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Weißenthurm/Paris

Wingly: Ein Überflieger unter den Jungunternehmern

Damian Morcinek

Mit 22 lebt Lars Klein den Traum, von dem andere nur träumen. Der Weißenthurmer lebt in der Weltstadt Paris, ist Chef seines eigenen Unternehmens, macht mit seinem Geschäftsmodell Menschen glücklich und will nebenbei noch das Reisen in Europa revolutionieren.

Mit seiner Mitflugzentale „Wingly“ startet der Weißenthurmer Lars Klein europaweit richtig durch. Foto: David Kujawa/Wingly
Mit seiner Mitflugzentale „Wingly“ startet der Weißenthurmer Lars Klein europaweit richtig durch.
Foto: David Kujawa/Wingly

Zugegeben: Reich ist er mit seiner Idee von einer Mitflugzentrale im Internet, bei der Privatpiloten und Passagiere zusammen gebracht werden, noch nicht geworden. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Denn immerhin wächst Wingly, so der Name des Start-up-Unternehmens, das Klein 2015 gemeinsam mit zwei französischen Kollegen gegründet hat, weiter und weiter. Pro Woche werden durchschnittlich 100 Flüge über Wingly gebucht. Hatte die Plattform mit Firmensitz in Paris ein Jahr nach ihrer Gründung bereits rund 10.000 registrierte Mitglieder, sind es heute 61.000 – in Deutschland, Frankreich und mittlerweile auch Großbritannien. „Darunter sind 5000 Piloten, allein 2600 aus Deutschland“, berichtet Lars Klein, der jüngst aus besonderem Anlass zurück in der Heimat war, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Auf dem Winninger Flugplatz fand jetzt beim Aero-Club Koblenz das erste sogenannte Wingly Fly-In statt. Dazu hatte das junge Unternehmen interessierte Privatpiloten eingeladen, um den Austausch innerhalb der Gemeinschaft zu fördern und um zu informieren. „Wir hatten insgesamt 100 Piloten aus England, der Schweiz, Luxemburg, Berlin, Hamburg und München und darüber hinaus da“, berichtet Klein und bewertet die erste Veranstaltung dieser Art als großen Erfolg für sein Unternehmen. Denn ohne Privatpiloten, die bereit sind, Passagiere mitzunehmen, um die eigenen Flugkosten zu reduzieren, würde die Wingly-Idee nicht funktionieren. Richtige Überzeugungsarbeit, so Klein, koste es aber nicht, Piloten für die Mitflugzentrale zu gewinnen. „Natürlich gibt es auch Piloten, die keine Fluggäste mit dabei haben wollen. Aber viele sehen es als Chance, denn im durchschnitt spart ein Privatpilot so 62 Prozent seiner Kosten“, erläutert Lars Klein.

„Es gibt immer noch Kunden, die denken, wir wären ein Ryanair-Ersatz. Kurzfristige Flüge zu buchen, ist kein Problem, aber ein Urlaub mit drei Monaten Vorlauf ist eher schlecht“, erläutert der Weißenthurmer. Da sei die Mitflugzentrale keine Konkurrenz zur Airlines, der Bahn oder dem Bus. Denn die meisten Privatpiloten dürfen nur auf Sicht fliegen und sind somit vom Wetter abhängig. Wenn das nicht stimme und der Flug storniert werden muss, bekommen die Kunden ihr Geld zurück – selbst die neu eingeführte Servicegebühr. Denn wollte Wingly anfangs noch kein Geld für seine Dienste als Mittelsmann zwischen Pilot und Passagier, so fällt seit September eine Grundgebühr in Höhe von 4 Euro zuzüglich 15 Prozent des Flugpreises und Mehrwertsteuer an das Unternehmen ab.

Lars Klein ist überaus zufrieden mit dem Wachstum seines Unternehmens. Im Sommer vergangenen Jahres konnte Wingly nach eigenen Angaben eine Finanzierungsrunde über einen sechsstelligen Betrag abschließen. Unter anderem haben Experten aus der Luft- und Raumfahrtindustrie in die Mitflugzentrale investiert. „Jetzt sind wir auf dem guten Weg, noch einmal Geld einzusammeln“, betont Klein, der sich ebenso über die Beträge freut, die das Unternehmen „seinen Piloten“ bereits auszahlen konnte. „Mittlerweile sind es mehr als 200.000 Euro. Das ist ein gutes Signal und zeigt, dass es funktioniert.“

Als großen Erfolg und Meilenstein für die allgemeine Luftfahrt, verbucht Klein auch, dass der französische Staat Mitte Juni ein Gesetz zurückgenommen hat, das Mitflugzentralen zuletzt das Leben schwer gemacht hat. War die Weitergabe von Flugkosten durch Privatpiloten an Passagiere aus Sicht der französischen Luftfahrtbehörde (DGAC) anfangs noch illegal, galten bis zuletzt – „trotz klarer Regelung durch die EU“, wie Klein betont – Einschränkungen für Piloten. „Jetzt hat ein Wingly-Pilot, der das ganze angeklagt hat, sie zum Rückzug gezwungen. Wir haben endlich gegen die DGAC gewonnen“, freut sich Lars Klein, der sich dadurch noch mehr Aufwind für seine Mitflugzentrale verspricht.

Von unserem Redakteur Damian Morcinek

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