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    Neuhof

    Ein ganzes Dorf auf dem Abstellgleis

    "Niemand ist eine Insel", sagt ein Sprichwort. Die Ortsgemeinde Neuhof schon. Die Bewohner kommen sich jedenfalls seit geraumer Zeit so vor. Seit die Landstraße 52 ausgebaut wird, fühlen sie sich von der Außenwelt abgeschnitten.

    Schüler, Eltern, ältere Dorfbewohner: Alle in Neuhof fühlen sich zurzeit wie auf dem Abstellgleis. Wenn sie ihr Dorf verlassen wollen, müssen sie lange Umwege in Kauf nehmen.
    Schüler, Eltern, ältere Dorfbewohner: Alle in Neuhof fühlen sich zurzeit wie auf dem Abstellgleis. Wenn sie ihr Dorf verlassen wollen, müssen sie lange Umwege in Kauf nehmen.
    Foto: Andreas Walz

    Neuhof - "Niemand ist eine Insel", sagt ein Sprichwort. Die Ortsgemeinde Neuhof schon. Die Bewohner kommen sich jedenfalls seit geraumer Zeit so vor. Seit die Landstraße 52 ausgebaut wird, fühlen sie sich von der Außenwelt abgeschnitten.

    Die Landesstraße 52 zwischen Schöne Aussicht und Autobahnbrücke A 48 wird derzeit ausgebaut. Dass der Zustand der Strecke zwischen Kaisersesch und Laubach unbedingt verbessert werden muss, sehen auch die Bewohner von Neuhof ein. Doch sie sind der Meinung, dass die Behinderungen durch die Baustelle vor ihrer Tür bei besserer Planung hätten vermieden werden können.

    Schulbusse fahren um 6.15 Uhr
    Das ganze Familienleben der Neuhofer ist durch den Straßenausbau durcheinander geraten. Kinder, die zur Schule nach Cochem fahren, müssen eine halbe Stunde früher als sonst, also bereits um 6.15 Uhr, an der Bushaltestelle stehen. Aber nicht in Neuhof, sondern an der Haltstelle Schöne Aussicht. „Dorthin gelangen die Schüler nur über einen unbeleuchteten, matschigen Feldweg“, klagen die Eltern. Dann geht die Fahrt „in einem klapprigen, völlig überfüllten Bus“ über Leienkaul, Laubach, Müllenbach, Masburg, Kaisersesch und Landkern nach Cochem. „Die Odyssee an die Mosel dauert über eine Stunde“, erklärt Gernot Beicht.

    Auch die Eltern, die ihre Kinder zur Grundschule nach Greimersburg fahren, müssen früher aufstehen. Sie werden über den Umweg über Laubach und Kaisersesch geleitet. Eine Busverbindung gibt es nicht. Und die Neuhofer Grundschüler, die mit einem Kleinbus nach Düngenheim gefahren werden, kommen derzeit täglich zehn Minuten zu spät zum Unterricht, berichtet Beicht. Einkaufsfahrten ins nahe Kaisersesch betragen nun mit Hin- und Rückweg etwa 22 Kilometer, und viele Kinder aus Neuhof verzichten derzeit lieber auf ihre Vereinsaktivitäten in Kaisersesch.

    Die Gewerbebetriebe an der Strecke klagen über Umsatzeinbußen, wie Christa Edenhofener, die in Schöne Aussicht einen Bioladen betreibt: „Viele Kunden blieben schon aus, als 14 Tage vor den Bauarbeiten die Sperrung bekannt gegeben wurde.“ Spontankäufer meiden die weiten Umwege, nur um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Schlecht für den Bioladen, der auch auf den Verkauf von wenigen Teilen angewiesen ist.
    Probleme gibt es ebenfalls beim Autohaus Schäfges. Doch Inhaberin Gisela Wirtz ist gelassen: „Der Ausbau der Straße muss sein, und das ist nun mal mit Einschränkungen verbunden.“ Allerdings ärgert sich die Geschäftsfrau über die Verzögerung der Bauarbeiten: „Hier arbeiten nur zwei oder drei Männer, und die tun, was sie können.“ Den Schwarzen Peter sieht sie bei der Baufirma, die vermutlich mehr Aufträge angenommen habe, als sie ausführen kann.

    Alles wird gut, tröstet Bernd Cornely, Leitender Baudirektor des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Cochem-Koblenz. Er verspricht, dass „der Verkehr voraussichtlich ab der 48. Woche (Ende November) Richtung Kaisersesch eingeschränkt wieder laufen kann“. Die ausführende Baufirma sei angehalten, die Arbeiten so schnell wie möglich zu Ende zu bringen. Auch die Bushaltestelle soll bald wiederhergestellt sein.

    Cornely erklärt auch, dass der Straßenabschnitt zwischen Schöne Aussicht und Autobahnbrücke „mehrere Zwangspunkte hat, die höhenmäßig nicht verändert werden können“. Es handele sich um die Zufahrten nach Neuhof, zur Firma Schäfges, die Anbindung an die L 100 und an die Autobahnbrücke. Das bedeutet: „Diese Anschlussstellen müssen ausgekoffert werden, damit ein frostsicherer Neuaufbau von 70 Zentimeter gewährleistet ist.“

    Was passiert beim ersten Schnee?

    Die Neuhofer sind sehr skeptisch, ob die Baufirma den Wettlauf mit dem Winterwetter gewinnt. Sie erinnern daran, dass die Temperaturen im Eifeler November sehr schnell unter Null Grad fallen können und fragen sich: „Was geschieht, wenn der erste Schnee fällt? Kann in der Baustelle überhaupt ein Schneepflug fahren?“ Sie ärgern sich, dass ihre Meinung bei der Planung nicht eingeholt wurde. Gernot Beicht ist der Meinung, dass bei einer Bürgerversammlung sicher gute Anregungen gekommen wären, die die Bauarbeiten für alle erträglicher gemacht hätte: „Es wäre doch möglich gewesen, die Zufahrt zum Neuhof über den Autobahnparkplatz Schöne Aussicht als Behelfszufahrt zu öffnen.“ Brigitte Meier

    Cochem Zell
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