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    Paraderolle: Peter Nüesch und der Kontrabass

    Wiedersehen mit einem guten alten Bekannten: Peter Nüesch, bis vor einem Jahr noch Intendant der Mayener Burgfestspiele, hat nun in der Halle 129 „Der Kontrabass“ aus der Feder von Patrick Süskind auf die Bühne gebracht. Für das Publikum war es ein beglückendes Wiedersehen.

    Als Kontrabassist in einem großen Orchester hat man es nicht leicht. Patrik Süskinds Monolog, den Peter Nüesch auf die Bühne brachte, erzählt von den Nöten und Träumen des Kontrabassisten. 
    Als Kontrabassist in einem großen Orchester hat man es nicht leicht. Patrik Süskinds Monolog, den Peter Nüesch auf die Bühne brachte, erzählt von den Nöten und Träumen des Kontrabassisten. 
    Foto: Elvira Bell

    Nüesch schlüpfte in eine seiner ganz großen, brillant gespielten Paraderollen als Kontrabassist – mit all ihren emotionalen Höhen und Tiefen. In einer schalldichten, spärlich eingerichteten Kammer wird einer der am meisten gespielten Theatermonologe der vergangenen Jahrzehnte über den Orchestermusiker und sein recht zwiespältigen Verhältnis zu seinem Instrument auf die Bühne gebracht. Der Protagonist des Stückes betrachtet sein Instrument als Geliebte, Freund, Feind – letzterer verhindert seinen eigenbestimmten Weg.

    Nüesch hat schon mehr als 500 Mal in der Rolle, die ihm, wie es scheint, förmlich auf den Leib geschneidert ist, auf der Bühne gestanden. Das Publikum durchlebt mit dem begnadeten Schauspieler ergreifende Momente des Glücks, der Erotik und auch der tiefsinnigen Trauer und aufkeimenden Wut. Die hintergründig-witzig, aber auch kernig-prägnant gespielten Szenen entlocken den Zuschauern herzhaftes Lachen, aber auch so manch heimliche Träne.

    Der Lobrede, dass es sich beim Kontrabass um das mit Abstand wichtigste Orchesterinstrument handelt, kippt nach einigen musikalischen Kostproben ins krasse Gegenteil. „Nein“, erklärte der Kontrabassist, während er sich immer wieder Wein in ein Glas nachgoss, „zum Kontrabassisten wird man nicht geboren.“ Der Weg dorthin führe über Umwege, Zufälle und Enttäuschungen. Von seinen acht Kollegen im Staatsorchester sei nicht einer dabei, den das Leben nicht gebeutelt hat. „Moralische Katastrophen stehen jedem Bassisten unseres Orchesters ins Gesicht geschrieben.“

    Als Kontrabassist im Staatsorchester, drittes Pult, durchlebe er das typische Schicksal eines verbeamteten Kontrabassisten. Dabei wollte er ursprünglich um keinen Preis wie sein dominanter, unmusischer Vater Beamter werden. Seine musikalische Mutter, die er als Kind abgöttisch liebte, spielte Flöte. Aus Hass auf den Vater beschloss er zunächst, nicht Beamter, sondern Künstler zu werden. Und aus Rache an seiner Mutter, die seine kleine Schwester mehr liebte als ihn, hatte er beschlossen, das größte der weiblichen Instrumente zu spielen. Doch er hasst den viersaitigen Klangkörper. Er bezeichnet ihn als Waldschrat.

    Aber immer dann, wenn er Sarah, eine junge Mezzosopranistin, hört, dann streicht der Kontrabassist sein Instrument ganz inbrünstig. Er sinnt darüber nach, wie er die Aufmerksamkeit seiner heimlichen Liebe auf sich ziehen könnte. Durch einen falschen Ton oder einen gellenden Schrei zu Beginn von Wagners Oper „Rheingold“ vielleicht? Liebend gern würde er sie auf dem Klavier begleiten. Wenn sie doch nur zusammen auftreten könnten …

    Nüesch gibt eine hinreißende und absolut packende Darbietung. Das Publikum belohnt ihn mit stürmischem Applaus.

    Von unserer Mitarbeiterin Elvira Bell

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