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    Burgschwalbach

    Ernst Spriestersbach schmiedet Rosen für Denkmal in Utoya

    Seit fast 80 Jahren geht der Burgschwalbacher Schmiedemeister Ernst Spriestersbach seiner Arbeit nach. Fast versteckt hinter hohen Mauern eines ehemals landwirtschaftlich genutztem Wirtschaftsgebäudes, steht er noch heute, so oft es seine Gesundheit erlaubt, in seiner tadellos alten aufgeräumten Schmiede.

    Burgschwalbach - Seit fast 80 Jahren geht der Burgschwalbacher Schmiedemeister Ernst Spriestersbach seiner Arbeit nach. Fast versteckt hinter hohen Mauern eines ehemals landwirtschaftlich genutztem Wirtschaftsgebäudes, steht er noch heute, so oft es seine Gesundheit erlaubt, in seiner tadellos alten aufgeräumten Schmiede.

    Dort, wo er sein Leben lang gearbeitet hat, heizt er immer noch die Esse an, zeichnet auf Flacheisen Markierungen und beginnt nach der Erwärmung in das Flacheisen Kerben einzuschlagen. Anschließend schlägt er mit dem Federhammer oder auch von Hand die angetrennten Flächen platt, formt Blütenblätter daraus und gibt dem metallenen Blattgebilde die gewünschte Rundung.
    Unter den vielen von ihm gefertigten Rosen, sind zwei ganz besondere. Sie werden Teil eines großen Denkmals, das an das Massaker auf der Ferieninsel Utoya im Fjord von Oslo im Juni 2011 erinnert. Dort wurden 68 Kinder und Jugendliche von dem norwegischen Attentäter Anders Breivik grausam ermordet. Aus 18 Ländern rund um den Erdball sind inzwischen mehr als über 400 geschmiedete Rosen in Norwegen eingetroffen. Und die Zahl steigt weiter. Ein Zeichen der weltweiten Anteilnahme an dem grausamen Massaker. Das Denkmal, eine Skulptur mit metallenen Rosen aus aller Welt, wird zum Jahrestag im Juni 2013 eingeweiht. Zwei Rosen aus Burgschwalbach werden Teil des Mahnmals. Ernst Spriestersbach folgte dem Aufruf eines bekannten Metalldesigners. „Für mich sind diese beiden Rosen natürlich besonders wertvoll und haben einen besonderen Stellenwert“, hebt Ernst Spriestersbach hervor.
    Mit einem langen Stiel aus Eisen ähneln die Blüten einer kostbaren Baccararose. Andere Rosen ohne Stiel, ähnlich wie rundlich geformte Wildrosen, schweißt Ernst Spriestersbach auf alte Hufeisen, von denen er noch zahlreiche Exemplare besitzt. „Das sind dann die begehrten Glücksbringer, mit denen sich die Menschen besonders zum Jahreswechsel ihr kleines persönliches Glücksgefühl erträumen und auf längere Sicht erhalten wollen. Jede Rose wird anders, ganz so wie in der Natur. Jede ist ein kostbares Unikat“, beschreibt der ehemalige Huf- und Wagenschmied seine Arbeit.
    Früher hat Ernst Spriestersbach unzählige Pferde beschlagen. Wie schwer dieser Beruf war, davon erzählt er gerne. Auch den vor 60 Jahren in der Landwirtschaft noch benutzten hölzernen Erntewagen, hat er um das hölzerne Wagenrad millimetergenau den Eisenreifen angepasst. Edle Hoftore, Dachrinnen und diverse Spenglerarbeiten erfüllten seinen Beruf, an dem er auch im hohen Alter noch festhält.
    Wie abwechslungsreich sich seine Arbeit gestaltete, davon erzählen die vielen Ambosse, Schweißapparate, Schleifsteine, Federhammer, Hämmer und Zangen in großer Anzahl, Drehbank, Eisensägen, Bohrmaschinen und die Esse, die er regelmäßig mit speziellen Essekohlen auf 800 bis 1000 Grad erhitzt, um seine Glücksrosen zu formen. Doch zu heiß darf die Glut auch nicht sein, denn „dann verbrennt der sonst so stabiler Werkstoff – das Eisen.“ Ernst Spriestersbach ist und bleibt mit Leib und Seele Schmied und um keinen Preis der Welt trennt er sich von seinem kostbaren Handwerkszeug und seiner so perfekten Schmiede im landwirtschaftliche Anwesen, mitten im alten Ortskern von Burgschwalbach.

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