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Holzappel

Psalm 104 im Gepäck: Pfarrerin wandert 1100 Kilometer durch Deutschland

Dagmar Schweickert

Zu Fuß ist Melanie Schneider 1100 Kilometer durch Deutschland gelaufen: Die evangelische Pfarrerin aus Holzappel nutzte die dreimonatige Studienzeit, die ihr die Kirche alle zehn Jahre zugesteht, für einen Marsch vom Bodensee an die Ostsee. Warum sie das gemacht hat, ob sie dabei Heimweh hatte oder Angst, wird die 43-Jährige in Kürze bei Vorträgen in der Region erzählen.

Über Stock und Stein, durch den Wald, aber auch mitten durch idyllische Dörfer und Städte ging es für Pfarrerin Melanie Schneider – und über eine große Strecke auch für Hund Fransi – vom Bodensee bis an die Ostsee. Foto: privat
Über Stock und Stein, durch den Wald, aber auch mitten durch idyllische Dörfer und Städte ging es für Pfarrerin Melanie Schneider – und über eine große Strecke auch für Hund Fransi – vom Bodensee bis an die Ostsee.
Foto: privat

Melanie Schneider stammt aus Nastätten, hat in St. Goarshausen Abitur gemacht, in Heidelberg und Mainz Theologie studiert. Sie bezeichnet sich selbst als „Landei und echtes Kind aus dem Rhein-Lahn-Kreis“, ist heimatverbunden, liebt die Natur, liest gerne, singt im Chor und hatte schon immer eine Vorliebe für lange Wanderungen.

Die Studienzeit nutzen viele Amtskollegen für eine klassische Forschungsarbeit vor Ort, um ein biblisches Kochbuch oder einen Kirchenführer für Kinder zu erstellen. Melanie Schneider wollte die Zeit, die bewusst als Burn-out-Prophylaxe gedacht ist, dazu nutzen, sich auf einen besonderen Weg zu machen. Begleitet wurde sie streckenweise von ihrem Lebensgefährten Martin Samrock, ein großes Stück von ihrem Hund Fransi und die gesamten drei Monate über vom Psalm 104: Dieser Text hat sie als biblisches Leitmotiv getröstet und gestärkt auf unwegigen Trampelpfaden, an steilen Anstiegen, in ruhigen Minuten frühmorgens in der Kirche oder im Angesicht einer Schafherde und unbeaufsichtigten Herdenschutzhunden.

Nach einer einjährigen Planungsphase, in der sie Gasthäuser gebucht und Strecken vorbereitet hat, ist sie in Süddeutschland gestartet. „Wir waren dort auf einer Hochzeit. So konnte ich loslaufen in Wasserburg, ohne für die Anreise zusätzlich CO2 in die Luft zu pusten“, erklärt sie. Anfangs war ihr Lebensgefährte dabei, der sie auch während der Wanderung mehrmals besuchte. Nach einem Monat holte er den Hund ab: Die Pfoten waren wund, die vielen Eindrücke zu viel für die temperamentvolle Fransi.

Allein ging es weiter. Angst hatte Melanie Schneider nie: „Ich habe nicht öffentlich gebloggt, wo ich unterwegs bin, habe keine Einladung, mit jemandem zu gehen, angenommen. Ich war meist schon um halb sechs unterwegs. Da lauert niemand im einsamen Wald.“ Kirchen hat sie „von der anderen Seite“ erlebt, als Kirchgängerin. Überraschend oft konnte sie dabei am Abendmahl teilnehmen. Sie hat im Lutherjahr die Wartburg erwandert, hat die blühende Lüneburger Heide erlebt, kam schließlich am Ziel an: Timmendorfer Strand. Dass sie dort in der Ferienwohnung ihrer Eltern den Abschluss der besonderen Wanderung erlebt hat, war Balsam für die Seele, denn: „Zum Schluss hatte ich Sehnsucht nach vertrauten Orten und Menschen.“ Drei Monate lang hatte es ihr nichts ausgemacht, allein mit sich, ihren Gedanken und Glauben unterwegs zu sein. Doch dann, urplötzlich in einem Supermarkt „hat meine Seele auf einmal erwartet, Bekannte zu treffen, so wie zu Hause.“ Und surreal kam ihr kurz darauf, als es im Auto nach Hause ging, die Erkenntnis vor: „Was wir hier in wenigen Stunden runterfahren, dafür habe ich alleine zu Fuß sechs Wochen gebraucht.“

Über Blasen an den Füßen, Ruhetage, schwache Momente und ganz viel Glück – nicht nur mit dem Wetter – berichtet Pfarrerin Melanie Schneider am Mittwoch, 18. April, um 15 Uhr im Gemeindehaus der Jakobusgemeinde in Freiendiez, sowie am Dienstag, 24. Mai, um 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus von Holzappel. Der Eintritt frei, eine Anmeldung ist nicht nötig. Es gibt nachmittags eine Kaffeepause, abends „Verpflegung wie aus dem Rucksack“. Den darf man übrigens samt zehn Kilogramm Marschgepäck probetragen.

Von unserer Redakteurin
Dagmar Schweickert

Diez
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