. Lambertz erinnert an die Wellenbewegungen mit Aufs und Abs, mit denen ein Mosel-Hochwasser im Regelfall einhergeht. „Wir sind gespannt auf die zweite Welle, die am Samstag kommt.“

An den Nebenflüssen in Eifel und Hunsrück gehen die Wasserstände indes zurück, insbesondere auch an Endert- und Elzbach. Zwar sind leichte Zwischenanstiege am Wochenende, so das Meldezentrum Trier, „nicht ausgeschlossen“, aber auf der Eskalationsleiter eines Mosel-Hochwassers ist nach oben noch Platz. Oder wie Wolfgang Lambertz sagt: „Es ist noch nicht so weit, dass man die Flasche Wein, die im Wasser steht, als Letztes räumen muss.“

Von unseren Redakteuren Thomas Brost und David Ditzer

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