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Diez

Mietshaus: Nachbarn machen sich das Leben zur Hölle

Ein Nachbarschaftsstreit in einem Diezer Mietshaus beschäftigt das Diezer Amtsgericht. Es geht um eine angebliche Bedrohung, es geht um vermeintliches „Mobbing“ und die Frage: Wer ist hier eigentlich der böse Nachbar?

Richter Eckhard Krahn konnte diese Frage während des ersten Termins der Hauptverhandlung nicht beantworten und vertagte den Prozess. Er will weitere Zeugen hören, um sich Klarheit zu verschaffen.

Es gärt schon lange zwischen den Mietparteien. Grund scheint vor allem die laute Musik zu sein, die der 31 Jahre alten Angeklagten Entspannung, den Nachbarn aber eher Kopfzerbrechen bereitet. Beim Vermieter haben sich die Nachbarn schon darüber beschwert, beim Ordnungsamt auch, aber von beiden Instanzen keine Unterstützung erhalten. Am 22. Februar dieses Jahres platzte der 63-jährigen Nachbarin dann der Kragen, sie rief die Polizei. Dem angeblichen Lärm aus der Nachbarwohnung war schon ein Streit vorausgegangen. „Das war ein ganz schlimmer Tag“, sagte die 63-Jährige im Zeugenstand. Erst habe sie sich mit unflätigen Worten beschimpfen lassen müssen, als sie die 31-Jährige, die sich mit ihren Kindern draußen auf dem Spielplatz aufhielt, darum bat, doch die Haustür zu schließen, weil kalte Luft in ihre Wohnung zog. Dann sei schon zuvor wieder einmal laute Musik von nebenan zu hören gewesen. Als sich das am Abend wiederholte, platzte ihr der Kragen. „Ich höre nur die Basstöne, das ist so extrem, dass der Heizkörper mitvibriert. Das ist sehr belastend“, beschrieb sie den Höllenlärm von nebenan. Die Polizei kam und sorgte für Ruhe. Danach aber eskalierte die Sache erst richtig, es soll zu besagter Bedrohung gekommen sein. Das Telefon klingelte bei der 63-Jährigen und am anderen Ende sagte eine Stimme: „Wenn ich Dich in die Finger kriege, bist Du tot.“ Die Frau ist sich sicher, die Stimme der 31-Jährigen erkannt zu haben. „Wenn sie aufgebracht ist, hat sie eine ganz bestimmte Tonlage. Das ist unverkennbar für mich“, sagte sie.

Die Angeklagte leugnet die Bedrohung und erklärte: „Ich möchte einfach nur in Ruhe leben. Das ist überhaupt nicht meine Art.“ Zum Beweis hat sie eine Anrufliste ihres Handys vorgelegt und will dies auch noch für das Festnetz tun. Auch die Lärmbelästigung am Mittag habe nicht von ihrer Wohnung ausgehen können. Sie sei gar nicht da gewesen, das könnten Zeugen belegen, mit denen sie in diesem Zeitraum in Balduinstein gewesen sei. Die laute Musik am Abend räumte sie ein. Sie habe an ihre Oma denken müssen, die sie am nächsten Tag zu einer Lungen-OP nach Gießen fahren wollte. Die Musik habe sie entspannt. „Andere lesen ein Buch, ich brauche meine Musik.“ Allerdings will sie sich hinsichtlich der Lautstärke an übliche Regeln gehalten haben: „Ich war immer im erlaubten Rahmen.“

Tatsächlich fühlt sich die 31-Jährige von ihrer Nachbarin und weiteren Mietparteien, Angehörige der 63-Jährigen, gemobbt. Schon am dritten Tag nach dem Einzug habe das angefangen und sei dann immer so weitergegangen. „Ich gehe davon aus, dass wir nicht ins Bild passen von dieser Hausgemeinschaft. Diese Familie hat sich uns als Opfer gesucht“, vermutet die Angeklagte.

Angesichts dieser Gemengelage vermochte Richter Krahn keine Entscheidung zu treffen. Um die Glaubwürdigkeit der Aussagen beider Parteien zu überprüfen, sollen zu einem neuen Termin Polizisten, eine Freundin der Angeklagten und weitere Nachbarn gehört werden. Hans Georg Egenolf

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