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    Zeugin: Er hat stolz über die Tat geredet

    Erneute Wende im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Polizisten an Heiligabend in Herborn: Eine Krankenschwester sagt aus, der Angeklagte habe mit seiner Tat geprahlt.

    Polizisten stehen am 24. Dezember 2015 in Herborn auf dem abgesperrten Bahnsteig. Dort war ein 46 Jahre alter Polizist einer Messerattacke zum Opfer gefallen. Der mutmaßliche Täter steht in Limburg vor Gericht.  Foto: dpa
    Polizisten stehen am 24. Dezember 2015 in Herborn auf dem abgesperrten Bahnsteig. Dort war ein 46 Jahre alter Polizist einer Messerattacke zum Opfer gefallen. Der mutmaßliche Täter steht in Limburg vor Gericht.
    Foto: dpa

    Von Malte Glotz

    Es ist bereits das zweite Mal, dass eine Aussage einer überraschenden Zeugin den angeklagten 28-Jährigen schwer in Bedrängnis bringt: Relativ früh im Prozess hatte bereits eine Hochschwangere berichtet, der Mann, der an Heiligabend 2015 am Herborner Bahnhof zwei Polizisten niederstach - einer verblutete noch am Tatort - habe ihr gegenüber die Tat zuvor angekündigt. Es fand sich zwar im späteren Verlauf kein weiterer Zeuge, der das gehört haben wollte - doch die Aussage steht im Raum.

    Am Montagmittag - Stunden, bevor am Herborner Bahnhof ein Ortstermin angesetzt ist - berichtet eine Krankenpflegerin des Kasseler Justizkrankenhauses. Es sei der Zufall, der sie in den Gerichtssaal führe, sagt sie. Weder habe sie den Prozess im Internet oder in der Zeitung verfolgt, noch habe sie bewusst vorgehabt, darin eine Rolle zu spielen. Generell nehme sie die Arbeit, bei der sie täglich mit Straftätern und ihren Taten konfrontiert werde, nicht mit nach Hause. Während einer Heimfahrt vor wenigen Wochen aber habe sie - entgegen ihrer Gewohnheit - Radio gehört. Just an diesem Tag hatte das Gericht entschieden, einen Ortstermin in Herborn abzuhalten. Das Ziel: zu klären, wie die Lichtverhältnisse waren - ob der Angeklagte die auf ihn zustürmenden Polizisten erkannt haben kann, ob die Scheiben des Zuges ihn widerspiegelten oder in der Dunkelheit den Blick nach draußen freigaben.

    Der Angeklagte hatte behauptet, während des Kampfes mit den Beamten nicht gewusst zu haben, dass diese Polizisten waren. "Da ist mir innerhalb von Sekunden der Puls hochgegangen, weil ich weiß, dass es anders war", erinnert sich die Zeugin an die Fahrt, während der sie den Radiobeitrag gehört hatte.

    Sie hatte, so berichtet sie, Frühdienst, als der Häftling aus einer anderen Klinik nach Kassel verlegt wurde. Sie wechselte ihm so als Erstes die Verbände - man kam ins Gespräch. "Mir fiel direkt auf, dass er eine extrem fröhliche Art hatte", sagt sie. Anders als bei anderen Patienten habe sich das während der etwa ein Dutzend Aufeinandertreffen auch nicht geändert. Der Angeklagte habe sie, obgleich zehn Jahre jünger, geduzt, habe auch zu flirten versucht. Ihre Ermahnung habe zu keiner Verhaltensänderung geführt: "Der flapsige Umgang blieb", sagt sie aus.

    Sie sei von dieser Art schon am ersten Tag genervt gewesen, erklärt sie, und habe ihn deshalb gefragt, ob er denn schon einmal an die Opfer seines Messerangriffes gedacht habe. "Selbst Schuld, die Scheißbullen. Wenn sie so auf mich zugehen, dann haben sie es nicht besser verdient", soll er ihr zufolge gesagt haben. Er, soll der Angeklagte weiter ausgeführt haben, mache seine eigenen Gesetze, notfalls auch mit Blutvergießen. Er erkenne die Gesetze des Staates nicht an und auch die Bediensteten der Justizvollzugsanstalt seien ein Teil dieses Staates - müssten sich also in acht nehmen.

    "Ich habe bei der Übergabe an meinen Spätdienst gesagt, dass ich ihn als gewalttätig einschätze", sagt die Krankenschwester aus. Fortan habe sie dafür gesorgt, dass immer ein Kollege zumindest im Nebenzimmer war, wenn sie den Dillenburger behandelte - üblich sei das nicht in dem Kasseler Justizkrankenhaus. Mehrfach, führt sie weiter aus, sei er während der Behandlungen auf den Tatmorgen zurückgekommen. Nie habe er dabei betrübt gewirkt. "Er hat sehr fröhlich über seine Tat geredet und auch stolz", berichtet sie ihre Beobachtungen. Zudem habe er ihr das Gefühl vermittelt, froh zu sein über die erneute Inhaftierung. Für ihn finde im Gefängnis "das normale Leben" statt. Ebenfalls habe er erwähnt, aus dem Zug heraus gesehen zu haben, dass Polizisten auf ihn zukamen. Das habe er zudem erwartet - denn davon sei nach der Kontrolle, bei der er keinen gültigen Fahrschein vorzeigen konnte, auszugehen gewesen.

    Die Aussage der Krankenschwester stellt beinahe die gesamte anwaltlich verlesene Einlassung des Angeklagten auf den Kopf. Er hatte sich darauf berufen, sich von Unbekannten angegriffen gefühlt zu haben. Entsprechend versuchte Verteidiger Torsten Fuchs, die Aussage durch Anträge zu verhindern. Insbesondere, das betonte er, sah er eine Straftat in der Aussage - denn als Krankenschwester unterliege die Zeugin der Verschwiegenheitspflicht. Warum sie dieses Risiko eingehe, wollte er wissen: "Ich sehe das als Zivilcourage an", sagte die Frau - sie könne nicht schweigen, wenn sie sich in die Situation der Familie hineinversetze.

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