40.000
Aus unserem Archiv
Andernach

Konkurrenz durch Onlinehandel und Gewerbegebiete: Weihnachtsbilanz fällt in Andernach durchwachsen aus

Elvira Bell

Keine Frage: Das Weihnachtsgeschäft ist für den Handel die wohl wichtigste Zeit, die den größten Umsatz einfahren sollte. Doch in diesem Jahr sind längst nicht alle Händler zufrieden, mit dem, was ihnen die Tage vor und nach dem Fest beschert wurde. In der Bäckerjungenstadt fällt die Weihnachtsbilanz gemischt aus.

Richtig voll war es in der Andernacher Fußgängerstraße, wie hier in der Hochstraße, in den Wochen vor Weihnachten und zwischen den Jahren nur selten. Händler machen die starke Konkurrenz der Läden in Mülheim-Kärlich und Koblenz sowie aus dem Internet dafür verantwortlich.
Richtig voll war es in der Andernacher Fußgängerstraße, wie hier in der Hochstraße, in den Wochen vor Weihnachten und zwischen den Jahren nur selten. Händler machen die starke Konkurrenz der Läden in Mülheim-Kärlich und Koblenz sowie aus dem Internet dafür verantwortlich.
Foto: Martina Koch

Vor Weihnachten wurden Geschenke gekauft, nach den Feiertagen Gutscheine und Bargeld umgesetzt und vereinzelt auch umgetauscht. Deutlich spür- und sichtbar waren jedoch die an manchen Tagen leeren Läden und die menschenleere Fußgängerzone. So wie etwa am Mittwoch vor dem Heiligen Abend und am Freitagnachmittag vor dem Jahreswechsel.

Buchhändler freut sich über Ansturm rund ums Fest

Fakt ist letztendlich: Die Branche entscheidet, ob der Umsatz stimmt. Während bei Textilien, wohl auch wegen den eher milden Temperaturen noch deutlich Luft nach oben war, verbuchte Peter Buchen von der Thalia Buchhandlung eine enorme Nachfrage nach Büchern. Der ehemalige Inhaber von Buchen Bücherwelten, der seit dem 1. Juni Filialleiter der Thalia Buchhandlung in der Bahnhofstraße ist, spricht von einem regelrechten Ansturm vor Weihnachten und von den umsatzstärksten Tagen des Jahres.

Buchen freute sich aber auch über diejenigen, die nach Weihnachten das ein oder andere Geschenk in seiner Filiale umtauschten. „Die Leute sehen sich nach dem Fest in Ruhe um und nehmen dann zusätzlich den oder anderen Geschenkartikel aus unserem Sortiment mit. Das sei auch in den vergangenen Jahren bereits so gewesen. „Andere Literaturfreunde nutzen das geschenkte Bargeld, um bei uns zu shoppen.“

Nach Aussage von einzelnen Geschäftsleuten, die Textilien verkaufen, aber namentlich nicht alle genannt werden möchten, bremste nicht nur das Wetter die Nachfrage. „Das hat vor allem mit dem konkurrierenden Onlinehandel zu“, sagt Heide Spagnino, die seit 35 Jahren das „Dress in“ in der Oberen Wallstraße 14 besitzt. „Dieser Trend macht sich bei uns seit vier, fünf Jahren schon bemerkbar. In diesem Jahr ist es noch ruhiger als im vorherigen“, erklärt die 60-Jährige.

Starke Konkurrenz durch benachbarte Gewerbegebiete

Eine andere Einzelhändlerin verwies auf die starke Konkurrenz in Mülheim-Kärlich und Koblenz. „Die Leute setzen sich vor allem an den verkaufslangen Samstagen ins Auto, anstatt durch unsere schöne Andernacher Innenstadt zu schlendern.“ „Es gibt die drei w“, berichtete eine andere Geschäftsfrau, „das Weltgeschehen, das Wetter und das Web. Das sind die Fakten, die den Einzelhändlern das Leben schwieriger machen.“ Ein ruhigeres Weihnachtsgeschäft als im Jahr zuvor verzeichnete auch die Keramikerin Jutta Degen. Insbesondere die kleinen handgefertigten Engelchen hätten in ihrem Geschäft am Markt kaum Absatz gefunden. Über das Jahr gesehen ist die Künstlerin mit ihrem Umsatz jedoch zufrieden.

Über eine handverlesene Kundschaft kann sich Ute Schneider-Blum freuen. In ihrem Hochzeitsmodenfachgeschäft A. Sendler wird so manches kleine Schmuckstück als Überraschung gekauft. „Es kommt vor, dass eine Braut passend zu ihrem Kleid ein paar hübsche Ohrringe anprobiert. Diese dann aber doch nicht kauft und Tage vor dem Fest dann beispielsweise die Mutter kommt, um diese zu kaufen“, erzählt die 49-Jährige. „Es ist bei mir jedoch noch nie vorgekommen, dass ein solches Präsent umgetauscht wurde.“ Ein Erlebnis ist der Andernacherin ganz besonders in guter Erinnerung geblieben. In einem Jahr kam ein junger Mann in ihr Atelier, um ein Brautkleid auszuleihen. „Er machte seiner Angebeteten am Heiligen Abend mit dem hübsch verpackten weißen Kleid einen Heiratsantrag.“

Schmuck im eher niedrigeren Preissegment ging im Juweliergeschäft von Andrea Schuh über die Ladentheke. Seit rund 130 Jahren werden in dem Geschäft Uhren und Schmuck verkauft. „Die Leute achten sehr auf das Geld. Viele, die Schmuck im Internet erworben haben, kommen nach dem Fest, um ihn bei uns ändern zu lassen.“

Kunden nehmen für guten Service längere Anfahrt in Kauf

„Wir haben ein befriedigendes Weihnachtsgeschäft in einem schwierigen Zeit für Ladengeschäfte gehabt“, sagt Karl-Heinz Schmitt junior vom Foto Forum. „Trotz eines Rückgangs der Frequenz in Mittelstädten haben wir vermehrt Kunden, die auch eine längere Anfahrt nicht scheuen, um sich bei uns in Ruhe beraten zu lassen und zu marktgerechten Preisen kaufen zu können. Unsere Kunden sehen dabei nicht nur den Preis, sondern das Gesamtpaket aus Information, Beratung und Service verbunden mit den zwischenmenschlichen Kontakten, die das gelobte Internet nicht bieten kann“, sagt der 54-Jährige. Vor Silvester waren in Andernach insbesondere Lebensmittel und Feuerwerkskörper gefragt.

Einen genauen Überblick über die Umsatzzahlen der Weihnachtsbilanz wird es erst im Laufe des Januars geben, sagte Hans Schällhammer, Schatzmeister der Aktionsgemeinschaft Andernach Aktiv, unserer Zeitung. Dann werde sich zeigen, ob die Erwartungen der Andernacher Einzelhändler erfüllt worden sind.

Von unserer Mitarbeiterin Elvira Bell

Mayen-Andernach
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
Mayen: 725 Jahre Stadt
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach