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Limburg

Tat im Rausch: Frau muss wegen Totschlags in Haft

Pfingsten 2017 ist es zwischen einem Paar in Gaudernbach zu einem Streit gekommen, der tödlich endete. Drei Mal stach die betrunkene 43-Jährige auf ihren Partner ein. Nun wurde sie zu sieben Jahren Haft und einem Entzug verurteilt.

Eingang zum Landgericht Limburg: Dort wurde die 43-jährige Angeklagte zu sieben Jahren Haft verurteilt. Mika Beuster
Eingang zum Landgericht Limburg: Dort wurde die 43-jährige Angeklagte zu sieben Jahren Haft verurteilt. Mika Beuster

War es Totschlag, wie Staatsanwältin Sabine Hönnscheidt einschätzte und dafür eine achtjährige Gefängnisstrafe forderte? Oder gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge, wie Verteidiger Stefan Reusch in seinem Plädoyer darlegte und lediglich sechs Jahre Haft für angemessen hielt? Der Vorsitzende Richter Andreas Janisch bewertete die Tat unter einem bedingten Tötungsvorsatz. „Wer seinem Gegenüber ein großes Messer drei Mal in die Region lebenswichtiger Organe sticht, kann nicht darauf vertrauen, dass sein Opfer überlebt“, begründete er die Verurteilung wegen Totschlags. Zudem habe die Täterin sich durch die Gleichgültigkeit gegenüber ihrem schwer verletzten Partner schuldig gemacht. Denn noch am gleichen Abend mutmaßte sie einem Bekannten gegenüber, ihr Lebensgefährte könne durchaus an seinen Verletzungen verstorben sein. Doch den Notarzt verständigt hatte sie nicht. Trotz eines Blutalkoholwertes von 2,5 Promille könne der Frau aber nicht eine verminderte Steuerungsfähigkeit zugutegehalten werden, da sie das Trinken offenbar gewohnt war, hieß es in der Urteilsbegründung.

Würde die Alkoholabhängigkeit nicht behandelt, seien weitere Straftaten zu befürchten. Deshalb befand die Schwurgerichtskammer, die Täterin in einer Entziehungsanstalt unterzubringen, sobald sie die ersten anderthalb Jahre ihrer Haftstrafe abgesessen hat.

Zur Tat an sich: Dass sie ihren 51-jährigen Lebensgefährten im Streit mit einem Messer attackiert und danach den Verletzten allein in der Wohnung gelassen hatte, darüber hatte die Frau bereits ein Geständnis abgelegt. Sowohl die Frau als auch das Opfer hatten reichlich Alkohol getrunken, als es zum Streit aus Eifersucht kam.

Nachdem der Mann die Frau mit „Schlampe und Hure“ beleidigt und sie provoziert hatte – „Dann stich doch zu!“ –, stieß sie ihm drei Mal eine 19 Zentimeter lange Klinge in den Bauch. Danach ließ sie ihren Lebensgefährten alleine in der Wohnung zurück und kam erst zwei Tage später wieder in die Wohnung zurück. Dort fand sie den Mann tot auf. Zum Zeitpunkt ihrer Festnahme hatte die Frau einen hohen Blutalkoholspiegel.

Das sagte der Experte: In seinem Gutachten bescheinigte der leitende Abteilungsarzt bei Vitos Hadamar, Martin Stein, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit Schwerpunkt forensische Psychiatrie und suchtmedizinische Grundversorgung, der Angeklagten eine schwere Alkoholabhängigkeit mit einer niedrigen Schwelle für aggressives Verhalten. Die Frau habe eine emotional instabile Persönlichkeit und sei verantwortungslos, so der Arzt. Zudem sei sie nur schwer beziehungsfähig und lehne aufgrund negativer Erfahrungen eine Therapie ab. Man könne aber unangenehmen Situationen im Leben nicht immer entfliehen, sondern müsse sich ihnen stellen, führte Stein weiter aus.

Die Frau müsse sich Gedanken machen, wie es weitergehen soll, sei aber unvernünftig, wenn nicht gar infantil. Eine Therapie sei daher alternativlos. Die für die Frau erforderliche Therapie könne aber in einer Justizvollzugsanstalt nicht geleistet werden.

Der Strafverteidiger der 43-Jährigen wies vor dem Urteil noch darauf hin, dass die Frau Erinnerungslücken hatte, was den Tathergang anging. Das sei allerdings nicht überprüfbar, sagte Gutachter Stein dazu. Anwalt Reusch hegte trotzdem weiter Zweifel, ob bei der Tat wirklich ein Vorsatz unterstellt werden könne. Er verwies dabei auf eine gemeinsame Lebensperspektive des Paares in Portugal. Da das Opfer zwar verletzt war, sich aber noch in der Wohnung bewegen konnte, als die Angeklagte das Haus verließ, hätte der Mann durchaus selbst einen Notarzt verständigen können. Man könne nicht von einem Tötungsvorsatz ausgehen, argumentierte er.

Von Kerstin Kaminsky
und Andreas Müller

Diez
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