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Boppard/Koblenz

Bluttat an Afghanin: Jetzt spricht ihr Bruder

Es war ein warmer Sommertag, als der Ehemann seiner Schwester auf ihn zustürmte und schrie: „Komm, schau an, was diese Verrücke gemacht hat!“ Kurz darauf stand er im Zimmer seiner Schwester und sah die junge Frau blutüberströmt am Boden liegen – mit einem Messer in der rechten Hand.

Foto: frei

Das hat der 23-Jährige jetzt im Prozess am Landgericht Koblenz geschildert. Er habe sich zur ihr gekniet und ihre Hand gehalten, erzählte der Mann. Und: „Es ging ihr sehr schlecht. Sie konnte kaum reden. Aber sie zeigte, dass ihr Mann das Zimmer verlassen sollte.“

Die Bluttat vom 16. Juni 2017 in einem Bopparder Flüchtlingsheim bleibt auch nach dem dritten Prozesstag rätselhaft. Seit Dezember steht der Gatte der jungen Afghanin vor Gericht. Laut Anklage soll er mit einem Messer zwölf Mal auf seine Frau eingestochen haben. Die 19-Jährige erlitt schwerste Verletzungen an der Niere und der Milzarterie. Sie verlor fast drei Liter Blut – und konnte nur durch eine Notoperation vor dem Tod gerettet werden. Bei der Polizei sagte die Frau, ihr Mann habe ihr das aus Eifersucht angetan. Doch vor Gericht machte sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und sagte nur: „Ich möchte immer noch mit ihm zusammenleben.“ Der Angeklagte selbst bestreitet die Tat, sagt, er habe seine Frau mit einem Messer im Rücken vorgefunden. Wer ihr das angetan hat, wisse er selbst nicht.

Ohne die Aussage der jungen Afghanin ist das Gericht nun umso mehr auf andere Zeugen angewiesen. Doch auch der Bruder der Frau konnte kein Licht ins Dunkel bringen. Er erzählte, dass er mit dem Angeklagten gut befreundet sei. Dass sich die Männer in der Türkei bei ihrer Flucht nach Deutschland kennenlernten. Und dass er sich darüber freute, als seine Schwester ihn im Februar letzten Jahres in Boppard heiratete. Am Tattag sei der Mann in sein Zimmer gekommen und habe nach Zigaretten gefragt. Rund eineinhalb Stunden später sei er erneut aufgetaucht – und habe ihm erzählt, dass seine Schwester sich selbst verletzt habe.

Rund drei Stunden löcherten die Prozessbeteiligten den Bruder mit Fragen. Vor allem die Verteidigung versuchte ihn in Widersprüche zu verstricken. Denn am Tattag nahmen Polizisten zunächst auch den Bruder als Beschuldigten fest, ließen ihn allerdings noch in der selben Nacht auf freien Fuß. Aus dem Umfeld des Paares kursieren Gerüchte, wonach der Bruder die junge Afghanin immer wieder geschlagen haben soll. Im Prozess gab es dafür jedoch keinerlei Anzeichen.

Vor Gericht sagte der Bruder aus, dass seine Schwester, nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen worden ist, ihm erzählt habe, dass der Angeklagte der Täter sei. Warum sie immer noch mit ihm zusammenleben will, könne er sich nicht erklären. Aber: „Meine Meinung ist nicht ausschlaggebend. Es ist ihre Entscheidung.“

Eugen Lambrecht

Der Prozess geht am 17. Januar weiter.

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