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Koblenz/Sainerholz

Koblenz: Abiturientin will Krebskranken mit Aktion helfen

Sarah Liedtke ist eine engagierte junge Frau. Sie ist 28 Jahre alt und steht kurz vor ihrem Abitur am Abendgymnasium Koblenz-Kolleg. Dass sie heute die Chance hat, ihr Abi zu machen und ab Herbst an der Universität Psychologie oder Lehramt zu studieren, das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern für die Westerwälderin ein ganz großes Glück. Denn im Januar 2008, mit 21 Jahren, bekam Sarah die Diagnose Lymphdrüsenkrebs. Heute, acht Jahre später, geht es der Westerwälderin wieder gut. Dank einer Transplantation hat sie die Krankheit überlebt. Um auch anderen Krebspatienten zu helfen, hat die Abiturientin jetzt an ihrer Schule mit Unterstützung der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eine Typisierungsaktion und damit ein lebenswichtiges Projekt organisiert.

Sarah Liedtke aus Sainerholz im Westerwald hat den Krebs besiegt. Um anderen Patienten zu helfen, hat die 28-Jährige eine Typisierungsaktion am Koblenz-Kolleg organisiert. Die Krankheit hat die junge Frau verändert: "Ich weiß das Leben und die Familie sehr zu schätzen. Ich reise gern und ärgere mich nicht mehr über Kleinigkeiten", sagt sie und erinnert sich gern an ihre Reise nach London, wo das Foto vor der Tower Bridge entstanden ist.
Sarah Liedtke aus Sainerholz im Westerwald hat den Krebs besiegt. Um anderen Patienten zu helfen, hat die 28-Jährige eine Typisierungsaktion am Koblenz-Kolleg organisiert. Die Krankheit hat die junge Frau verändert: "Ich weiß das Leben und die Familie sehr zu schätzen. Ich reise gern und ärgere mich nicht mehr über Kleinigkeiten", sagt sie und erinnert sich gern an ihre Reise nach London, wo das Foto vor der Tower Bridge entstanden ist.

Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

Im Rahmen des an weiterführenden Schulen angebotenen DKMS-Projektes "Leben spenden macht Schule" findet am Mittwoch für die rund 260 Schüler des Staatlichen Koblenz-Kollegs eine Registrierungsaktion statt. "Ich wünsche mir, dass sich möglichst viele Kolleg-Schüler typisieren lassen und als potenzielle Stammzellspender in die Spenderdatei aufgenommen werden. Die Aktion ist aber freiwillig", sagt Sarah, die zurzeit mitten in den Abiturprüfungen steckt. Die junge Westerwälderin weiß: "Viele schieben das Problem Krebs von sich weg. Doch es kann jeden Menschen treffen, wenn ein Familienmitglied oder wenn man plötzlich selbst an Krebs erkrankt."

Wie das ist, hat Sarah selbst erfahren. Es war Ende 2007, die junge Westerwälderin, die nach der Lehre ihr Abi am Koblenz-Kolleg machen wollte, fühlte sich schlapp, die Lymphknoten waren geschwollen, der Arm tat weh. Als die Schmerzen unerträglich wurden und nichts mehr ging, wurde sie zwei Wochen in einer Koblenzer Klinik auf den Kopf gestellt. Dann kam im Januar 2008 die Krebsdiagnose: Sarah litt an einem anaplastischen T-Zell-Lymphom. Es folgten sechs Zyklen Chemotherapie. Sarah wurde als geheilt entlassen, doch die Krankheit kam zurück. Nach unzähligen Chemotherapien folgte im Oktober 2008 die lebensrettende Transplantation in der Kölner Uniklinik. "Ich habe sehr lange gebraucht, um mich auszukurieren. Ich war schwach und bin die erste Zeit nur zu Hause geblieben. Meine Familie hat mich sehr unterstützt", sagt sie dankbar.

"Die wenigsten sind sich dessen bewusst, dass sie mit der Typisierung und mit einer Stammzellspende Leben retten können", sagt die Westerwälderin. Alle 16 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs, darunter viele Kinder und Jugendliche. Vielen von ihnen kann nur durch eine Stammzelltransplantation das Leben gerettet werden, vorausgesetzt sie finden einen genetischen Zwilling als passenden Spender. Und genau hier möchte die Abiturientin helfen.

Im Internet war die 28-Jährige auf die DKMS-Aktion aufmerksam geworden. Schnell war klar, dass Sarah eine solches Projekt auch an ihrer Schule organisieren möchte. "Unser Schulleiter Peter Sabel war sofort von der Idee überzeugt und sagte mir seine Hilfe zu", schildert Sarah. Und so gibt es heute am Koblenz-Kolleg zunächst mehrere Vorträge zum Thema Blutkrebs und Stammzellspende. Anschließend können sich Schüler ab 17 Jahren registrieren lassen. Die Daten der 17-Jährigen werden, so die DKMS, bis zu ihrem 18. Geburtstag gesperrt und erst mit ihrer Volljährigkeit für den Suchlauf freigegeben. Die Registrierung erfolgt bei den Kolleg-Schülern per Wangenschleimhautabstrich mit zwei Wattestäbchen. Die Gewebemerkmale werden dann in einem Labor analysiert und für die weltweite Spendersuche zur Verfügung gestellt.

"Ich würde mich freuen, wenn die Aktion Schule macht, und sich viele weiterführende Schulen aus der Region ein Beispiel daran nehmen und mitmachen", wünscht sich Sarah. Denn sie weiß: "Die Diagnose Krebs muss kein Todesurteil sein. Ich habe es auch geschafft. Ich möchte anderen Krebspatienten Mut machen. Eine Stammzellspende kann Leben retten."

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