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Koblenz

Nach der Flut: So geht Koblenz mit den Folgen des Hochwassers um

Nina Kugler

Koblenz hat das schlimmste Hochwasser seit sieben Jahren erlebt. Nun, wo sich Rhein und Mosel langsam wieder in ihr Bett zurückziehen, legen sie nach und nach die Schäden frei, die sie angerichtet haben.

Mit Hochdruck den Schlamm wegspritzen, schrubben, fegen – nach dem Hochwasser kommt das große Saubermachen, wie hier am Kaiserin-Augusta-Denkmal. Die Feuerwehr rechnet damit, dass sich die Aufräumarbeiten noch mehrere Tage hinziehen werden.
Mit Hochdruck den Schlamm wegspritzen, schrubben, fegen – nach dem Hochwasser kommt das große Saubermachen, wie hier am Kaiserin-Augusta-Denkmal. Die Feuerwehr rechnet damit, dass sich die Aufräumarbeiten noch mehrere Tage hinziehen werden.
Foto: Sascha Ditscher

Deutlich zu sehen sind die zum Beispiel am Deutschen Eck: Hier haben die Fluten große Schlaglöcher aufgerissen. Auch die Rheinanlagen und das Peter-Altmeier-Ufer stehen mittlerweile nicht mehr unter Wasser – Schlamm und Dreck aber sind zurückgeblieben.

„Im Moment steht die Beseitigung der Hochwasserschäden im Mittelpunkt“, sagt Stadt-Pressesprecher Thomas Knaak. Eine Bilanz, etwa über entstandene Schäden oder ob Umleitungsstraßen gut geführt haben, kann die Stadt deshalb noch nicht ziehen. In der kommenden Woche wollen sich die zuständigen Behörden darüber austauschen.

Mehr sagen kann hingegen die Koblenzer Feuerwehr. Die rund 200 Feuerwehrleute, die das Hochwasser bekämpften, haben mehrere hundert Überstunden angesammelt. Zusätzlich waren die Freiwilligen Feuerwehren Hunderte Stunden im Einsatz – zum großen Teil mussten die Feuerwehrleute ihren eigentlichen Arbeitsplätzen fern bleiben, berichtet Florian Bischoff von der Koblenzer Feuerwehr. Über größere Schäden liegen ihm keine Berichte vor. Und, im Gegensatz zu anderen Orten in der Hochwasserregion, mussten in Koblenz auch keine Autos aus den Fluten gerettet werden. Das führt Bischoff aber nicht nur auf die Weitsicht der Autofahrer zurück, denn das Ordnungsamt musste „unzählige Telefongespräche“ führen, um die Autobesitzer vor dem drohenden Hochwasser zu warnen – nicht immer mit Erfolg: „Bei rund 20 Fahrzeugen musste aufgrund des steigenden Wasserstandes ein Abschleppunternehmen tätig werden“, berichtet Bischoff. Er rechnet damit, dass sich die Aufräumarbeiten, wie beispielsweise der Abbau der Neuendorfer Hochwasserschutzwand, noch über mehrere Tage hinziehen werden.

Bereits fertig mit dem Aufräumen sind hingegen Georg Gerhards und seine Mannschaft. Vergangenen Samstag musste der Geschäftsführer sein Restaurant „Gerhards Genussgesellschaft“ im Blumenhof am Deutschen Eck schließen. 120 Sandsäcke schützten das Restaurant vor dem Hochwasser. Zudem wurde das gesamte Mobiliar aus den Gasträumen auf die Dachterrasse in Sicherheit gebracht. „Jeder Koch und jeder Kellner musste mit anpacken“, sagt Gerhards. Dank eines im Haus verbauten speziellen Hochwasserschutzes konnte aber kein Dreckwasser ins Innere gelangen. „Es lief also relativ glimpflich für uns ab“, resümiert Gerhards. Seit Freitag hat das Restaurant wieder wie gewohnt geöffnet.

Schlimm erwischt hatte es auch den Campingplatz Knaus gegenüber vom Deutschen Eck. Rhein und Mosel hatten das Gelände geflutet, in Windeseile mussten 13 Wohncontainer auf vier Meter hohe Stelzen aufgebockt werden. „Innerhalb von 36 Stunden haben wir das geschafft“, erzählt der Campingplatzmanager Sven Holzmann. Donnerstagmittag wurde mit dem Aufbau begonnen, Freitagabend standen dann alle Container auf Stelzen. „Das war eine Punktlandung, wir hätten keine Stunde später dran sein dürfen.“ Mehrere Kräne waren dafür notwendig, alle Mitarbeiter mussten mit anpacken. „Da sind einige Überstunden angefallen“, sagt Holzmann. Glück im Unglück: 2016 mussten die Container schon einmal aufgebockt werden. Damals war das Hochwasser zwar nicht so schlimm wie in diesem Jahr. „Aber wegen dieser Erfahrung wussten wir dieses Mal, was zu tun ist. Jeder Handgriff saß“, sagt Holzmann. Noch rund zwei Wochen sollen die Container auf Stelzen bleiben, erst wenn die Pegel wieder auf Normalstand sind , will Holzmann die Wohnanlagen wieder runter holen. Das große Ziel heißt nun: Wiedereröffnung zu Karneval, wenn die Jecken Übernachtungsmöglichkeiten brauchen.

Von unserer Reporterin Nina Kugler

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