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Simmern

Psychologischer Vortrag: Der Mensch hinter seiner Maske

Es ist jedes Mal eine Überraschung für die Besucherinnen des Frühstückstreffens für Frauen, was sie wohl geboten bekommen werden. Die Veranstaltung mit dem Titel „Masken, die wir tragen“ ließ allenfalls vage Vermutungen zu.

Referentin Ute Sinn (Mitte) wurde von den Organisatorinnen Birgit Dietrich (links) und Karin Röber herzlich in Simmern begrüßt.
Referentin Ute Sinn (Mitte) wurde von den Organisatorinnen Birgit Dietrich (links) und Karin Röber herzlich in Simmern begrüßt.
Foto: Dieter Böhm

Karin Röber erläuterte in ihrer Begrüßung, dass es Masken schon seit vielen tausend Jahren zu den unterschiedlichsten Zwecken gibt und dass sie auch heute noch aktuell sind. Es tut sich die Frage auf: Kann ich mit einer Maske jemand werden, der ich nicht bin?

Wie eine Maske das Bewusstsein ihres Trägers stark beeinflusst, das hat die Referentin Ute Sinn bei einem Aufenthalt im ländlichen Pakistan selbst eindrucksvoll erfahren müssen. Sie durfte sich nur voll verschleiert in der Tracht der einheimischen Frauen in der Öffentlichkeit bewegen. Ein völlig neues Erlebnis. Ute Sinn stammt aus dem Ruhrgebiet, ist verheiratet, hat drei Kinder, studierte in Düsseldorf und arbeitet als selbstständige psychologische Beraterin. Seit 2004 ist sie Seelsorgerin. Kinder- und Jugendseelsorge, Ehepaarberatung, Traumaberatung und Psychopathologie gehören zu ihrem Aufgabenspektrum. Auch als Buchautorin und Journalistin ist sie tätig; darüber hinaus gibt sie Kunstkurse und malt selbst. Sie erlebte im Karneval die typische Faszination der Maskerade. Echte Fans verlassen auf Zeit ihre eigene Persönlichkeit und wollen einfach einmal anders sein. Anders allerdings verhält es sich mit der jederzeit freundlichen Verkäuferin, der netten Stewardess, oder der fürsorglichen Krankenschwester. Jeder steht als gut maskierter Schauspieler im Leben.

Jede Situation verlangt ihre spezielle Maske; ob im Beruf zu Kollegen, gegenüber Freunden oder dem Partner. Es wird einfach erwartet und ist somit notwendig, dass man sich jeder Situation anpasst und verschiedene Rollen mit der jeweils passenden Maske spielt. Bis man sich schließlich fragt: Wer bin ich eigentlich wirklich? Der Mund kann lachen, auch wenn das Herz traurig ist – aber die Augen sind der wahre Spiegel der Seele.

Doch auch die Selbsterkenntnis kommt oft zu kurz. Wir möchten oft andere Menschen besser machen und erkennen die Fehler anderer rasch, die eigenen jedoch nicht. Zu gern sieht man den Splitter im Auge seines Gegenübers, aber nicht den Balken im eigenen Auge, das steht schon in der Bibel. Die Selbsterkenntnis kommt dabei zu kurz. Besonders sehr erfolgreiche Menschen sind peinlichst darauf bedacht, dass ihre eigenen Schwächen unbemerkt bleiben und sie nicht demaskieren.

Ute Sinn erfährt das in ihrer Praxis häufig, dass Klienten sagen: „So wie ich hier bei ihnen bin, darf mich sonst um Gottes Willen da draußen keiner sehen.“

Hinter einer Maske kann man sich gut verstecken. Doch auf Dauer zerbricht man daran, wenn man seine Fehler immer verbergen muss. Wie weit aber dürfen wir ehrlich sein und hinter unsere Maske blicken lassen oder sie gar abnehmen? Die Referentin meint dazu: „Dort, wo man bedingungslos geliebt wird, ist das möglich. Wo du geliebt wirst, kannst du alle Masken ablegen.“

In letzter Instanz sei das vor Gott; er sieht uns ohne Maske. Trotzdem sagt er: „Ich liebe dich so, wie ich dich geschaffen habe.“ Schon der Theologe Bonhoeffer fand in bitteren Stunden Trost in der Erkenntnis „Wer ich auch bin, Gott liebt mich.“

Der mit erfrischendem Humor gestaltete Vortrag wurde gespannt verfolgt und fand große Resonanz. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung mit wunderbarer Musical- und Filmmusik, professionell dargeboten vom Jugendorchester des Herzog-Johann-Gymnasiums Simmern unter der Leitung von Kerstin Röser. Die mehr als 350 Besucherinnen waren hellauf begeistert und spendeten lang anhaltenden Applaus.

Das nächste Frühstückstreffen für Frauen findet am Samstag, 8. September, in der Hunsrückhalle in Simmern statt.

Von unserem Mitarbeiter Dieter Böhm

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