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    KoblenzDebatte in Koblenz: Braucht die Stadt mehr Taubenschläge?

    Der Taubenwagen am Saarplatzkreisel unter der B 9 hat vor Kurzem seinen ersten Geburtstag gefeiert. Geht es nach dem Willen der Initiatorin, sollten weitere an den übrigen Brennpunkten in der Stadt stehen

    So etwa am Hauptbahnhof, in Lützel und in Güls, wo zuletzt Dutzende Taubenküken samt Nestern von der Brücke geholt werden mussten. Das hatte Nicole Merzbach von der Stadttaubenhilfe gegenüber unserer Zeitung gesagt – und bekommt nun öffentlichen Zuspruch.

    Sylvie Weber von der Grünen-Stadtratsfraktion fordert: „Koblenz braucht noch mehr betreute Taubenschläge.“ Auch die Verwaltung steht dem Vorschlag offen gegenüber, wie Stadtsprecher Thomas Knaak auf Anfrage mitteilt. Er meint: „Über einen geeigneten Ort müsste man mit Fachleuten sprechen.“ Doch die Idee findet auch Widerspruch.

    Fakt ist: Die Masse an Taubenkot, die die Stadt jedes Jahr beseitigt, dürfte groß sein – wird aber bei der Stadtverwaltung nicht eigens erfasst, ebenso wenig wie der Kostenaufwand. Der Dreck wird bei der normalen Straßenreinigung entfernt. Dem Kot an den Brücken rücken die Bauhofmitarbeiter gesondert zu Leibe.

    Die Idee des Taubenwagens unter der B 9 fußt darauf, dass die Vögel an diesen gebunden werden. Sie werden dort gefüttert, brüten im Inneren, setzen dabei 80 Prozent des Kotes ab, und ihre Eier werden gegen Attrappen ausgetauscht. So wird Taubennachwuchs effektiv verhindert. Am Saarplatzkreisel sind es hochgerechnet rund 140 Küken, die innerhalb eines Jahres vermieden wurden.

    Der Ruf der Grünen-Lokalpolitikerin Sylvie Weber nach weiteren betreuten Taubenwagen in der Stadt wird unter ihren Stadtratskollegen allerdings nicht nur befürwortet, wie die RZ bei einer Umfrage erfuhr. FBG-Fraktionschef Manfred Gniffke betont: „Wir halten es nicht für richtig, noch mehr Taubenwagen auf Kosten der Steuerzahler anzuschaffen.“ Die Lage sei zurzeit nicht so problematisch, erklärt er. Dennoch sollte man die legalen Möglichkeiten nutzen, die Taubenpopulation zu reduzieren und schärfer gegen unzulässiges Füttern vorgehen: „Oft sind die Taubenernährer bekannt.“ Auch AfD-Ratsmitglied Joachim Paul weist auf den Ärger mit Taubendreck und die Kosten hin. „Ob mit der Einrichtung von Taubenwagen diese Probleme abgestellt werden können, halten wir für sehr fraglich.“

    Zuspruch erhält die Idee der Grünen von der CDU. Fraktionschefin Anne Schumann-Dreyer sagt: „Wir begrüßen alle Maßnahmen, die zu einer Dezimierung des Taubenbestandes führen.“ Der Taubenwagen mit Eiertausch sei so ein Projekt. Die CDU möchte aber kein Geld für weitere Taubenschläge ausgeben. Die benötigten Bauwagen sollten als Sachspenden bereitgestellt werden, so Schumann-Dreyer. Die FDP weist darauf hin, dass die Anschaffung weiterer Wagen mit dem Eckwertebeschluss des Rates vereinbar sein müsste. Fraktionschef Torsten Schupp meint, dass auch für die Betreuung keine Kosten entstehen sollten. Das sieht die BIZ ähnlich, wobei sie davon ausgeht, dass die Stadt die Wagen anschaffen könnte. Fraktionsvorsitzende Angela Keul-Göbel erklärt: „Wir sehen in den Wagen eine gute Alternative, um die Taubenpopulation in Koblenz zu senken.“ Das sei vor allem wegen der Menge an Dreck und der Kosten wichtig.

    Das Thema ist nicht ganz neu: Die SPD-Fraktion hatte sich bereits 2008 für eine tierschutzgerechte Bekämpfung von Stadttauben mittels betreuter Taubenschläge eingesetzt und einen Antrag im Stadtrat gestellt. Das Projekt fiel, so Fraktionschefin Marion Lipinski-Naumann, Sparzwängen bei den freiwilligen Leistungen im städtischen Haushalt zum Opfer. Übrig blieb der umgebaute Bauwagen, der heute als Taubenwagen am Saarplatz steht. Schon damals sollte es nicht bei diesem einem Taubenschlag bleiben. Lipinski-Naumann erklärt: „Experten rieten dazu, vier bis fünf Taubenwagen aufzustellen, um einen flächendeckenden Erfolg zu gewährleisten.“

    Von unserer Redakteurin Katrin Steinert

    Tiefbauamt geht mit Plexiglas und Gittern gegen Tauben in Brücken vor

    Ein Taubenproblem gibt es in Koblenz nicht, sagt Stadtsprecher Thomas Knaak. Dennoch schädigt der Vogelkot Brücken, in deren Nischen und Höhlen die Tauben nisten und brüten. Knaak erklärt, dass seine Kollegen vom Tiefbauamt deshalb dabei sind, an allen Ingenieurbauten in der Stadt offene Widerlager zu verschließen. Das wurde bereits an der Europabrücke in Lützel und an der B 9- Überführung am Saarplatzkreisel gemacht. „Wenn die Öffnungen verschlossen sind, wird natürlich darauf geachtet, dass keine Tiere eingeschlossen werden“, erklärt der Stadtsprecher. Nicole Merzbach von der Stadttaubenhilfe Neuwied-Koblenz sagt, dass die Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt gut funktioniert, aber allein in Lützel 60 Tauben „obdachlos“ wurden und noch lange versuchten, an die Nistplätze zurückzugelangen. Hier nahm sie elf Küken in Obhut, am Saarplatz sieben. „Mir geht es auch darum, Tauben, die nicht fliegen können, zu retten“, sagt Merzbach. kst

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