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Münstermaifeld

Poetry Slam: Wettstreit der jungen Dichter in Münstermaifeld

Daniel Rühle

„Lass die Menschen denken, was sie wollen, denken tun die eh”, zitiert Meike Johann aus einem Songtext des Musikers Teesy. Die 19-Jährige appellierte beim ersten Poetry Slam in der Münstermaifelder Stadthalle am Samstag mit ihrem gesellschaftskritischen Siegertext über Nonkonformität und Selbstfindung an die Zuschauer, die eigenen Träume zu verwirklichen. Den ersten Platz bei der Veranstaltung mit sechs jungen Teilnehmern musste sie sich allerdings mit Justin Hiller teilen: Auch die Methode des „Power-Applauses” durch das Publikum brachte keinen eindeutigen Sieger hervor.

Doch was ist eigentlich ein Poetry Slam? Man könnte es als einen modernen Dichterwettstreit bezeichnen, in dem mehrere Kandidaten ohne Verkleidung oder Hilfsmittel vor einem Publikum stehen und selbst verfasste Texte vortragen. Dabei gilt ein Zeitlimit von sechs Minuten. Das Publikum entscheidet, welcher Vortrag ihm am besten gefallen hat. Dabei kann der Teilnehmer, auch Slammer genannt, wahlweise über ernste, tiefgründige Dinge oder über alltägliche Oberflächlichkeiten sprechen.

„Hallo ich bin Justin, das tut mir leid. Ihr könnt mich auch Felix nennen”, scherzt der 18-jährige Justin Hiller in der Vorrunde des Poetry Slams in seinem Vortrag über Waldorfschulen und Buddhismus. Mit einer Mischung aus ernsten Worten und ironischem Witz überzeugte er das Publikum sehr schnell von sich und stand schließlich im Finale. Auch Meike Johann entwickelte sich durch ihre Art, ihren Text über Partys und Beziehungen vorzutragen, recht schnell zum Publikumsliebling.

Für die beiden Sieger war es das erste Mal bei einem Poetry Slam vor mehr als 100 Menschen in der Münstermaifelder Stadthalle. Sowohl Justin Hiller als auch Meike Johann fassen gern ihre Gedanken in Texte zusammen. Aber ein Vortrag vor so vielen Menschen – das war für die Finalisten etwas Besonderes.

Auch Samira Christmann hätte gern im Finale gestanden. Die 17-jährige Schülerin aus Münstermaifeld-Metternich hatte trotz des Ausscheidens in der Vorrunde einen vergnüglichen Abend auf der Bühne. „Die Nervosität war anfangs da, aber sie ist während des Redens verflogen. Es war schon lustig”, sagt sie.

Auf die Veranstaltung aufmerksam geworden ist Samira Christmann in der Schule: Das „Ju+X“-Team der Verbandsgemeinde (VG) Maifeld um Katharina Machno hat in den Klassenräumen die Begeisterung der Jugendlichen für den Dichterwettstreit geweckt. „Ich kenne solche Veranstaltungen aus Koblenz“, berichtet Machno, „und wollte es auch mal auf dem Maifeld versuchen. Also sind wir durch die Schulen gegangen.”

Bereits seit September wurde der Poetry Slam geplant. Über die Resonanz freut sich die Organisatorin: „Es war ein schöner Abend. Viele Leute sind gekommen. Ich hoffe, wir können das wiederholen.” Auch Co-Organisator Tobias Rutz von der VG Rhein-Mosel möchte solche Veranstaltungen in Zukunft häufiger ausrichten.

Der jüngste Teilnehmer war der 13-jährige Till Schneider, der eine kleine Kriminalgeschichte, einen unlösbaren Fall, präsentierte. Lea Winkler trug einen nachdenklichen Text über Hass und Liebe in der Welt vor und regte zum Nachdenken über das eigene Verhaltens an, während Alan Osman pointiert und mit viel Wortwitz das deutsche Schulsystem kritisierte. Samira Christmann konzentrierte sich in ihrem Vortrag auf ganz verschiedene und teils chaotische Situationen im Leben einer 17-Jährigen – wie etwa Geschirr von vorvorgestern, das sich im Kleiderschrank stapelt. Für alle Teilnehmer gab es Urkunden und Preise, die die Moderatoren und Poetry-Slam-Profis Kathi Hopf und Stefan Gebhard überreichten.

Für die musikalische Unterhaltung am Abend sorgte die fünfköpfige Band Long Island City Rockers um den Münstermaifelder Samuel Rohr an Bass und Piano. Rockige Hits von Oasis bis Green Day verbreiteten gute Stimmung.

Weitere Fotos vom Poetry Slam gibt es im Internet unter www.rhein-zeitung.de/mayen

Von unserem Mitarbeiter Daniel Rühle

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