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Stolzenfels

Schloss Stolzenfels hat europaweit Strahlkraft

Schloss Stolzenfels ist ein Kulturdenkmal, dessen Bedeutung eine europäische Dimension erreicht – und nicht nur deswegen, weil es samt Innenausstattung komplett erhalten ist. Denn in Deutschland gibt es nicht viele Monumente, in denen sich Denken, Handeln und Ansprüche der Erbauungszeit so gut ablesen lassen.

Auf der Hangseite westlich zeigen sich der weitere Handlungsbedarf und die großen logistischen Herausforderungen.
Auf der Hangseite westlich zeigen sich der weitere Handlungsbedarf und die großen logistischen Herausforderungen.
Foto: Reinhard Kallenbach

Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

Es kommt nicht von ungefähr, dass Dr. Doris Fischer gern von einem "Bildungsprogramm" und einer Maßnahme der "Wirtschaftsförderung" für den Mittelrhein im 19. Jahrhundert spricht. Gern erinnert die zuständige Gebietsreferentin bei der Landesdenkmalpflege an die Tatsache, dass die Elite der preußischen Baukünstler an der Realisierung beteiligt war und damals gleichzeitig Handwerksbetriebe aus der Region zum Zuge kamen. Denn anders als ursprünglich vorgesehen, war Schloss Stolzenfels ein offenes Projekt. Es stand eben nicht nur für imperiale Ansprüche, sondern sollte auch Identität stiften und die enge Verbundenheit des preußischen Königshauses mit der reichen Kulturlandschaft dokumentieren.

Zu den neueren Maßnahmen gehörte auch die Sanierung des Viaduktes.
Zu den neueren Maßnahmen gehörte auch die Sanierung des Viaduktes.
Foto: Reinhard Kallenbach

Auch deshalb wollte König Friedrich Wilhelm IV. möglichst viel von der Ruine der im 13. Jahrhundert errichteten, zum Beginn des Pfälzischen Erbfolgekrieges zerstörten trierischen Zollburg erhalten. Und dort, wo es nicht ging, wurde im Zuge der 1842 weitgehend vollendeten Neubaumaßnahmen Geschichte "gestaltet", was sich auch in den Details widerspiegelte – zum Beispiel in unterschiedlichen Putzen. Diese Feinheiten stellten den Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) sowie die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) schon bei der Vorbereitung der einzelnen Bauabschnitte vor große Herausforderungen. Ging es doch nicht nur darum, den Bestand zu dokumentieren, sondern auch bei der Vorbereitung der europaweiten Ausschreibung die Anforderungen klar zu definieren. So mussten Betriebe nicht nur wirtschaftlich kalkulieren, sondern auch durch Muster ihre besondere Befähigung nachweisen. Auch sollten Bewerber für die einzelnen Gewerke beispielsweise in der Lage sein, fünf verschiedene denkmalgerechte Putzverfahren zu beherrschen. Das Beispiel zeigt: Gerade die Variation der Putze stellt am Schloss eine "Hierarchie" der einzelnen Gebäudeteile her – getreu der Devise: je feiner, desto wichtiger für die Bedürfnisse des Königshauses. Die aufwendige Sanierung gab aber auch Gelegenheit, intensive Bauforschungen durchzuführen. Denn obwohl es ein Modell der Burgruine gibt und auch die Quellenlage sehr gut ist, gab es noch reichlich Klärungsbedarf. So zeigte sich bei den Untersuchungen, dass ein beträchtlicher Teil des heutigen Turms noch aus der Erbauungszeit stammt. Der romanische Bergfried konnte sogar in die Zeit um 1244 datiert werden, weil Spuren der ursprünglichen Baugerüste noch erhalten waren. Später folgten zwei Aufstockungen, zuletzt in preußischer Zeit.

Die Rettung der Treppe am Bergfried ist bereits angelaufen.
Die Rettung der Treppe am Bergfried ist bereits angelaufen.
Foto: Reinhard Kallenbach

Wie es weitergeht? Aktuell läuft die Sanierung des Torbaus und der Treppen am Bergfried. 2016 soll der letzte Bauabschnitt auf der Westseite folgen. Auch die Restaurierung der Innenausstattung ist mittelfristig geplant. Noch nicht terminiert ist die Sanierung der ebenfalls neugotischen Kapelle.

Mit viel Liebe zum Detail wurde der Bergfried restauriert.
Mit viel Liebe zum Detail wurde der Bergfried restauriert.
Foto: Reinhard Kallenbach

Trotz der laufenden Sanierungsmaßnahmen ist Schloss Stolzenfels für Besucher geöffnet – im März täglich von 9 bis 17 Uhr, ab April bis Ende September von 9 bis 18 Uhr. Eintritt: Erwachsene 4 Euro. Weitere Informationen unter www.schloss-stolzenfels.de

Die beiden Abschnitte im Westen dokumentieren nicht nur Alt und Neu, sondern auch die unterschiedlichen Putztechniken.
Die beiden Abschnitte im Westen dokumentieren nicht nur Alt und Neu, sondern auch die unterschiedlichen Putztechniken.
Foto: Reinhard Kallenbach
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