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Mosel

Frontalcrash auf der Mosel: Güterschiff drohte nach Havarie zu sinken [Update]

Volker Schmidt

Frontal zusammengestoßen sind am Dienstagmittag zwei Güterschiffe auf der Mosel in der Höhe von Kobern-Gondorf. Dabei wurde eines der beiden Schiffe so stark beschädigt, dass es unterzugehen drohte. Auch wenn beide Schiffe keine Gefahrstoffe geladen hatten: Die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun, um die Situation in den Griff zu bekommen.

Das eine Schiff schaffte es noch bis in die Schleuse Lehmen.
Das eine Schiff schaffte es noch bis in die Schleuse Lehmen.
Foto: Volker Schmidt

Etwa gegen 13 Uhr wurde die Feuerwehr über den Vorfall informiert. Wie die Wasserschutzpolizei mitteilte, kam es zu dem Unfall, weil das bergan fahrende Schiff seinen Kurs verlassen hatte und so den Kurs des in Richtung Koblenz fahrenden Schiffes kreuzte. Die Polizei geht von einer „menschlichen Ursache“ und nicht von technischem Versagen aus. Dass einer der beiden Kapitäne Alkohol getrunken hatte, schließt sie aus.

Nach dem Crash konnten beide Schiffe trotz teilweise beträchtlicher Schäden weiterfahren – vorerst. Das bergan fahrende Schiff schaffte es noch bis in die Lehmener Schleuse. Wegen des Wassereinbruchs im vorderen Teil des Schiffes ging es danach aber gegenüber des Oberfeller Sportplatzes vor Anker. Zunächst habe man die Meldung erhalten, dass Gefahr bestünde, dass das Schiff in der Schleuse sinken könnte, erklärte der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Rhein-Mosel, Michael Gohmann. So schlimm wurde es dann aber nicht. Die Feuerwehreinheiten aus Winningen und Kobern-Gondorf brachten das Schiff schnell in eine stabile Lage, unterstützten die Schiffsbesatzung, die mit einer eigenen Pumpe dabei war, Wasser aus dem Schiff zu pumpen, mit einer zusätzlichen Pumpe.

Deutlich komplizierter war die Lage weiter in Richtung Koblenz. Der Schaden, den das bergab fahrende Schiff erlitten hatte, stellte sich als deutlich gravierender heraus, wie die Wasserschutzpolizei mitteilte. Um einen Untergang des Havaristen zu verhindern, der 1050 Tonnen Weizen geladen hat, entschloss sich der Kapitän in Höhe des Koblenzer Stadtteils Lay, „das Vorschiff auf Land zu fahren“, so die Polizei. Dabei drehte sich das Schiff scheinbar. Denn während das eindringende Wasser abgepumpt wurde, war der deutlich deformierte Bug des Schiffes in Richtung Winningen gerichtet. Geladen hatte das Schiff 1050 Tonnen Weizen.

Die Koblenzer Berufsfeuerwehr schritt sowohl von der Wasser- als auch von der Landseite zum Einsatz. In Höhe der Ortsausfahrt Lay musste eine Spur der Bundesstraße 49 gesperrt werden. Der Autoverkehr wurde in beide Richtungen an der Einsatzstelle vorbeigeleitet. Der Schiffverkehr zwischen den Schleusen Lehmen und Koblenz wurde zwischenzeitlich komplett unterbrochen, das havarierte Schiff auf der einen Seite durch ein Schiff der Feuerwehr und auf der anderen Seite durch eine Arbeitsplattform des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes gesichert.

Im Laufe des Nachmittags konnte der Schiffverkehr wieder kontrolliert freigegeben werden, wie die Wasserschutzpolizei mitteilte. Kontrolliert bedeutet, dass die Schleusenwärter in Lehmen und Koblenz sich abstimmten und in größeren Abständen Schiffe schleusten, die dann einzeln am havarierten Schiff in Lay vorbeifahren konnten.

Wie es mit den beiden Schiffen weitergeht, entscheidet sich am Mittwoch. Ein Taucher wurde für Dienstagabend erwartet, der den Schaden am Schiff bei Lehmen untersuchen soll. Eine Weiterfahrt liegt laut Einschätzung der Polizei im Bereich des Möglichen. Das schwerer beschädigte Schiff bei Lay soll bis zum Mittwoch weiter leer gepumpt werden. Vermutlich muss ein anderes Schiff kommen, um die Ladung des Havaristen zu übernehmen.

[Update, Mittwoch, 9 Uhr:] Unter Aufsicht des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Koblenz wurde die Ladung des Schiffes am Dienstag auf ein anderes Güterschiff umgeschlagen. Das rund 82 Meter lange Frachtschiff hatte 1050 Tonnen Weizen geladen. Erst danach können weitere Maßnahmen am Schiffsrumpf erfolgen. Die Lage des Güterschiffes vor Lay wurde über Nacht von der Feuerwehr sowie von einem Arbeitsboot des WSA Koblenz mittels Pumpen stabilisiert. Das bergfahrende Güterschiff konnte im Bereich der Schleuse Lehmen mit Einsatz mehrerer Tauchpumpen der umliegenden Feuerwehren schwimmfähig gehalten werden. Die hier eingetretenen Beschädigungen am Rumpf sind weniger stark, sodass eine Reparatur noch am Dienstagabend von einem Tauchunternehmen erfolgte. Die Freigabe zur Fahrt erfolgt voraussichtlich am Mittwoch nach Begutachtung durch das WSA. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen war menschliches Fehlverhalten beim Schiffsführer des Schubverbandes ursächlich für die Havarie.

Von unserem Redakteur Volker Schmidt

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